Bayern

Gewalt gegen Bayerns Polizei explodiert

Alarmierende Zahlen: Noch nie wurden in Bayern so viele Polizisten im Dienst attackiert und verletzt wie jetzt.

01.07.2026, 03:30 Uhr

Gewalt gegen Polizeikräfte in Bayern hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurden 3.172 Polizeibeamtinnen und -beamte bei Angriffen im Einsatz verletzt – so viele wie nie seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2010. 13 Einsatzkräfte wurden dabei so schwer verletzt, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Besonders deutlich wird die Belastung am Fall der Würzburger Polizistin Margaretha Reuther. Sie berichtet von einem Einsatz, bei dem ein betrunkener Mann sie und ihren Streifenpartner angriff. Während des Gerangels riss er ihr massiv an den Haaren. Körperlich habe sie die Folgen einige Tage gespürt, schwerer wogen nach ihren Worten jedoch die psychischen Konsequenzen: Wenige Tage später erlitt sie im Nachtdienst einen seelischen Zusammenbruch und war dienstunfähig. Der Täter wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, Reuther erhielt Schmerzensgeld.

Mehr als 18.000 Betroffene, wenn psychische Gewalt mitgezählt wird

Reuther ist eine von mehr als 3.000 verletzten Polizeikräften im Freistaat. Rechnet man auch Fälle psychischer Gewalt ein, lag die Zahl der Polizistinnen und Polizisten, die 2025 Opfer von Gewalt wurden, laut Ministerium sogar bei 18.400.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft spricht von einem „besorgniserregend hohen Niveau“. Landeschef Jürgen Köhnlein fordert schnellere Strafverfahren bei Angriffen auf Einsatzkräfte sowie weniger bürokratische Hürden, wenn Betroffene Schmerzensgeld geltend machen.

Weniger Straftaten, aber schwerere Folgen

Trotz des Höchststands bei den Verletzten ist die Zahl der registrierten Straftaten gegen Polizeikräfte leicht gesunken: von 7.384 Fällen im Jahr 2024 auf 7.151 im Jahr 2025. Den größten Anteil machten Gewaltdelikte mit 4.611 Fällen aus, gefolgt von 2.118 Beleidigungen und 334 Bedrohungen. In allen drei Bereichen lagen die Werte leicht unter dem Vorjahr.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht darin eine beunruhigende Entwicklung: Zwar gehe die Zahl der Delikte und Tatverdächtigen zurück, gleichzeitig steige aber die Zahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten auf einen Höchststand. Das zeige, dass die Gewalt von weniger Personen ausgehe, aber offenbar deutlich intensiver und folgenschwerer sei.

Herrmann betonte zudem, dass nicht nur körperliche Angriffe schwer wiegen. Beleidigungen, Respektlosigkeiten und Bedrohungen könnten die Betroffenen im Alltag ähnlich stark belasten wie körperliche Verletzungen.

Sieben versuchte Tötungsdelikte

Besonders alarmierend ist die Schwere mancher Angriffe: Sieben Fälle wurden als versuchte Tötungsdelikte eingestuft – zwei mehr als 2024.

Auch Waffen spielten eine Rolle. In zehn Fällen führten Angreifer eine scharfe Schusswaffe mit sich, in einem Fall wurde diese auch gegen Polizeikräfte eingesetzt. Hieb- und Stichwaffen wurden 149-mal mitgeführt und 17-mal gegen Polizeibeamtinnen und -beamte verwendet.

Weniger Tatverdächtige – viele unter Alkohol oder Drogen

Die Polizei registrierte 5.798 Tatverdächtige, nach 5.971 im Vorjahr. Das ist laut Ministerium der niedrigste Stand seit 2015. Rund 82 Prozent der Verdächtigen waren männlich, etwa 60 Prozent standen bei der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Der innenpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Florian Siekmann, sprach von einem „alarmierenden Signal“. Eine konsequente Strafverfolgung allein reiche aber nicht aus. Die Zahlen zeigten auch, dass stärker an den Ursachen der Gewalt angesetzt werden müsse. Exzessiver Alkohol- und Drogenkonsum wirke immer wieder als Brandbeschleuniger für rohe Gewalt.

Bodycams und Taser-Pilotprojekte

Um Einsatzkräfte besser zu schützen, setzt die bayerische Polizei bereits unter anderem auf Bodycams. Zudem laufen an mehreren Standorten Pilotprojekte mit Tasern für Polizeieinheiten. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) erklärte, Polizeibeamtinnen und -beamte seien an sieben Tagen in der Woche für die Sicherheit der Bevölkerung im Einsatz – deshalb müsse man die schützen, die die Gesellschaft schützten.

Herrmann machte zugleich klar, dass Gewalt, Bedrohung und Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften ein Angriff auf den Rechtsstaat seien und in der Gesellschaft keinen Platz haben dürften.

Schon 2024 hohe Zahlen

Bereits 2024 war die Belastung landesweit hoch: Rechnerisch wurden damals täglich mehr als acht Polizeikräfte im Dienst verletzt. Insgesamt erlitten damals fast 3.000 Beamtinnen und Beamte bei Angriffen im Einsatz Schäden.

Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel hatte schon Ende 2025 auf eine deutliche Verschärfung hingewiesen. Seinen Angaben zufolge verdoppelte sich die Zahl der jährlich bei Einsätzen verletzten Münchner Polizistinnen und Polizisten innerhalb von zehn Jahren von rund 300 auf 600.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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