Wirtschaft

Greenpeace kapert Autobahnen mit Tempo-100-Schildern

Greenpeace klebt Autobahn-Schilder um – soll Tempo 100 jetzt die überraschende Antwort auf die Spritkrise sein?

08.06.2026, 08:47 Uhr

Greenpeace überklebt Autobahn-Schilder mit Tempo-100-Hinweis

Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace haben an mehreren Autobahn-Grenzübergängen in Deutschland Verkehrsschilder verändert, um für ein allgemeines Tempolimit zu werben. Nach Angaben der Organisation brachten sie am frühen Morgen unter anderem an der A4 bei Aachen einen Aufkleber mit der Zahl 100 auf einem Schild an, auf dem bislang die unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h angegeben war. Greenpeace erklärte, ähnliche Aktionen habe es an insgesamt 26 Grenzübergängen gegeben.

Die Umweltschutzorganisation fordert seit längerem eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen. Aus ihrer Sicht wäre das eine einfache und wirksame Maßnahme, um Kraftstoff zu sparen, das Klima zu entlasten und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer warf der Bundesregierung vor, eine aus ihrer Sicht kostenlose und sehr effektive Lösung auszubremsen. Deshalb hätten die Aktivistinnen die Einführung von „Tempo 100“ symbolisch selbst in die Hand genommen.

Greenpeace bezeichnete die Aktion zudem als Signal für mehr Unabhängigkeit vom Öl. Statt aus Sicht der Organisation auf fossile „Scheinlösungen“ wie den Tankrabatt zu setzen, müsse die Politik die eigentlichen Ursachen der fossilen Abhängigkeit angehen.

Aktion am Grenzübergang bei Aachen

Am Grenzübergang Ventschau bei Aachen verlief der Verkehr in den Morgenstunden trotz der Aktion ohne erkennbare Beeinträchtigungen, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Auffällige Reaktionen von Autofahrerinnen und Autofahrern gab es demnach zunächst nicht.

Wer aus den Niederlanden nach Deutschland einreiste, sah auf dem großen Hinweisschild zu den allgemeinen Verkehrsregeln eine veränderte Darstellung: Die Angaben für 50 km/h innerorts und 100 km/h außerorts blieben unverändert. In der dritten Spalte war jedoch nicht mehr das bekannte blaue Symbol für die empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h zu sehen, sondern eine 100, die auf den ersten Blick wie ein verbindliches Tempolimit wirken konnte.

Bei genauerem Hinsehen war jedoch erkennbar, dass es sich um eine Greenpeace-Aktion handelte: Die Zahl war größer gestaltet als die übrigen Angaben, zudem war der Name der Organisation darunter zu lesen. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass manche vorbeifahrenden Autofahrer die Änderung zunächst für offiziell hielten. Ein generelles Tempolimit gibt es auf deutschen Autobahnen weiterhin nicht, allerdings gelten auf vielen Abschnitten bereits feste Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Bundespolizei: Aufkleber soll entfernt werden

Ein Sprecher der Bundespolizei Aachen erklärte, die Verkehrswacht solle mit der Entfernung des Aufklebers beauftragt werden. Grundsätzlich sei das Überkleben von Verkehrsschildern eine Sachbeschädigung. Für mögliche straf- oder ordnungsrechtliche Schritte sei jedoch die Landespolizei zuständig, nicht die Bundespolizei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen