ADV reduziert Prognose für deutsche Flughäfen
Der Flughafenverband ADV hat seine Erwartungen für das laufende Jahr erneut gesenkt. Nach aktueller Einschätzung werden 2025 weniger Menschen über deutsche Flughäfen reisen als noch vor einem Jahr. Bereits im April hatte der Verband seine Vorhersage nach unten angepasst. Zu Jahresbeginn war der ADV noch davon ausgegangen, dass die Zahl der Passagiere gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent zulegen könnte.
Statt der ursprünglich erwarteten rund 225 Millionen Fluggäste rechnet der Verband nun nur noch mit etwa 217 Millionen. Das entspräche einem Rückgang von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte, der leichte Zuwachs im Juli könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt kaum vorankomme. Als Gründe nannte er hohe staatliche Kosten und schwierige wirtschaftliche Bedingungen, die Fluggesellschaften davon abhielten, ihr Angebot an deutschen Flughäfen auszubauen.
Verband sieht strukturelle Probleme
Nach Einschätzung des ADV beeinflusst der Krieg im Iran das Luftverkehrsgeschehen seit Monaten deutlich. Dennoch sei diese Krise nicht die einzige Ursache für die schwache Entwicklung in Deutschland. Ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeige vielmehr, dass Deutschland mit einem klaren Wettbewerbsnachteil in solche Krisen gehe. Trotz der gesenkten Luftverkehrsteuer lägen die staatlichen Standortkosten an deutschen Flughäfen weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
So werde jeder Abflug zu einem Ziel innerhalb Europas von einem deutschen Flughafen im Schnitt mit 4.449 Euro an Steuern und Gebühren belastet. Im europäischen Mittel seien es lediglich 2.326 Euro. Aus Sicht des Verbands braucht Deutschland wieder Bedingungen, die Airlines dazu bewegen, zusätzliche Maschinen einzusetzen und neue Strecken aufzubauen. Jede Flugverbindung, die an andere europäische Standorte verloren gehe, schwäche nicht nur die internationale Anbindung, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber