EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich in der Debatte über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz deutlich von US-Präsident Donald Trump abgegrenzt. In ihrer Rede zur Lage der Union in Straßburg hob sie die Gefahren leistungsfähiger KI-Systeme hervor und kündigte an, führende Forschungslabore zu Gesprächen einzuladen. Dabei solle erörtert werden, wie Europa die Branche dabei unterstützen kann, das Entwicklungstempo bei besonders fortschrittlichen Modellen zu drosseln. Trump hatte solche Warnungen zuvor relativiert und von einer angeblich „kranken Verschwörung“ gegen KI gesprochen.
Auch wichtige Stimmen aus der Industrie hatten zuletzt zur Vorsicht gemahnt. So sprach sich Anthropic-Chef Dario Amodei für eine Verlangsamung der Entwicklung aus. Er warnte davor, dass ein Verbund von KI-Systemen möglicherweise große Teile des Internets kontrollieren und Schäden in Milliardenhöhe verursachen könnte. Von der Leyen erklärte dazu, wenn selbst die Entwickler so deutlich auf Risiken hinwiesen, müsse die Politik diese Warnungen ernst nehmen.
Geplante Zusammenarbeit mit Partnerstaaten
Nach den Worten der Kommissionspräsidentin lassen sich die Chancen der KI nur dann vollständig nutzen, wenn zugleich offen über ihre Risiken gesprochen wird. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte Frontier-Modelle, also Systeme an der Grenze des derzeit technisch Machbaren. Diese werden nicht mehr nur programmiert, sondern entwickeln sich durch Training in gewissem Maß eigenständig weiter.
Von der Leyen kündigte an, dass die EU mit Partnern wie Kanada und Großbritannien enger kooperieren wolle. Geplant ist Zusammenarbeit unter anderem bei der Bewertung von Modellen, ihrer Überprüfung, bei Frühwarnmechanismen und bei Fragen der KI-Sicherheit.
Zudem will die EU-Kommission Vorschläge vorlegen, um Europas Rechenkapazitäten auszubauen. Auch neue Möglichkeiten, öffentliche und private Investitionen in vielversprechende Unternehmen zu lenken, sollen vorgestellt werden.
Neue KI-Initiativen für zentrale Branchen
Für November stellte von der Leyen darüber hinaus größere Initiativen zur stärkeren Nutzung von KI in wichtigen Wirtschaftsbereichen in Aussicht. Besonders großes Potenzial sieht sie in der industriellen Anwendung von KI – etwa im Gesundheitswesen, im Verkehr, in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, in der modernen Fertigung sowie in Verteidigung und Raumfahrt.
Ziel sei eine KI, die echten Nutzen stifte, sagte die Kommissionspräsidentin. Dies solle verantwortungsvoll, kosteneffizient und mit möglichst geringem Energieverbrauch geschehen. Entscheidend sei dabei, dass der Mensch die Kontrolle behalte. KI solle den Menschen unterstützen – nicht ihn ersetzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber