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Zverev stürmt ins US-Open-Halbfinale – Becker geknackt

Zverev rauscht in New York Richtung Titel – und knackt nebenbei einen Becker-Rekord. Holt er jetzt ganz groß aus?

10.09.2026, 04:34 Uhr

Zverev souverän auf Halbfinalkurs bei den US Open

Alexander Zverev hat bei den US Open auch seine nächste Pflichtaufgabe überzeugend gelöst und ohne größere Probleme das Halbfinale erreicht. Der Hamburger setzte sich gegen den niederländischen Außenseiter Botic van de Zandschulp mit 6:2, 7:5, 6:1 durch und ist damit nur noch zwei Siege von seinem ersten Titel in New York entfernt.

"Ich bin froh, im Halbfinale zu sein, aber natürlich will ich noch weiterkommen", sagte Zverev nach der Partie auf dem Platz. Gegen den Weltranglisten-70. geriet der topgesetzte Deutsche lediglich im zweiten Satz stärker unter Druck. Dort wehrte er einen Satzball ab und brachte das Match schließlich in drei Sätzen nach Hause.

Für den French-Open-Sieger war es bereits der 23. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier in dieser Saison. Damit übertraf er die bisherige deutsche Bestmarke von Boris Becker, der 1989 auf 22 Siege gekommen war.

Novum in einer außergewöhnlichen Saison

Mit dem Einzug unter die letzten vier gelang Zverev zugleich ein besonderes Kunststück: Zum ersten Mal in seiner Karriere steht er in einem Kalenderjahr bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens im Halbfinale. Becker würdigte diese Marke als TV-Experte entsprechend anerkennend.

Zverev selbst nahm den Vergleich mit der deutschen Tennis-Legende sportlich. Zwar habe er nun Beckers Rekord bei den Grand-Slam-Siegen in einer Saison übertroffen, sagte der 29-Jährige, doch Becker habe noch deutlich mehr Major-Titel gesammelt. Diesem Wert wolle er sich in Zukunft gern annähern.

Im Halbfinale gegen Chatschanow klar favorisiert

Für seinen dritten ungefährdeten Dreisatzerfolg in Serie benötigte Zverev 2:17 Stunden. Es ist nach 2020 und 2021 sein drittes Halbfinale bei den US Open. Auch im Duell mit Karen Chatschanow geht der an Nummer eins gesetzte Deutsche als klarer Favorit in die Partie.

Zverev besiegte den Russen bereits auf dem Weg zu Olympiagold 2021 in Tokio im Finale und führt im direkten Vergleich mit 6:3. Vor dem Halbfinale zeigte er sich dennoch respektvoll: Beide kennen sich seit fast 20 Jahren, sagte Zverev, und er hoffe auf einen großartigen Kampf.

Allerdings sorgte die Ansetzung des Matches für Unmut beim Deutschen. Statt wie zuletzt unter Flutlicht antreten zu dürfen, muss er am Freitag bereits um 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) ran. "Das spielt mir mit Sicherheit nicht in die Karten", sagte Zverev. Er finde es ungewöhnlich, dass andere Spieler mit zwei Tagen Pause erst nach ihm auf den Platz müssten. Im zweiten Halbfinale treffen Frances Tiafoe und Ben Shelton in der Abendsession aufeinander.

Mit Blick auf ein mögliches Endspiel am Sonntag um 14.00 Uhr Ortszeit wird Zverev seinen gewohnten Rhythmus ohnehin anpassen müssen. Den Matchball gegen van de Zandschulp verwandelte er bereits um 22.20 Uhr – so früh wie in diesem Jahr noch nie in New York.

Becker lobt Zverevs Ausstrahlung

Becker zeigte sich trotz kleinerer Schwankungen angetan vom Auftritt des Deutschen. Besonders dessen Körpersprache gefiel ihm. Ihm imponiere, dass Zverev lächle, sagte Becker. Er habe gewonnen, stehe im Halbfinale und habe genau das erledigt, was nötig gewesen sei.

Van de Zandschulp mit zu vielen Fehlern

Gegen van de Zandschulp genügte Zverev eine abgeklärte und konstante Vorstellung. Vor allem mit seinem Aufschlag und erfolgreichen Vorstößen ans Netz sammelte er viele Punkte. In längeren Rallyes profitierte er zudem immer wieder von den Fehlern seines Gegners.

Beide Spieler hatten im Turnierverlauf zuvor bereits fast 14,5 Stunden auf dem Platz verbracht, doch die Belastung war vor allem dem Niederländer anzumerken. Van de Zandschulp hatte sich in den beiden Runden davor jeweils erst nach kräftezehrenden Fünfsatzspielen durchgesetzt und wirkte zu Beginn entsprechend müde und etwas lethargisch.

Allerdings startete auch Zverev nicht fehlerfrei in die Partie. In seinen ersten beiden Aufschlagspielen unterliefen ihm gleich drei Doppelfehler. Da van de Zandschulp diese Schwächephase aber nicht nutzen konnte und selbst vier leichte Fehler machte, gelang Zverev das erste Break zum 3:2.

Schiedsrichter mahnt Zuschauer zur Ruhe

Der erste Satz bot insgesamt kein besonders hohes Niveau. Im Arthur Ashe Stadium, dem größten Tennisstadion der Welt, in dem Ben Shelton und Carlos Alcaraz am Vorabend noch ein hochklassiges Spektakel geliefert hatten, musste Schiedsrichter James Keothavong das murmelnde Publikum mehrfach zur Ruhe ermahnen. Nach 37 Minuten sicherte sich Zverev den Auftaktsatz.

Für einen humorvollen Moment sorgte der Deutsche beim Seitenwechsel. Offenbar glaubte er zunächst, ein Schläger fehle in seiner Ausrüstung, und wandte sich an den britischen Unparteiischen. Wenig später entdeckte er ihn in seiner eigenen Tasche – worauf beide lachen mussten.

Zverev dreht den entscheidenden zweiten Satz

Van de Zandschulp, der vor zwei Jahren in New York überraschend Carlos Alcaraz im Arthur Ashe Stadium ausgeschaltet hatte, fand danach besser in die Begegnung. Beim Stand von 2:3 musste Zverev seinen ersten Breakball abwehren. In einem langen Ballwechsel unterlief dem Niederländer jedoch beim 34. Schlag ein Fehler.

Später ließ der Außenseiter auch einen Satzball ungenutzt. Stattdessen schlug Zverev selbst zu, nahm seinem Gegner den Aufschlag ab und stellte auf 2:0 nach Sätzen.

Damit war der Widerstand van de Zandschulps gebrochen. Im dritten Durchgang ließ Zverev nichts mehr anbrennen und brachte den Erfolg souverän ins Ziel.

Anschließend verriet Zverev noch, dass er am Morgen seines Spiels den packenden Sieg des möglichen Finalgegners Ben Shelton gegen Carlos Alcaraz bis tief in die Nacht verfolgt hatte. Er sei gar nicht schlafen gegangen, sondern habe weiter ferngesehen, sagte Zverev. Weil er es gewohnt sei, sehr spät ins Bett zu gehen, habe das für ihn keinen großen Unterschied gemacht. Genau diese Gewohnheit muss er vor dem Halbfinale nun allerdings ändern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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