Wirtschaft

Fed schockt mit Zinspause

Zinspause trotz Überraschung? Warum die US-Notenbank nach der ersten Erhöhung seit Jahren plötzlich auf die Bremse tritt.

28.10.2026, 19:00 Uhr

Die US-Notenbank hat nach ihrer ersten Zinserhöhung seit Jahren Mitte September vorerst eine Pause eingelegt. Der Leitzins bleibt damit in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Rat der Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte. Eine große Mehrheit von Volkswirten hatte diesen Schritt erwartet.

Für die Zinspause stimmten zehn stimmberechtigte Mitglieder, zwei votierten dagegen und signalisierten ihre Bereitschaft für eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Ob es bei der letzten Zinssitzung des Jahres im Dezember noch einmal nach oben geht, bleibt damit die zentrale Frage für die Märkte.

Warsh kündigt ab 2027 Sitzungen ohne Zinsentscheid an

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Fed-Chef Kevin Warsh auf der anschließenden Pressekonferenz mit einer Ankündigung zur künftigen Arbeitsweise der Notenbank. Zwar halte die Fed an acht Sitzungen pro Jahr fest. Ab 2027 soll jedoch eine Sitzung ausschließlich der grundsätzlichen geldpolitischen Strategie gewidmet sein. Bei diesem Treffen soll es weder eine Abstimmung über den Leitzins noch eine geldpolitische Erklärung geben.

Warsh hatte bereits zuvor angekündigt, die Kommunikation der Fed grundlegend verändern zu wollen. Nach seiner Auffassung führen zu viele Signale der Notenbank zu Verzerrungen. Weniger Hinweise könnten aus seiner Sicht helfen, ein unverfälschteres Bild der Wirtschaftslage zu bekommen.

Viele Fed-Mitglieder halten weiteren Zinsschritt für wahrscheinlich

An den Finanzmärkten wird weiterhin damit gerechnet, dass die Fed ihre Geldpolitik im Dezember noch einmal verschärfen könnte. Warsh bekräftigte, es liege in der Verantwortung der Notenbank, die Inflation zu senken. Er verwies zudem darauf, dass die Teuerungsrate seit sechs Jahren über dem Zielwert der Fed liege.

Schon vor der aktuellen Entscheidung hatte es innerhalb der Notenbank klare Signale für höhere Zinsen gegeben. 16 von 18 befragten Fed-Mitgliedern erwarten in diesem Jahr mindestens noch eine Anhebung um 25 Basispunkte. Vier von ihnen halten sogar eine noch stärkere Straffung für denkbar.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in den Projektionen für 2027: 14 Mitglieder sahen den Leitzins mit Stand September mindestens in einer Spanne von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon sogar bei 4,25 bis 4,50 Prozent. Aktualisierte Projektionen will die Fed mit ihrer Dezember-Sitzung veröffentlichen.

Warum die Zinspause dennoch plausibel ist

Mitte September hatte die Fed den Leitzins erstmals seit Juli 2023 wieder um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Warsh begründete den Schritt damals damit, dass so eine schnellere Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent unterstützt werden solle.

Davon ist die US-Wirtschaft aber weiterhin entfernt. Im September lagen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich bei 3,7 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie von der Fed angestrebt. Die Inflation näherte sich damit wieder dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Preistreiber waren vor allem höhere Energiekosten, nachdem sich wichtige Rohstoffe wie Erdöl in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert hatten. Zusätzlich sorgen der Boom rund um Künstliche Intelligenz und solide Konsumausgaben für weiteren Inflationsdruck.

Gleichzeitig hat sich das Beschäftigungswachstum spürbar abgeschwächt. Damit liefern weder Inflation noch Arbeitsmarkt ein völlig eindeutiges Signal für die Notenbank. Der DWS-Chefvolkswirt für die USA, Christian Scherrmann, sagte, weder Preisentwicklung noch Beschäftigung gäben den Währungshütern derzeit eine klare Richtung vor.

Auch politische Faktoren spielten in der Debatte eine Rolle. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, verwies auf die bevorstehenden US-Parlamentswahlen. Eine Zinserhöhung hätte aus seiner Sicht als Signal gegen US-Präsident Donald Trump verstanden werden können. Warsh wies einen solchen Einfluss jedoch zurück und betonte, davon nichts gehört zu haben und nicht an einen Effekt auf die Entscheidung zu glauben.

Zinssenkung gilt weiter als unrealistisch

Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit längerer Zeit fordert, halten Fachleute dagegen weiter für wenig realistisch. Aus Sicht vieler Experten geben die aktuellen Wirtschaftsdaten dafür keine Grundlage her. Trump hatte zuletzt verlangt, der Leitzins solle „bei einem Prozent oder darunter“ liegen.

Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die Fed, Preisstabilität und einen starken Arbeitsmarkt auszubalancieren. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen, was Ausgaben und wirtschaftliche Dynamik bremst. Niedrigere Zinsen können Wachstum und Beschäftigung stützen, bergen aber zugleich das Risiko neuer Preissteigerungen.

Die Zinserhöhung vom September wurde zudem als wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Notenbank gewertet. Beobachter sahen darin einen Schritt, mit dem Warsh sowohl Kritiker einer zu zögerlichen Inflationsbekämpfung als auch Zweifel an seiner Distanz zur Politik entkräften konnte.

Auch EZB dürfte stillhalten

Nicht nur in den USA wird mit einer Zinspause gerechnet. Auch die Europäische Zentralbank dürfte bei ihrer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt die Zinsen trotz gestiegener Inflation voraussichtlich nicht anheben. Volkswirte erwarten, dass der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bei 2,5 Prozent bleibt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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