Kurz vor dem geplanten Abschluss der milliardenschweren Übernahme von Warner stellt sich Paramount an der Konzernspitze neu auf: Ynon Kreiz, bislang Chef des Spielwarenherstellers Mattel, soll gemeinsam mit David Ellison die Führung übernehmen. Nach Angaben des Unternehmens tritt Kreiz sein Amt am 5. Oktober an. Bereits einen Tag später soll nach aktuellem Stand der Zusammenschluss der beiden Medienkonzerne vollzogen werden.
Ellison, der zuvor als Produzent erfolgreich war, soll sich in der neuen Doppelspitze vor allem um Strategie, kreative Ausrichtung und Technologie kümmern. Kreiz übernimmt dagegen die Verantwortung für das operative Geschäft sowie die Integration von Paramount und Warner. Im Zuge der Fusion rechnen Branchenbeobachter mit dem Abbau von mehreren tausend Stellen.
Paramount hatte seinen Investoren in Aussicht gestellt, innerhalb von drei Jahren jährlich sechs Milliarden US-Dollar einzusparen. Kreiz bringt Erfahrung mit Umbauprogrammen mit: Auch bei Mattel setzte er einen Sanierungskurs durch, der mit Stellenstreichungen verbunden war.
"Barbie" ebnete Kreiz den Weg nach Hollywood
In Hollywood machte sich Kreiz vor allem durch den Erfolg des Films "Barbie" einen Namen. Er gewährte dem Team um Regisseurin Greta Gerwig nach eigenen Aussagen große kreative Freiheiten. Das Ergebnis war nicht nur ein kommerzieller Hit, sondern auch ein kulturelles Ereignis des Sommers 2023, das durch seine feministische Lesart viel Aufmerksamkeit erhielt.
Zugleich zeigte der Film die Mattel-Führung als Runde profitgieriger Manager in Anzügen. Der Erfolg an den Kinokassen sorgte zeitweise auch für einen deutlichen Schub beim Verkauf der Barbie-Puppen. Danach gab Kreiz grünes Licht für weitere Filmprojekte rund um Marken aus dem Mattel-Universum.
Warner-Übernahme kurz vor dem Abschluss
Die Übernahme von Warner mit einem Volumen von mehr als 110 Milliarden Dollar gilt als nahezu besiegelt. Nachdem Kalifornien und weitere Bundesstaaten ihre Klagen gegen den Deal nach einer Einigung zurückgezogen hatten, wurde der Abschluss in den kommenden Tagen erwartet. Paramount sagte unter anderem zu, in den nächsten fünf Jahren mehr Geld für Produktionen in den USA bereitzustellen und die Studiogelände beider Unternehmen in Los Angeles zu erhalten.
Diskussionen um die Zukunft von CNN
Paramount war vor gut einem Jahr von der Familie des Tech-Milliardärs Larry Ellison übernommen worden. Dessen Sohn David Ellison rückte an die Spitze des Konzerns. Mit der Übernahme von Warner Bros. Discovery will er Paramount im Wettbewerb stärker aufstellen, da das Unternehmen bislang als vergleichsweise kleiner Akteur in der Branche gilt.
Besonders aufmerksam verfolgt wird in diesem Zusammenhang die Zukunft des Nachrichtensenders CNN, der zum Warner-Konzern gehört. Der Sender berichtet regelmäßig kritisch über US-Präsident Donald Trump. Trump wiederum attackiert CNN seit Langem und schloss den Sender zuletzt aus dem Weißen Haus aus.
Da Larry Ellison als Unterstützer Trumps gilt und der zu Paramount gehörende Sender CBS nach der Übernahme durch die Ellison-Familie einen versöhnlicheren Ton gegenüber dem Präsidenten und seiner Regierung angeschlagen haben soll, warnen Kritiker der Fusion vor möglichen Eingriffen in die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber