Bayern

Wiesn-Zoff: Steht der Zeltaufbau vor dem Aus?

Wiesn-Schock kurz vor dem Start: Wegen Streit um zwei Bierzelte drohen Chaos, leere Flächen – und Ärger für Gäste.

17.06.2026, 04:30 Uhr

Streit um Wiesn-Zelte: Gerichtsbeschluss könnte Oktoberfest-Aufbau ausbremsen

Bier, Blaskapellen und dicht gefüllte Festhallen prägen weltweit das Bild des Münchner Oktoberfests. Doch wenige Monate vor dem Start der Wiesn überschattet ein Rechtsstreit die Vorbereitungen. Im schlimmsten Fall könnten zwei große Festzelte nicht rechtzeitig aufgebaut werden – darunter auch das traditionsreiche Schottenhamel-Zelt, in dem seit Jahrzehnten der offizielle Anstich stattfindet.

Auslöser ist der Münchner Gastronom Alexander Egger. Er will gerichtlich durchsetzen, dass die Vergabe großer Wiesn-Zelte künftig nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Damit stellt er das bisherige Verfahren der Stadt München infrage. Die Folgen einer solchen Entscheidung könnten über die Landeshauptstadt hinaus Bedeutung haben.

Zunächst geht es um eine Eilentscheidung, die bis Freitag erwartet wird. Schon diese könnte erhebliche Auswirkungen haben. Egger fordert vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht, dass die Stadt die Betreiber der beiden betroffenen Zelte – des Schottenhamel-Festzelts und der Paulaner-Festhalle – vorerst nicht zum Oktoberfest zulassen darf. Über das eigentliche Hauptverfahren könnte jedoch womöglich erst nach der Wiesn entschieden werden.

Zwei mögliche Entwicklungen

Lehnt das Gericht den Eilantrag ab, können die Verträge für dieses Jahr wie vorgesehen geschlossen werden. Der Aufbau und die übrigen Planungen würden dann normal weiterlaufen.

Kommt das Gericht hingegen zu dem Schluss, dass die aufschiebende Wirkung bestehen bleibt, drohen erhebliche Probleme. Bereits ab dem 29. Juni beginnt offiziell der Aufbau der großen Festhallen. Die betroffenen Betreiber warnen, dass die Flächen von Schottenhamel und Paulaner im schlechtesten Fall ungenutzt bleiben könnten.

Münchner Oktoberfest
Der Wirt hatte die Vergabepraxis für die Wiesn-Zelte angegriffen. (Archiv) Quelle: Felix Hörhager/dpa

Denn die Vorbereitungen für die Wiesn beginnen lange im Voraus: Personal für Service und Sicherheit muss verpflichtet werden, Lebensmittel und Getränke werden bestellt, und auch das spezielle Oktoberfestbier ist bereits gebraut. Trotz der unsicheren Lage würden Reservierungen aber weiterhin regulär bearbeitet, heißt es von Christian Schottenhamel.

Betreiber warnen vor leer bleibenden Flächen

Nach Angaben der Paulaner-Brauerei kann ohne rechtskräftige Entscheidung nicht mit dem Aufbau begonnen werden. Der Bau der großen Festhallen sei kompliziert und benötige viel Zeit. Deshalb bestehe das Risiko, dass die Zelte nicht mehr fristgerecht fertig würden.

Auch Michael F. Schottenhamel macht deutlich, wie ernst die Lage aus Sicht der Betreiber ist: Wenn nicht rechtzeitig aufgebaut werden könne, werde man ganz darauf verzichten. Statt eines großen Zeltes könnten dann allenfalls kleinere Verkaufsstände entstehen. Christian Schottenhamel fragte zudem, was mit den frei bleibenden Flächen geschehen solle – ob sie abgesperrt würden oder dort nur einige Fahrgeschäfte Platz fänden.

Hinzu kommt persönliche Enttäuschung. Christian Schottenhamel erklärte, er habe Egger lange als Bekannten und Freund angesehen und ihn sogar in touristische und gastronomische Gremien geholt. Noch im März habe Egger signalisiert, nicht klagen zu wollen.

Egger fordert neue Vergaberegeln

Egger betreibt bislang mit der "Münchner Stubn" ein kleineres Wiesn-Zelt mit einigen hundert Plätzen. Nun strebt er ein großes Festzelt mit mehreren tausend Plätzen an. Bei der bisherigen Vergabe, die nach einem Punktesystem erfolgt, erhielt er jedoch keinen Zuschlag. Jetzt geht der Geschäftsführer der WE Gutshof GmbH mit juristischen Mitteln gegen das Verfahren vor.

In der Wiesn-Branche sorgt der Schritt für Unverständnis. Manche fragen sich, ob es Egger allein um eigene Chancen geht oder ob hinter dem Vorgehen weitere Interessen stehen. Schließlich ist das Oktoberfest wirtschaftlich von enormer Bedeutung.

Wirte warnen vor Kommerzialisierung

Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer, sieht in einer europaweiten Ausschreibung große Gefahren. Sollte sich Eggers Position durchsetzen, könnte das Oktoberfest für internationale Großunternehmen interessant werden. Aus seiner Sicht droht damit eine weitreichende Kommerzialisierung der traditionsreichen Veranstaltung.

Nach Einschätzung anderer Wirte würde Egger von einer europaweiten Ausschreibung möglicherweise nicht einmal profitieren. Dann müsste er sich mit noch mehr erfahrenen Bewerbern messen, die bereits große Festhallen betreiben. Inselkammer wirft ihm deshalb vor, viel Schaden anzurichten, ohne selbst davon zu profitieren. Zudem betonte er, die Wiesn sei ein Gemeinschaftsprojekt – ein Platz dürfe nicht auf dem Klageweg erzwungen werden.

Egger verteidigt sein Vorgehen dagegen mit dem Hinweis auf mehr Transparenz und Fairness. Seiner Ansicht nach sollte die Stadt München die begehrten Zeltflächen nach objektiven und nachvollziehbaren Kriterien vergeben, sodass alle geeigneten Bewerber eine echte Chance auf ein großes Festzelt hätten. Er kündigte an, sämtliche juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Erste Niederlage, nun nächste Instanz

Bereits in erster Instanz war Egger mit seinem Anliegen gescheitert. Die Vergabekammer Südbayern bei der Regierung von Oberbayern hatte seinen Antrag auf eine Vergabe nach EU-Recht abgewiesen. Deshalb verfolgt er den Fall nun in der nächsten Instanz weiter und setzt zusätzlich auf den Eilantrag.

Sorge um den Verlust von Tradition

In München war die erste Niederlage Eggers vielerorts positiv aufgenommen worden. Aus Sicht der Stadt ist die Wiesn weit mehr als nur ein Großereignis. Oberbürgermeister Dominik Krause betonte, das Oktoberfest stehe für bayerische Lebensart, gelebte Kultur und sei eines der bekanntesten Symbole Münchens weltweit.

Ob diese Tradition nun durch den Rechtsstreit ins Wanken gerät, dürfte sich schon mit der anstehenden Eilentscheidung deutlicher abzeichnen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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