Inflation im Euroraum steigt auf 3,8 Prozent – Energiepreise erhöhen Druck auf die EZB
Die Teuerung im Euroraum hat sich im September deutlich verstärkt und mit 3,8 Prozent den höchsten Stand seit September 2023 erreicht. Das teilte das Statistikamt Eurostat auf Basis einer ersten Schätzung mit. Im August hatte die Inflationsrate noch bei 3,2 Prozent gelegen.
Damit liegt die Inflation weiter klar über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Rate von zwei Prozent anstrebt. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank ihre Leitzinsen in diesem Jahr zum dritten Mal anheben wird. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins würde dann auf 2,75 Prozent steigen.
Nach Einschätzung von Fachleuten sind vor allem die kräftig gestiegenen Energiepreise für den neuen Inflationsschub verantwortlich. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, insbesondere die massiven Verteuerungen bei Energie hätten die Teuerungsrate auf den höchsten Stand seit Herbst 2023 getrieben. Zugleich mehrten sich die Hinweise, dass Unternehmen ihre höheren Kosten an die Kunden weitergeben. Das erhöht aus seiner Sicht den Druck auf die EZB, ihren geldpolitischen Kurs weiter zu straffen.
Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, geht von einer weiteren Zinserhöhung aus. Eine Anhebung im Dezember gilt ihm zufolge als nahezu sicher. Bei der Zinssitzung im Oktober dürfte die EZB die Sätze dagegen zunächst unverändert lassen.
Energie und Spritpreise als Haupttreiber
Besonders stark zog im September erneut die Preisentwicklung bei Energie an. Laut Eurostat lagen die Energiepreise 18,8 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 14,3 Prozent im August. Als wichtiger Auslöser gelten die deutlich gestiegenen Rohölpreise infolge des Kriegs mit dem Iran. Das macht sich auch an den Tankstellen durch höhere Spritpreise bemerkbar. Zudem verteuerten sich Dienstleistungen im Euroraum stärker.
Auch die Kerninflation ohne die besonders schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel legte leicht zu und erreichte 2,5 Prozent. Gerade diese Kennziffer wird von der EZB genau beobachtet. Die Notenbank will verhindern, dass höhere Energiekosten auf weitere Bereiche der Wirtschaft übergreifen und einen breiteren Preis- und Lohndruck auslösen.
In Deutschland nahm der Preisauftrieb ebenfalls zu. Höhere Kosten für Heizen und Tanken ließen die Inflationsrate im September auf 3,3 Prozent steigen. Das ist der höchste Stand seit Ende 2023. Die Bundesregierung reagiert erneut mit Entlastungen für Autofahrer: Von Oktober bis Jahresende sollen die Steuern auf Kraftstoffe durch einen Tankrabatt um rund 17 Cent je Liter Sprit sinken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber