Wirtschaft

Studie: Darum scheitert KI oft im Test

Großer KI-Hype, wenig Wirkung? Warum deutsche Firmen den Sprung vom Test zur Praxis überraschend oft nicht schaffen.

24.05.2026, 06:00 Uhr

Studie: KI kommt in deutschen Unternehmen langsamer im Alltag an als geplant

Künstliche Intelligenz spielt in den Zukunftsstrategien vieler deutscher Unternehmen zwar eine wichtige Rolle, im praktischen Betrieb verliert das Thema jedoch häufig an Tempo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des IT-Beraters Zoi. Demnach scheitert der erfolgreiche Einsatz von KI weniger am Budget als vielmehr an internen Strukturen und der Umsetzung im Tagesgeschäft.

Grundlage der Studie ist eine Befragung von 500 IT-Verantwortlichen aus Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten. Durchgeführt wurde sie vom Meinungsforschungsinstitut Civey, wissenschaftlich begleitet von der Hochschule der Medien Stuttgart.

Große Distanz zwischen Tests und produktivem Einsatz

Laut Studie haben die meisten großen Unternehmen in Deutschland inzwischen erste KI-Anwendungsfälle identifiziert und Pilotprojekte aufgesetzt. Dennoch gelingt es vielen nicht, diese Ansätze in einen wirtschaftlich sinnvollen Regelbetrieb zu überführen. Zwischen ersten Experimenten und echtem Nutzen im Arbeitsalltag bestehe oft eine deutliche Lücke.

Als wichtigste Hürden nannten die befragten IT-Entscheider die komplexe bestehende IT-Landschaft, fehlende Kompetenzen bei den Beschäftigten und Probleme bei der Einbindung neuer KI-Lösungen in ältere Systeme. Finanzielle Fragen oder Zweifel am wirtschaftlichen Ertrag wurden deutlich seltener als zentrale Hindernisse erwähnt. Auffällig ist laut Studie außerdem, dass gerade besonders fortschrittliche Unternehmen stark unter der technischen Komplexität leiden.

Strategien oft ohne klare Erfolgsmaßstäbe

Die Ursachen liegen der Untersuchung zufolge häufig auch auf Führungsebene. Zwar erklären rund drei Viertel der Unternehmen, dass es eine schriftlich fixierte KI-Strategie der Unternehmensleitung gibt. Allerdings ist diese nur bei etwa einem Drittel mit konkreten, messbaren Zielen verbunden. Ohne solche Kennzahlen bleibe die Strategie oft unverbindlich.

Zoi-Geschäftsführer Benjamin Hermann sieht darin eine zentrale Schwäche: Zwischen technischer Stärke und einer guten operativen Umsetzung liege noch ein großer Abstand. Der Einstieg in KI sei vergleichsweise leicht, der produktive und nachhaltige Einsatz dagegen deutlich schwieriger.

Auch Professor Jan Kirenz von der Hochschule der Medien Stuttgart verweist auf ein gemischtes Bild. Seinen Angaben zufolge testen 76 Prozent der deutschen Großunternehmen bereits aktiv KI-Agenten, was das große Interesse an Innovationen zeige. Doch nur 19 Prozent setzten diese Technologien bislang in ihren Kernprozessen ein. Der breite wirtschaftliche Nutzen lasse daher noch auf sich warten.

Mehrheit rechnet nicht mit starkem Stellenabbau

Teil der Studie war auch die Frage, ob KI in großem Stil Arbeitsplätze vernichten werde. Die Mehrheit der befragten IT-Verantwortlichen erwartet das nicht. 79 Prozent der IT-Entscheider gehen davon aus, dass generative KI die Zahl der Beschäftigten im Unternehmen entweder stabil hält oder sogar erhöht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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