Die US-Regierung hat die Exportbeschränkungen für die neuesten KI-Modelle des OpenAI-Konkurrenten Anthropic nach mehr als zwei Wochen wieder zurückgenommen. Das Unternehmen erklärte, noch heute mit der erneuten Freischaltung von Mythos 5 und Fable 5 zu beginnen. Zuvor hatte Washington angeordnet, dass ausschließlich US-Bürger Zugang zu den Modellen erhalten dürfen – eine Vorgabe, die auch für Beschäftigte von Anthropic galt. Um diese Auflage umzusetzen, hatte die Firma beide Systeme vorübergehend vollständig gesperrt.
Die KI hinter Mythos gilt als besonders leistungsfähig bei der Entdeckung von Software-Sicherheitslücken, darunter auch Schwachstellen, die teils jahrzehntelang unbemerkt geblieben waren. Bislang wurde diese Fähigkeit von US-Behörden und ausgewählten Unternehmen genutzt, um solche Lücken zu schließen. Gleichzeitig gab es früh die Sorge, dass die Technologie als gefährliche Cyberwaffe missbraucht werden könnte.
Das im Juni vorgestellte Modell Fable 5 baut auf der Mythos-Technologie auf, jedoch mit deaktivierten Funktionen in den Bereichen Cybersicherheit und Biotechnologie. Mythos 5 hingegen ist die vollständige, nicht öffentliche Version. Sie soll ausschließlich Behörden und ausgesuchten Firmen zur Verfügung stehen, damit diese Schwachstellen in ihren eigenen Systemen aufspüren und beheben können.
Die zeitweilige Sperre hatte auch in Europa Besorgnis ausgelöst. Nach dem Vorgehen gegen Anthropic gewährte zudem OpenAI den Zugang zu seinem neuesten Modell nur noch Partnern, die mit der US-Regierung abgestimmt waren.
Wochenlange Verhandlungen
Auslöser für das Eingreifen der Regierung waren Warnungen, wonach Schutzmechanismen – etwa jene, die verhindern sollen, dass Fable 5 zur Suche nach Sicherheitslücken eingesetzt wird – möglicherweise umgangen werden könnten. Anthropic wies diese Einschätzung zurück. In den vergangenen Wochen lieferten sich Unternehmen und Regierung intensive Verhandlungen.
Handelsminister Howard Lutnick verwies in einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben zur Aufhebung der Beschränkungen darauf, dass Anthropic unter anderem zugesagt habe, Sicherheitsrisiken in den Modellen künftig aktiv aufzuspüren und zu beheben.
Konflikte mit Washington
In den vergangenen Monaten war Anthropic mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen nahm Spannungen mit der US-Regierung in Kauf, weil es trotz politischen Drucks daran festhielt, dass seine KI-Modelle weder in autonomen Waffensystemen noch zur Massenüberwachung in den USA eingesetzt werden dürfen.
Daraufhin stufte das Pentagon Anthropic als Risiko für Lieferketten ein – eine Bewertung, die den Einsatz der Software in US-Behörden erheblich erschweren kann. Dagegen geht die Firma juristisch vor. Zugleich machten die außergewöhnlichen Cyberfähigkeiten von Mythos Anthropic für die US-Regierung zuletzt wieder besonders relevant.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber