Das Quantencomputing entwickelt sich zunehmend von einem Forschungsfeld zu einem relevanten Wirtschaftszweig. Laut dem neuen „Quantum Technology Monitor 2026“ der Beratung McKinsey & Company steht die Branche vor einem entscheidenden Wendepunkt.
Dem Bericht zufolge sind die weltweiten Investitionen in Start-ups aus dem Bereich Quantentechnologien innerhalb eines Jahres sprunghaft gestiegen. 2025 erreichten sie mit 12,6 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand. Gleichzeitig überschritten die globalen Erlöse von Quantencomputing-Unternehmen erstmals die Marke von 1 Milliarde US-Dollar.
Was Quantencomputer anders macht
Quantencomputer funktionieren grundlegend anders als klassische Rechner. Statt gewöhnlicher Bits, die nur den Zustand 0 oder 1 annehmen können, arbeiten sie mit Qubits. Diese können dank sogenannter Superposition mehrere Zustände gleichzeitig darstellen.
Hinzu kommt die Verschränkung: Qubits lassen sich auf besondere Weise miteinander koppeln, sodass ihr Zustand voneinander abhängt. Dadurch sind Quantencomputer bei bestimmten Problemen besonders leistungsfähig – etwa bei der Analyse komplexer Muster, bei Simulationen oder in der Optimierung. Große Einsatzfelder sehen Experten vor allem in der Kryptographie, der Materialentwicklung und bei KI-Anwendungen.
Thema für die Chefetagen
McKinsey zufolge ist Quantencomputing inzwischen in den Führungsetagen großer Unternehmen angekommen. Henning Soller, Partner bei McKinsey, bezeichnet 2026 als das Jahr, in dem aus einem Technologieversprechen eine strategische Managementfrage werde. Im Mittelpunkt stehe nicht mehr nur, ob die Technik funktioniert, sondern welche Unternehmen jetzt Kompetenzen, Kooperationen und Marktpositionen aufbauen.
Private Geldgeber dominieren
Auffällig ist laut Studie auch der Wandel bei der Finanzierung. Lange war die Branche stark auf öffentliche Fördermittel angewiesen. Inzwischen kommen die Mittel aber vor allem von privaten Investoren und über die Kapitalmärkte. Während 2024 noch rund ein Drittel der Investitionen aus staatlichen Quellen stammte, sank dieser Anteil 2025 auf nur noch 3 Prozent. Fast 44 Prozent der privaten Finanzierung kamen über Kapitalmärkte, etwa durch Börsengänge.
USA führen bei Kapital, Europa bei Nutzung
Die Untersuchung zeigt zudem, wie stark der Wettbewerb geopolitisch geprägt ist. Die USA dominieren bei der Finanzierung von Start-ups, bei großen Deals und bei der Ansiedlung führender Unternehmen. Rund 64 Prozent der Investitionen fließen in US-Start-ups.
Europa liegt dagegen bei der praktischen Einführung der Technologie in Unternehmen vorne. Asien, besonders China, baut seine Position ebenfalls aus: Das Land führt bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen und bei Patentanmeldungen im Quantenbereich. Das deutet auf eine gezielte, staatlich unterstützte Strategie zum Aufbau technologischer Stärke hin.
Zeitfenster wird kleiner
Für Europas Wirtschaft ist die Botschaft klar: Wer in der entstehenden Quantenökonomie vorne mitspielen will, muss jetzt handeln. Unternehmen, die Quantencomputing weiterhin als Zukunftsthema ohne akute Relevanz betrachten, könnten in der nächsten industriellen Umbruchphase entscheidend zurückfallen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion