Wirtschaft

Amtlich: Wachstumsschub im ersten Quartal

Trotz Mini-Wachstum zum Jahresstart droht der Iran-Krieg Deutschlands Aufschwung abzuwürgen – kippt jetzt die ganze Erholung?

22.05.2026, 08:15 Uhr

Deutsche Wirtschaft startet mit einem Plus ins Jahr

Die deutsche Wirtschaft ist trotz des Iran-Kriegs mit einem kleinen Wachstum in das Jahr 2026 gegangen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit wurde die bereits veröffentlichte Schätzung bestätigt.

Auch aus der Wirtschaftsstimmung kamen zuletzt etwas freundlichere Signale. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai überraschend um 0,4 Punkte auf 84,9 Zähler. Analysten hatten eher mit einer Eintrübung gerechnet. Einige Fachleute werten das als ersten Lichtblick, andere sehen darin vor allem eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau.

Exporte treiben das Wachstum

Wichtigster Wachstumstreiber zum Jahresbeginn waren die Ausfuhren. Die Exporte stiegen im ersten Quartal um 3,3 Prozent. Besonders gefragt waren chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Metalle. Die Importe verharrten dagegen nahezu auf der Stelle und legten nur um 0,1 Prozent zu.

Auch die Konsumausgaben nahmen insgesamt zu. Sie erhöhten sich gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent. Die staatlichen Konsumausgaben stiegen dabei um 1,1 Prozent. Die Ausgaben der privaten Haushalte blieben hingegen auf dem Niveau des Schlussquartals 2025 und entwickelten sich damit schwächer als zunächst angenommen.

Weniger dynamisch verliefen die Investitionen. In Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge wurde 1,1 Prozent weniger investiert. Bei den Bauinvestitionen fiel das Minus mit 2,5 Prozent noch deutlicher aus. Als Grund gilt vor allem die ungewöhnlich kalte Witterung im Januar und Februar, die Bauarbeiten verzögerte.

Bildhinweis: Die deutsche Industrie kämpft mit Kostendruck, Zöllen und Konkurrenz auf den Weltmärkten. (Archivbild)

Ifo-Index macht etwas Hoffnung

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach mit Blick auf den gestiegenen Ifo-Index von ausgesprochen guten Nachrichten. Schon eine bloße Stabilisierung des wichtigen Konjunkturbarometers wäre angesichts höherer Ölpreise und wachsender Risiken positiv gewesen. Dass Unternehmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Erwartungen etwas besser einschätzten, sei deshalb ein ermutigendes Signal.

Nach seiner Einschätzung könnte der aufgehellte Index ein erster Hinweis darauf sein, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal zumindest nicht schrumpfen muss. Gleichzeitig bleibe die Unsicherheit groß, solange der Iran-Konflikt andauere und die Straße von Hormus weitgehend blockiert bleibe.

Folgen des Iran-Kriegs trüben die Aussichten

Für die kommenden Monate haben sich die Perspektiven dennoch verschlechtert. Der Krieg mit dem Iran, der Ende Februar begonnen hatte, schlug im ersten Quartal noch vergleichsweise wenig durch. Für das zweite Quartal rechnen Fachleute aber mit deutlich stärkeren Belastungen.

Besonders schwer wiegt die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus, einer zentralen Route für den weltweiten Ölhandel. Die Rohölpreise sind dadurch deutlich gestiegen. Höhere Energiepreise treffen Unternehmen ebenso wie Verbraucher, etwa an den Tankstellen. Das belastet den Konsum, bremst Investitionen und drückt auf die Stimmung.

Ministerium und Bundesbank erwarten Gegenwind

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesbank rechnen deshalb mit einem Dämpfer für die Konjunktur im laufenden zweiten Quartal. Das Ministerium verweist auf steigende Preise, Probleme in den Lieferketten und große Unsicherheit bei Unternehmen und privaten Haushalten. Selbst wenn sich die Lage wieder entspannen sollte, dürften höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie Lieferkettenstörungen noch länger nachwirken.

Die Bundesbank geht für den Zeitraum von April bis Juni von einer Stagnation aus. Nach ihrer Einschätzung werden die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal breiter und spürbarer belasten.

Noch pessimistischer äußerte sich Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Zwar habe sich das Ifo-Geschäftsklima nach zwei Rückgängen stabilisiert, der Trend zeige aber weiter nach unten. Er rechnet deshalb im zweiten Quartal mit einem Schrumpfen der Wirtschaft. Mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibe, nähmen die Konjunkturrisiken zu.

Prognosen für 2026 gesenkt

Viele Ökonomen haben ihre Erwartungen für die deutsche Konjunktur bereits nach unten korrigiert. Die EU-Kommission halbierte ihre Wachstumsprognose für Deutschland im Jahr 2026 wegen der gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs auf nur noch 0,6 Prozent. Die Bundesregierung rechnet derzeit noch mit einem Plus von 0,5 Prozent.

Für 2027 erwartet die Bundesregierung ein Wachstum von 0,9 Prozent. Hoffnung setzt sie dabei auch auf milliardenschwere staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung, die der Wirtschaft später zusätzlichen Schub geben sollen.

Bereits 2025 war Deutschland mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent nur knapp an einem dritten Jahr ohne wirtschaftliches Wachstum in Folge vorbeigeschrammt.

Bildhinweis: Die Bundesregierung will Milliarden in Straßen, Schienen und Verteidigung investieren. (Symbolbild)

Quelle: dpa, bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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