Nike bleibt trotz WM-Effekt vorsichtig
Der Sportartikelhersteller Nike blickt trotz zusätzlicher Impulse durch die laufende Fußball-WM eher skeptisch auf die Lage im Markt. Finanzchef Matthew Friend sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, viele Verbraucher stünden weltweit finanziell unter Druck, was sich auch im Geschäft mit Sportbekleidung und -schuhen bemerkbar mache. Bereits vor drei Monaten hatte Nike unter anderem auf Unsicherheiten durch den Krieg im Iran hingewiesen, der etwa über steigende Ölpreise zu unerwarteten Veränderungen im Konsumverhalten führen könne. Für das kommende halbe Jahr rechnet der Konzern nun nicht mit einer spürbaren Stimmungsaufhellung.
Quartalszahlen über den Erwartungen
Im abgelaufenen Quartal schnitt Nike insgesamt besser ab als von Analysten erwartet. Allerdings gingen die Geschäfte im wichtigen Markt China erneut zurück. An der Börse kamen die Zahlen nach US-Handelsschluss dennoch nicht gut an: Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel rund drei Prozent.
Konzernchef Elliott Hill verwies zugleich auf positive Effekte durch die Fußball-WM, die derzeit unter anderem in den USA stattfindet, dem Heimatmarkt von Nike. Zum Turnierauftakt habe das Unternehmen zweieinhalbmal so viele Produkte von Nationalteams verkauft wie zum vergleichbaren Zeitpunkt der Weltmeisterschaft 2022. Nike stattet unter anderem die US-Auswahl aus und wird im kommenden Jahr zudem Adidas als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft ablösen.
Schwächerer Umsatz in Sicht
Für die kommenden Monate stellt sich Nike auf sinkende Erlöse ein. Im jüngsten Quartal lagen die Umsätze mit 10,97 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro) ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Experten hatten im Schnitt mit 10,86 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Nettogewinn stieg dagegen deutlich von 211 Millionen Dollar auf 1,07 Milliarden Dollar. Dazu trug jedoch vor allem ein Sonderfaktor bei: Nike profitierte von Ansprüchen auf Rückerstattung von US-Importzöllen, nachdem entsprechende Maßnahmen von Präsident Donald Trump vom Obersten Gericht aufgehoben worden waren.
In den USA erzielte Nike 4,83 Milliarden Dollar Umsatz und blieb damit leicht hinter den Erwartungen des Marktes zurück. In China lagen die Erlöse mit rund 1,3 Milliarden Dollar dagegen über den durchschnittlichen Prognosen.
Probleme auch selbst verursacht
Nike arbeitet weiter daran, aus einer schwierigen Phase herauszukommen, die das Unternehmen zum Teil selbst mitverursacht hat. In den vergangenen Jahren setzte der Konzern stark auf den Direktverkauf an Kunden und vernachlässigte dabei den klassischen Einzelhandel. Gerade in den USA nutzten Wettbewerber diese Entwicklung, um mehr Platz in den Regalen zu gewinnen, was Nike bei den Verkäufen belastete.
Inzwischen versucht der Konzern, die Beziehungen zu Handelspartnern wieder zu stärken. Firmenchef Hill hat zudem einen stärkeren Fokus auf den Sportbereich angeordnet, nachdem der Anteil an Lifestyle-Produkten im Sortiment in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen war.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber