Milchprodukte wie Trinkmilch, Joghurt und Quark könnten Verbraucherinnen und Verbraucher bald wieder mehr kosten. Nach Angaben des Milchindustrie-Verbands (MIV) sind deutliche Preisanhebungen bei diesen Produkten aus Sicht der Branche notwendig. Wie der Verband auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, haben erste Gespräche über die anstehenden Vertragsverhandlungen zur sogenannten „Weißen Linie“ bereits begonnen. Dazu zählen unter anderem Frischmilch, Joghurt, Quark und vergleichbare Produkte. Konkrete Zahlen nannte der MIV mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht. Zuerst hatte die Lebensmittel Zeitung darüber berichtet.
Der Verband verweist darauf, dass der Milchpreis aktuell etwa ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres liege und damit den niedrigsten Stand seit fünf Jahren erreicht habe. Gleichzeitig gebe es mehrere Gründe, die aus Sicht der Branche für steigende Preise sprechen. So sei die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten in Deutschland wie auch auf internationalen Märkten weiterhin stark. Hinzu komme, dass die sommerliche Trockenheit in Deutschland und anderen Teilen Europas regional zu spürbar geringeren Milchmengen geführt habe. Außerdem rechnen Fachleute wegen eines ausgeprägten El-Niño-Effekts im tropischen Pazifik mit einer schwächeren weltweiten Milchanlieferung. In wichtigen Exportregionen für Molkereiprodukte könne El Niño Dürren auslösen.
Butter wird bereits wieder teurer
Für die deutsche Milchwirtschaft spielt der Weltmarkt eine zentrale Rolle. Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) werden rund 49 Prozent der in Deutschland produzierten Milchprodukte exportiert. Veränderungen auf dem internationalen Markt wirken sich daher direkt auf die Preise hierzulande aus.
Ein erstes Signal für eine mögliche Trendwende gab es zuletzt bei der Butter. Nachdem die Preise Ende 2025 stark gefallen waren und Butter zeitweise weniger als einen Euro pro 250-Gramm-Packung kostete, zogen sie inzwischen wieder an. Mitte September erhöhten Supermärkte und Discounter den Preis für Eigenmarken um 14 Cent auf 1,19 Euro. Auch bei Käse, Milchpulver und Proteinprodukten steigen die Erlöse wieder. Der Preis für frische Vollmilch blieb dagegen im bisherigen Jahresverlauf mit rund 95 Cent pro Liter weitgehend unverändert.
Hohe Nachfrage nach Proteinen stützt den Markt
Auch der anhaltende Trend zu proteinreichen Lebensmitteln trägt zur Entwicklung bei. Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) verweist darauf, dass Molkenproteinkonzentrate derzeit besonders gefragt seien. Für deren Produktion werde Molkenkonzentrat benötigt, das entsprechend knapp und teuer geworden sei. Molke fällt als flüssiges Nebenprodukt bei der Käseherstellung an.
Die Landwirtschaft fordert nun, dass sich die erwartete Markterholung auch bei den Erzeugern bemerkbar macht. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands und Milchpräsident Karsten Schmal erklärte, steigende Markterlöse müssten zügig an die Milchbauern weitergegeben werden. Die Betriebe litten weiterhin unter hohen Kosten für Dünger, Energie und Treibstoff. Wer auch künftig hochwertige Milchprodukte aus heimischer Produktion wolle, müsse dafür sorgen, dass höhere Einnahmen fair entlang der gesamten Wertschöpfungskette verteilt würden und bei den Milchviehhaltern ankämen.
Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Wegen sinkender Milchmengen und einer deutlich besseren Nachfrage, insbesondere nach Milcheiweiß, sei die Forderung nach höheren Preisen für Trinkmilch und Quark aus Sicht des Verbands sehr gut nachvollziehbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber