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Wie Humor Kalle Pohl das Leben rettete

Als der Kleine belächelt, vom Krebs getroffen: Mit 75 verrät Kalle Pohl, was ihn durchs schwerste Kapitel trug.

26.10.2026, 13:56 Uhr

Kalle Pohl blickt auf ein bewegtes Leben zurück

Das Eiscafé wirkt wie ein Ort aus einer anderen Epoche: Sitzbänke in Mintgrün, beige Wände, eine Einrichtung, die an vergangene Jahrzehnte erinnert. Dort sitzt Kalle Pohl beinahe unauffällig mit einem Latte macchiato und spricht über sein Leben. Der Mann, der einst mit „7 Tage, 7 Köpfe“ ein Millionenpublikum unterhielt, sagt offen: Wäre er nicht Komiker geworden, wäre er heute wohl nicht mehr am Leben.

Kaum jemand weiß, wie oft der heute 75-Jährige in seinem Leben neu anfangen musste. Pohl hat viele Stationen hinter sich: Er begann eine Ausbildung zum Koch, arbeitete in einer Lumpenfabrik, war Polizist, Briefträger und studierte Musik. Später folgten Fernsehruhm, ruhigere Jahre – und schließlich eine Krebserkrankung.

All diese Erfahrungen hat er in seinem Buch „Wenn es ernst wird, bleib ich Komiker“ verarbeitet. Für Pohl ist der Titel mehr als nur eine Pointe. Humor, sagt er, habe ihn immer wieder gerettet.

Krebsdiagnose statt „Wachmacher“

Vor einiger Zeit fühlte sich Pohl zunehmend erschöpft und kraftlos. Er suchte einen Arzt auf – in der Hoffnung, etwas gegen seine Müdigkeit zu bekommen. Stattdessen erhielt er die Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom, also eine Form von Lymphdrüsenkrebs.

Im August 2023 begann die Chemotherapie. Schon nach wenigen Wochen war er körperlich am Ende. Selbst der kurze Weg vom Schlafzimmer in die Küche wurde zur Belastungsprobe. Mehrfach brach er auf den wenigen Metern zusammen.

In dieser Phase bekam er Unterstützung aus der Nachbarschaft. Eine Nachbarin kümmerte sich um seinen Hund und kochte für ihn. Für den allein lebenden, seit Jahren geschiedenen Künstler war das eine entscheidende Hilfe.

Warum Humor für Kalle Pohl ein Lebensretter ist
So wurde Pohl berühmt: Bei «7 Tage – 7 Köpfe» riss er Witze mit Kollegen. (Archivbild) Quelle: Hermann-Josef Wöstmann/dpa

Schließlich kam die erlösende Nachricht: Der Krebs war verschwunden. Ganz spurlos blieb die Behandlung jedoch nicht. Müdigkeit und Erschöpfung begleiten ihn bis heute. Mit seinem typischen Humor merkt Pohl an, dass er allerdings schon immer gern geschlafen habe.

Viele Anläufe, bis der richtige Weg gefunden war

Die überstandene Krankheit sieht Pohl als einen weiteren Wendepunkt in seinem Leben. Schon früher habe er oft Kraft gebraucht, um sich aus schwierigen Situationen zu lösen. So brach er etwa seine Kochlehre ab, obwohl seine Eltern, die eine Gaststätte führten, einen Koch gut hätten gebrauchen können. Der Grund: In der Ausbildung sei Gewalt an der Tagesordnung gewesen.

Danach folgten weitere Berufe, doch nirgends fühlte er sich wirklich angekommen. Sogar als Polizeihauptwachtmeister arbeitete er eine Zeit lang, bevor er schließlich seinen Platz auf der Bühne fand.

1980 präsentierte Pohl sein erstes abendfüllendes Soloprogramm. Der große Durchbruch kam Mitte der 90er Jahre, als plötzlich Rudi Carrell bei ihm anrief. Zunächst hielt Pohl den Anruf für einen Scherz. Doch Carrell meinte es ernst: Pohl sollte Teil von „7 Tage, 7 Köpfe“ werden.

Der Durchbruch im Fernsehen

In der erfolgreichen Comedy-Sendung stand Pohl gemeinsam mit Stars wie Mike Krüger, Gaby Köster und Rudi Carrell vor der Kamera. Die Show wurde ein Quotenhit und machte ihn bundesweit bekannt.

Dabei war seine Rolle oft die des „Kleinen“. Immer wieder wurden Witze über seine Körpergröße gemacht. Einst war er bei der Polizei exakt mit 1,69 Meter und drei Millimetern vermessen worden. Heute kommentiert er das gelassen und scherzt, die drei Millimeter seien inzwischen wohl verschwunden.

Auch Carrell spielte mit diesem Image und ließ Pohls Stuhl in der Sendung extra tiefer einstellen, damit er noch kleiner wirkte – ein typischer Gag jener Fernsehzeit.

Erfolg, Eitelkeit und neue Wege

Mit den Witzen über seine Größe hat Pohl inzwischen seinen Frieden gemacht. Im Gegenteil: Er macht selbst gern Späße darüber. Wenn man ihn fragt, ob er in Merzenich bei Köln „aufgewachsen“ sei, spielt er mit der Doppeldeutigkeit des Wortes und lacht über sich selbst.

Die 90er- und 2000er-Jahre waren für ihn beruflich besonders erfolgreich. Rückblickend gibt Pohl jedoch zu, dass ihn der Erfolg zeitweise etwas überheblich gemacht habe. Als Fehler bezeichnet er die Entscheidung, eine Samstagabendshow anzunehmen, obwohl Moderation nie seine Stärke gewesen sei. Er habe beweisen wollen, dass mehr in ihm stecke als nur die Rolle des kleinen Komikers. Das Projekt scheiterte.

Nach dem Ende von „7 Tage, 7 Köpfe“ im Jahr 2005 blieb Pohl weiter auf der Bühne, spielte Soloprogramme und Theater. Irgendwann zog er sich jedoch aus dem Touralltag zurück. Nach Jahrzehnten unterwegs sei ihm das Leben zu Hause wichtiger geworden.

Mit 75 noch einmal neu beginnen

Ganz aufgehört hat Kalle Pohl mit dem Neuanfang aber nicht. Heute widmet er sich verstärkt dem Schreiben. Bisher habe er vor allem kurze Texte verfasst, nun arbeite er an längeren Stoffen – weiterhin mit Humor, aber mit neuen erzählerischen Ansprüchen.

Figuren zu entwickeln und Charaktere auszuarbeiten, sei für ihn Neuland. Genau das reize ihn. Für Pohl ist es ein weiteres Kapitel in einem Leben, das schon viele Wendungen genommen hat – und offenbar noch nicht zu Ende erzählt ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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