Überraschende Allianz im KI-Wettbewerb
Im harten Konkurrenzkampf der KI-Branche kooperieren ausgerechnet zwei Rivalen: Anthropic bekommt dringend benötigte Rechenleistung aus einem riesigen Rechenzentrum von Elon Musk. Das ist besonders brisant, weil Anthropic direkt mit Musks KI-Sparte xAI konkurriert – und Musk den Rivalen noch vor wenigen Monaten als „menschenfeindlich“ beschimpfte.
Anthropic teilte mit, dass das Unternehmen die gesamte Kapazität des Rechenzentrums Colossus 1 nutzen werde. Die Anlage gehört zu SpaceX, in das xAI inzwischen eingebracht wurde. Damit erhält Anthropic Zugriff auf mehr als 220.000 Nvidia-KI-Chips. Firmenchef Dario Amodei erklärte, Anthropic wolle seinen Nutzern so schnell wie möglich zusätzliche Rechenleistung zur Verfügung stellen.
Musks KI-Firma soll in SpaceX aufgehen
Zugleich kündigte Musk an, dass xAI als eigenständiges Unternehmen aufgelöst werden solle. Künftig sollen KI-Produkte demnach direkt bei SpaceX unter dem Namen „SpaceXAI“ entstehen.
Bei xAI wurde der Chatbot Grok entwickelt, der mit Anthropics System Claude konkurriert. Beide Unternehmen stehen außerdem im Wettbewerb mit OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT. Zwischen Musk und OpenAI läuft seit Jahren eine immer schärfer werdende Fehde.
Derzeit gibt es ein Gerichtsverfahren, in dem Musk unter anderem erreichen will, dass OpenAI-Chef Sam Altman seinen Posten verliert und die Struktur des Unternehmens geändert wird.
Musk zeigt sich plötzlich versöhnlich
Auch Anthropic war zuletzt Ziel von Musks Attacken. Im Februar behauptete er auf seiner Plattform X, die KI von Anthropic richte sich gegen Weiße, Heterosexuelle und Männer. Das sei „menschenfeindlich und böse“.
Inzwischen klingt der Tech-Milliardär deutlich milder. Er erklärte, er habe in der vergangenen Woche viel Zeit mit führenden Anthropic-Mitarbeitern verbracht, um besser zu verstehen, wie Claude zum Wohl der Menschheit ausgerichtet werde. Das habe ihn nach eigenen Worten beeindruckt.
Deshalb habe er zugestimmt, Colossus 1 an Anthropic zu vermieten. Die eigene KI-Entwicklung sei inzwischen bereits in das nächste Rechenzentrum, Colossus 2, verlagert worden.
Rechenzentren im All als nächster Schritt?
Von SpaceX hieß es zudem, Anthropic habe Interesse an einer Zusammenarbeit bei einem ungewöhnlichen Projekt: dem Aufbau von KI-Rechenzentren im Weltraum.
Musk argumentiert, dass künftige KI-Anwendungen wegen Engpässen – etwa bei der Energieversorgung – langfristig nur mit Rechnern in der Erdumlaufbahn ausreichend versorgt werden könnten. Ob ein solches Konzept wirtschaftlich tragfähig wäre, ist allerdings umstritten.
Anthropic zwischen Pentagon und Hochsicherheits-KI
Anthropic sorgte in den vergangenen Monaten mehrfach für Schlagzeilen. Das Unternehmen geriet mit der US-Regierung aneinander, weil es sich trotz erheblichen Drucks weigerte, seine Modelle für autonome Waffensysteme oder zur Massenüberwachung innerhalb der USA freizugeben.
Daraufhin stufte das Pentagon Anthropic als Risiko für die Lieferkette ein – ein Schritt, der den Einsatz der Software in US-Behörden stark erschweren könnte. Dagegen geht das Unternehmen juristisch vor.
Gleichzeitig demonstrierte Anthropic zuletzt, wie bedeutend seine Technik für staatliche Stellen sein kann. Ein neues Modell namens Claude Mythos Preview soll in der Lage sein, teils seit Jahrzehnten unentdeckte Schwachstellen in verschiedenster Software aufzuspüren.
In falschen Händen könnte ein solches System zu einer gefährlichen Cyberwaffe werden. Für die US-Regierung könnte es zugleich nützlich sein, um eigene Programme besser abzusichern oder Schwachstellen im Ausland für nachrichtendienstliche Zwecke zu identifizieren. Öffentlich zugänglich machen will Anthropic Mythos Preview nach aktuellem Stand nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion