Für Menschen, die Bus und Bahn nur gelegentlich nutzen, könnte es bald ein bundesweites digitales Ticket geben – zumindest wenn es nach Nordrhein-Westfalen und Hamburg geht. Das Angebot soll das Deutschlandticket ergänzen und per Smartphone funktionieren: Beginn und Ende einer Fahrt würden automatisch erfasst, anschließend würde jeweils der günstigste Preis berechnet. Die monatlichen Gesamtkosten sollen dabei nicht über dem Preis eines Deutschlandtickets liegen.
Einen entsprechenden Vorstoß haben beide Länder für die Herbstkonferenz der Verkehrsminister eingebracht, wie das NRW-Verkehrsministerium bestätigte. Zuvor hatte die Rheinische Post über die Pläne berichtet.
Allerdings regt sich sofort Widerstand. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, wies den Vorstoß zurück. Es fehle an vielen Stellen am Geld, sagte er sinngemäß – jetzt sei nicht die Zeit für zusätzliche Leistungen. Mit dem gesicherten Deutschlandticket gebe es bereits ein sehr gutes Angebot. Bernreiter sieht weder die Zustimmung des Bundes noch die notwendige Einstimmigkeit der Länder für ein solches Modell.
NRW-System als Vorbild
Der Antrag für die Konferenz, die an diesem Mittwoch im bayerischen Hohenschwangau beginnt, sieht zunächst die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vor. Diese soll ein Konzept für das neue Ticketsystem erarbeiten.
Als Vorbild dient das in Nordrhein-Westfalen bereits eingeführte Angebot eezy.nrw, das nach Angaben des Ministeriums sehr erfolgreich läuft. Allein im September wurden darüber mehr als 1,4 Millionen Fahrten abgerechnet.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) betonte, auch Gelegenheitsfahrer müssten unkompliziert und zu fairen Konditionen im Nahverkehr unterwegs sein können. Das in NRW funktionierende System könne aus seiner Sicht auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. Dann könnten Fahrgäste auch bundesweit einfach und komfortabel unterwegs sein.
Auch aus Niedersachsen kommen positive Signale. Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte, sein Land sehe ein solches „D-Ticket light“ grundsätzlich positiv und wolle die Idee konstruktiv diskutieren. Nach dem Deutschlandticket könne ein solches Modell auch den Gelegenheitsverkehr stark verändern. Voraussetzung seien allerdings bundesweit einheitliche Regeln – etwa bei Tarifen, Mitnahmemöglichkeiten, Finanzierung und Einnahmeaufteilung. Zugleich warnte Tonne davor, zu große Erwartungen zu wecken: Das Vorhaben sei ein „dickes Brett“, lohne aber die weitere Arbeit daran.
Unterstützung von Fahrgästen, Kritik von Unternehmen
Unterstützung gibt es zudem vom Fahrgastverband Pro Bahn. Dessen Ehrenvorsitzender Detlef Neuß sagte der Rheinischen Post, ein solches Angebot könne mehr Menschen in den Nahverkehr bringen. Viele verzichteten bislang auf das Deutschlandticket, weil sie es nur selten benötigten. Er sprach sich außerdem dafür aus, auch Familien und Gruppen bei dem Konzept mitzudenken.
Deutliche Kritik kommt dagegen vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Ein solches Angebot verursache zusätzliche Kosten und rüttele an der Grundidee des Deutschlandtickets, das gerade als bundesweite Flatrate im monatlich kündbaren Abo erfolgreich geworden sei, erklärte VDV-Geschäftsführer Alexander Möller.
Nach Einschätzung des Verbands fehlt der Branche das Geld für ein solches Zusatzmodell. Auch die Länder hätten dafür kaum finanziellen Spielraum, so der VDV. Möller verwies unter anderem darauf, dass Hamburg seinen Verkehrsunternehmen Sparziele vorgebe und Nordrhein-Westfalen die Förderung von E-Bussen deutlich kürze.
Das Deutschlandticket für den bundesweiten Regionalverkehr kostet derzeit 63 Euro im Monat. Im kommenden Jahr soll der Preis auf 66,80 Euro steigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber