Keine Auftakt-Pressekonferenz der Jury in Venedig
Bei den Filmfestspielen in Venedig fällt in diesem Jahr eine übliche Programmpunkt weg: Zum Start ist keine Pressekonferenz mit der Wettbewerbsjury vorgesehen. Beobachter aus der Branche halten es für möglich, dass die Entscheidung mit den zuletzt sehr politischen Fragen auf Festival-Pressekonferenzen zusammenhängt, die Filmemacherinnen und Filmemacher mehrfach unter Druck gesetzt hatten.
Die Festivalleitung wies diesen Zusammenhang laut einer Anfrage des US-Branchenmagazins Deadline jedoch zurück. Als Grund wurde stattdessen ein "Terminkonflikt" genannt. Normalerweise gehört eine Auftakt-Pressekonferenz der Jury bei großen Festivals wie Venedig, Cannes oder der Berlinale fest zum Ablauf.
Debatten über den Gaza-Krieg beschäftigten zuletzt mehrere Festivals
Schon bei der Berlinale im Februar hatte die Jury-Pressekonferenz politische Diskussionen über den Gaza-Krieg ausgelöst, die das gesamte Festival prägten und schließlich in Protesten, Stellungnahmen und einem offenen Brief mündeten. Jurypräsident Wim Wenders erklärte damals auf eine entsprechende Frage, Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten und ein Gegengewicht zur Politik bilden.
In der Folge wurden Regisseurinnen, Regisseure und andere Filmschaffende auf Pressekonferenzen immer wieder aufgefordert, sich zum Krieg in Gaza zu äußern. Auch in Venedig spielte das Thema im vergangenen Jahr eine Rolle, besonders im Zusammenhang mit dem Film The Voice of Hind Rajab über ein getötetes palästinensisches Mädchen. Regisseurin Kaouther Ben Hania erhielt dafür den zweitwichtigsten Preis des Festivals und gehört nun in diesem Jahr der Wettbewerbsjury an. Den Vorsitz der Jury übernimmt diesmal die US-Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal.
Bereits 2025 war auch Jurypräsident Alexander Payne bei der Eröffnungspressekonferenz in Venedig auf den Gaza-Konflikt angesprochen worden. Im diesjährigen Wettbewerb läuft erneut ein Werk zu diesem Thema: Naza von Yuval Abraham und Rachel Szor. Beide waren Teil des vierköpfigen Regieteams des 2025 mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilms No Other Land.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber