Wirtschaft

Experten staunen: Großstädte schaffen Wärme-Frist

Überraschung bei der Wärmeplanung: Viele Kommunen sind deutlich schneller als gedacht – schaffen sie die Frist locker?

15.06.2026, 04:00 Uhr

Kommunale Wärmeplanung in Deutschland kommt voran

Die Städte und Gemeinden in Deutschland machen nach Einschätzung von Fachleuten deutliche Fortschritte bei der kommunalen Wärmeplanung. Robert Brückmann, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) in Halle, erklärte, die großen Städte dürften ihre Wärmepläne voraussichtlich bis Mitte 2026 abschließen. Das sei eine bedeutende Entwicklung. Allerdings stellen die 80 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nur einen kleinen Teil der Kommunen dar, die in den nächsten Jahren gesetzlich zu einer Wärmeplanung verpflichtet sind.

Seit Anfang 2024 ist ein kommunaler Wärmeplan vorgeschrieben. Mittelgroße sowie kleinere Städte und Gemeinden müssen ihn bis Ende Juni 2028 vorlegen. Bei den mittelgroßen Kommunen ist der Stand laut Brückmann bereits vielversprechend. Rund 80 Prozent arbeiteten schon aktiv an ihren Konzepten oder hätten diese bereits fertiggestellt.

Besonders viele der insgesamt etwa 10.700 Gemeinden in Deutschland sind kleinere Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Auch dort sei bereits mehr als die Hälfte entweder mitten im Verfahren oder schon am Ziel. Langfristig ist klar: Spätestens ab 2045 soll Wärme nicht mehr auf Basis von Erdgas und Öl erzeugt werden. In Baden-Württemberg hatten einige Kommunen früh eine Vorreiterrolle bei der Wärmeplanung übernommen.

Energiekrisen erhöhen den Handlungsdruck

Brückmann betonte, die Kommunen zeigten mit ihrer bisherigen Arbeit, dass sie neue und komplexe Aufgaben bewältigen können. Die Erfahrungen aus der Wärmeplanung könnten auch für andere kommunale Prozesse hilfreich sein. Das KWW gehört zur Deutschen Energie-Agentur.

Ein wichtiger Grund für den Fortschritt sei die Aussicht auf regionale Wertschöpfung. Hinzu komme, dass die Kommunen innerhalb weniger Jahre gleich zwei Energiekrisen erlebt hätten. Dadurch sei vielen Verantwortlichen bewusst geworden, dass Klimaschutz nicht nur ein fernes Ziel sei, sondern unmittelbares Handeln vor Ort erfordere. Die Folgen des Nichtstuns seien inzwischen deutlich sichtbar.

Nicht überall läuft es reibungslos

Wenn alle Kommunen ihre Planungen abgeschlossen haben, rechnen Brückmann und sein Team bundesweit mit rund 7.000 Wärmeplänen. Der Grund: Zahlreiche Kommunen schließen sich zusammen und erarbeiten gemeinsame Konzepte. Im kommenden Jahr will das Kompetenzzentrum die Ergebnisse sammeln und auswerten. Diese Daten sollen dann als Grundlage für weitere Entscheidungen dienen, etwa beim Ausbau der Stromübertragungsnetze.

Nach Angaben Brückmanns gibt es nur noch sehr wenige Kommunen, die noch gar nicht mit der Wärmeplanung begonnen haben. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Eine Rolle spiele unter anderem, ob in den jeweiligen Bundesländern bereits gesetzliche Regelungen zur Umsetzung des Bundeswärmeplanungsgesetzes bestehen und wie lange diese schon gelten. In manchen Fällen fehlten den Kommunen derzeit auch personelle Kapazitäten, sodass andere Aufgaben zunächst Vorrang hätten. Dennoch bleibe ihnen dafür noch Zeit: Die Frist läuft erst in zwei Jahren ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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