Der Schweizer Pharmakonzern Roche hält an seinem Kurs fest, Investitionen in Deutschland vorerst auszusetzen. Konzernchef Thomas Schinecker machte nach der Vorlage der aktuellen Umsatzzahlen deutlich, dass das Unternehmen künftig vor allem dort investieren wolle, wo Innovationen auch entsprechend honoriert würden. Echte Innovationsdynamik sehe er derzeit vor allem in den USA und in Asien. Europa laufe hingegen Gefahr, weiter zurückzufallen.
Schinecker zufolge kämpft Europa insgesamt mit mangelndem Wachstum und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Aus seiner Sicht geht es dabei nicht nur um fehlende Innovationskraft, sondern auch um strukturelle Nachteile im Wettbewerb. Es genüge nicht, Zukunftsbranchen politisch hervorzuheben — entscheidend seien wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen tatsächlich attraktiv machten.
Kritik an Sparmaßnahmen in Deutschland
Ein Auslöser für die scharfen Töne sind auch die Sparvorgaben der Bundesregierung. Um die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren, wurden Pharmaunternehmen zu deutlich höheren Herstellerrabatten verpflichtet. In der Branche stößt das auf massiven Widerstand, weil die Politik zugleich angekündigt hatte, den Standort Deutschland für die Pharmaindustrie stärken zu wollen.
Mehrere Unternehmen haben deshalb bereits reagiert: Eli Lilly und Boehringer Ingelheim haben Investitionen teilweise gestoppt, während Roche — ähnlich wie andere Konzerne — seine künftigen Ausgaben in Deutschland neu bewertet.
Auch Roche-Deutschlandchef Daniel Steiners hatte zuletzt die politischen Entscheidungen kritisiert. Er sagte, die Politik habe im Pharmabereich viel Vertrauen verspielt. Roche beschäftigt in Deutschland mehr als 18.000 Mitarbeitende, unter anderem in Mannheim und Ludwigsburg; zugleich wird der Standort Penzberg in Bayern weiter ausgebaut.

Leichtes Umsatzplus im Tagesgeschäft
Im operativen Geschäft profitierte Roche zuletzt von einer robusten Nachfrage nach Medikamenten, einem nachlassenden Gegenwind im Diagnostikbereich sowie positiven Währungseffekten. Von Januar bis September erzielte der Konzern weltweit einen Umsatz von 46,5 Milliarden Franken (etwa 50,4 Milliarden Euro). Das entspricht einem Zuwachs von 1 Prozent. Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Plus bei 6 Prozent. Gewinnzahlen veröffentlicht Roche in ungeraden Quartalen traditionell nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber