Wirtschaft

Shein überrascht vor Börsengang mit Wachstumsknick

Kurz vor dem Hongkong-Börsengang legt Shein heikle Zahlen offen – und warnt selbst vor Risiken. Was steckt dahinter?

27.07.2026, 12:20 Uhr

Shein legt vor Hongkong-Börsengang schwache Zahlen vor

Kurz vor dem geplanten IPO in Hongkong hat der Onlinehändler Shein einen deutlichen Rückschlag bei den Geschäftszahlen offengelegt. Laut einer Mitteilung an die Börse in Hongkong schrieb das ursprünglich aus China stammende Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 86,8 Millionen Euro.

Im Vorjahreszeitraum hatte Shein, bekannt für besonders schnell produzierte und günstige Mode, noch einen Gewinn von 395 Millionen Dollar erzielt. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum lediglich um 1,1 Prozent zu und erreichte 9,05 Milliarden Dollar.

Unternehmen warnt vor Unsicherheiten

In der Mitteilung betonte Shein, dass es keine Garantie für dauerhaft profitable Geschäfte gebe. Das in Singapur ansässige Unternehmen verwies darauf, dass sein Geschäft verschiedenen Risiken ausgesetzt sei, von denen viele nicht direkt beeinflussbar seien.

Als Belastungsfaktoren nannte Shein vor allem geopolitische Spannungen, die Auswirkungen auf den Welthandel und damit auf den Absatz haben könnten. Auch staatliche Eingriffe und strengere Regulierungen würden das Geschäft erschweren.

Konkret verwies der Konzern auf das Ende der sogenannten De-Minimis-Regel in den USA, durch die zollfreie Kleinsendungen bislang begünstigt wurden. Dadurch seien die Kosten gestiegen. Zusätzlich verwies Shein auf neue EU-Vorgaben, nach denen künftig auch Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro mit Abgaben belegt werden können.

Erster genauerer Blick auf die Finanzlage

Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress gewinnen auch in Deutschland weiter an Marktanteilen. Vor allem niedrige Preise machen sie für viele Käufer attraktiv. Gleichzeitig stehen die Anbieter seit Längerem in der Kritik. Vertreter aus Politik, Handel und Verbraucherschutz bemängeln unter anderem die Qualität mancher Produkte, unzureichende Kontrollen und Wettbewerbsnachteile für europäische Anbieter.

Shein versendet Waren in der Regel direkt aus China vom Hersteller an Kunden weltweit, häufig per Luftfracht. Dieses Modell geriet zuletzt jedoch durch höhere Logistikkosten unter Druck, unter anderem infolge des Kriegs mit Iran-Bezug und gestiegener Ölpreise. Das Unternehmen erklärte allerdings, langfristige Verträge hätten ausreichende Luftfrachtkapazitäten gesichert. Nach Einschätzung des Managements habe der Konflikt bislang keine wesentlichen Folgen für das Geschäft.

Wann der Börsenstart in Hongkong tatsächlich erfolgen soll, ist weiterhin offen. Die am Sonntag veröffentlichte Börsenmitteilung liefert Investoren nun erstmals einen näheren Einblick in die wirtschaftliche Lage des Unternehmens seit Bekanntwerden der Börsenpläne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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