Felssturz an der Zugspitze: Große Staubwolke, aber keine Verletzten
An der Zugspitze ist es auf der Tiroler Seite zu einem Felssturz gekommen. Die dabei entstandene Staubwolke war auch aus größerer Entfernung deutlich zu erkennen. Menschen wurden nach bisherigen Angaben nicht verletzt, auch der Ausflugsverkehr ist nicht beeinträchtigt.
Was genau passiert ist
An einem Kamm nahe der deutsch-österreichischen Grenze löste sich am 2.962 Meter hohen Berg eine bislang nicht näher bezifferte Menge Gestein. Der Abbruch begann am Dienstagmorgen und dauerte im Verlauf des Tages an. Auch am Mittwoch gingen laut Bergwacht weitere kleinere Abgänge nieder. Immer wieder sei Grollen zu hören, weil sich weiterhin Material löse, sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau, Franz Dörfler.
Wie groß die abgestürzte Gesteinsmenge insgesamt ist, lässt sich bislang schwer einschätzen. Die Stelle liegt hinter einem Grat und ist deshalb nur eingeschränkt einsehbar. Verstärkter Wind hatte den Staub am Dienstagnachmittag zusätzlich weit verweht.
Gab es Gefährdungen?
Nach Angaben der Bergwacht kam niemand zu Schaden. Auch in Ehrwald, der nächstgelegenen Gemeinde, wurden weder Schäden noch sonstige Auswirkungen festgestellt. Wanderwege oder offizielle alpine Routen sind nicht betroffen, da sich die Abbruchstelle in einem steilen und unzugänglichen Bereich des Massivs befindet.
Die unter erfahrenen Kletterern bekannte Route "Eisenzeit" wurde zwar von der Staubwolke gestreift, liegt jedoch auf der anderen Seite des Grats. Aus Sicht der Bergwacht besteht derzeit kein Hinweis auf ein größeres zusätzliches Risiko durch den aktuellen Felssturz.

Folgen für Urlauber und Bergbahnen
Für Besucher der Region hat das Ereignis derzeit keine direkten Konsequenzen. Die Tiroler Zugspitzbahn und auch die Ehrwalder Almbahn nahmen ihren Betrieb regulär auf. Zwar gibt es in der Gegend zahlreiche Wanderwege, diese verlaufen aber nicht in dem steilen Abschnitt unterhalb der Abbruchstelle.
Ungewöhnlich, aber nicht überraschend
Ganz überraschend kommen solche Ereignisse in den Alpen nach Einschätzung der Bergwacht nicht mehr. Die Größe des aktuellen Felssturzes sei für die Zugspitze allerdings ungewöhnlich. Als wichtigen Auslöser nennt Dörfler den tauenden Permafrost.
Felsstürze und größere Bergstürze gehören in den Alpen grundsätzlich zu den natürlichen Prozessen der Gebirgslandschaft. Überall unterhalb steiler Felswände finden sich Schutthalden und Geröllfelder, die von dieser ständigen Erosion zeugen. In großen Höhen ist das Gestein oft stark zerklüftet, weil Frost und andere Witterungseinflüsse es über sehr lange Zeiträume geschwächt haben.
Warum Permafrost so wichtig ist
Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenen Untergrund, wie er nicht nur in den Polarregionen, sondern auch in hohen Gebirgslagen vorkommt. Wenn dieser Boden infolge steigender Temperaturen auftaut, verliert das Gestein einen wichtigen stabilisierenden Halt. Dann können sich Felsen und Schutt leichter lösen und ins Tal stürzen.
Studien weisen seit Längerem darauf hin, dass in alpinen Regionen mit tauendem Permafrost und schwindenden Gletschern die Aktivität von Steinschlag zunimmt. Als Hauptgrund gelten höhere Sommertemperaturen. Auch an der Zugspitze spielt dieser Effekt offenbar eine Rolle. Nach Gewittern und Starkregen kann zusätzlich die Gefahr von Muren ansteigen.
Nach Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos verändert der Klimawandel den Alpenraum rasant. Demnach erwärmt sich die Region etwa doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt.
Unterschied zwischen Bergsturz und Felssturz
Von einem Bergsturz spricht man, wenn sich gewaltige Mengen Gestein in Bewegung setzen. Solche Ereignisse kündigen sich mitunter durch kleinere Abbrüche an und können deshalb teils überwacht werden. Ein Felssturz ist im Vergleich dazu kleiner.
Für Bergsportler sind Felsstürze und Steinschlag dennoch oft besonders gefährlich. Diese typischen alpinen Risiken nehmen durch den Klimawandel zu und erschweren die Tourenplanung zusätzlich. Wenig Schnee im Winter, ein milder Frühling und anhaltende Sommerhitze haben die Bedingungen in den Bergen in diesem Jahr ohnehin verschärft. Besonders tückisch ist dabei, dass gelockertes Gestein nicht immer sofort abstürzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber