Wirtschaft

Metall-Tarifrunde: IG Metall will jetzt fünf Prozent mehr

Mehr Geld, Gewinnbeteiligung, Jobschutz: IG Metall macht Druck für 3,7 Millionen Beschäftigte – kommt jetzt der harte Tarifkampf?

23.09.2026, 11:00 Uhr

IG Metall geht mit Fünf-Prozent-Forderung in die Tarifrunde

Die IG Metall fordert für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Entgelt. Zusätzlich will die Gewerkschaft in der anstehenden Tarifrunde eine Beteiligung der Belegschaften an Gewinnen in besonders erfolgreichen Unternehmen durchsetzen. Auch die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten soll Teil der Verhandlungen sein. Aus Sicht der IG Metall soll der neue Tarifvertrag zwölf Monate laufen.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner sprach in Frankfurt von einem „kämpferischen Realismus“ für die Gespräche. Die Beschäftigten erwarteten keine Krisenrhetorik, keine Angriffe auf soziale Standards und keine Schwarzmalerei, sondern sichere Jobs, einen Ausgleich für die gestiegenen Preise und einen fairen Anteil an Unternehmensgewinnen.

Benner stellte sich zudem klar gegen drohende Werkschließungen, Verlagerungsdrohungen und Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit. Solche Drohungen als Ablenkung von Managementfehlern werde die Gewerkschaft nicht akzeptieren. Auch ein Angriff auf die 35-Stunden-Woche sei aus ihrer Sicht nicht hinnehmbar.

Verhandlungen starten im Oktober, Warnstreiks sofort nach Tarifende möglich

Die ersten regionalen Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden sollen ab dem 7. Oktober beginnen. Die laufenden Tarifverträge enden am 31. Oktober. Danach wären in dieser Tarifrunde unmittelbar Warnstreiks möglich, weil diesmal auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet wurde.

Fokus auf Kaufkraft und Beschäftigungssicherung

Bereits im Vorfeld hatte die IG Metall deutlich gemacht, dass nach Abzug der Inflation ein reales Plus beim Einkommen bleiben soll. Betroffen von der Tarifrunde sind unter anderem Beschäftigte aus der Autoindustrie, dem Maschinenbau, der Metallbearbeitung, der Elektrotechnik und dem sonstigen Fahrzeugbau.

Tarifvorständin Nadine Boguslawski betonte, viele Beschäftigte spürten die gestiegenen Lebenshaltungskosten deutlich. Deshalb brauche es eine spürbare Erhöhung der Entgelte. Mehr Kaufkraft stärke aus Sicht der Gewerkschaft auch die Binnenkonjunktur.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Die Tarifrunde in Deutschlands größter Industriebranche fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche. Vor allem die Autoindustrie steckt in einer schweren Krise, auch der Maschinenbau gilt als angeschlagen. Gleichzeitig laufen die Geschäfte in anderen Bereichen deutlich besser. Nach Darstellung der IG Metall profitieren etwa Teile der Elektroindustrie, des sonstigen Fahrzeugbaus mit Rüstungsbezug, der Medizintechnik sowie der Luft- und Raumfahrt von einer robusteren Lage.

Benner betonte deshalb, Metall und Elektro sei weit mehr als nur Autoindustrie. Die wirtschaftliche Situation sei differenzierter, als es die Arbeitgeber darstellten. Die Forderung der Gewerkschaft lasse aus ihrer Sicht ausreichend Spielraum für unterschiedliche Branchenlagen.

Sorgen wegen Stellenabbau und Werksschließungen

Besonders in der Autoindustrie sind die Sorgen vor weiteren Einschnitten groß. Im Raum stehen umfangreiche Stellenstreichungen und mögliche Werksschließungen, unter anderem bei Volkswagen. Gegen diese Entwicklung hatte die IG Metall am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag nach eigenen Angaben rund 175.000 Beschäftigte aus der Autobranche mobilisiert.

Nicht Teil dieser Tarifrunde sind die Beschäftigten der Volkswagen AG, weil dort ein eigener Haustarifvertrag gilt. Auch dort fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Streit um Arbeitszeit verschärft den Konflikt

Für zusätzlichen Ärger sorgen Forderungen aus Unternehmen nach längerer Arbeitszeit ohne zusätzlichen Lohnausgleich. Bei der IG Metall stößt das auf scharfe Ablehnung. Benner bekräftigte, die 35-Stunden-Woche sei eine zentrale tarifliche Errungenschaft. Die Beschäftigten hätten ihren Beitrag bereits geleistet.

Boguslawski warnte zudem, eine Kündigung des Manteltarifvertrags durch die Arbeitgeber wäre aus Sicht der Gewerkschaft eine „Kriegserklärung“.

Hintergrund sind Äußerungen von Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller, der eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt angeregt hatte. In tarifgebundenen Unternehmen der deutschen Autoindustrie ist die 35-Stunden-Woche bislang Standard, auch wenn sie gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Mercedes-Benz hatte zudem mit der Schließung von zwei Werken in Deutschland gedroht, falls die Kosten nicht sinken.

Rückblick auf die letzte Tarifrunde

In der vorherigen Tarifrunde 2024 hatte die IG Metall zunächst sieben Prozent mehr Geld verlangt. Am Ende wurde ein Plus von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen erzielt. Damals war die wirtschaftliche Lage in den großen Branchen jedoch noch günstiger als heute.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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