Deutsches Eishockey-Team startet mit Niederlage in die WM
Die deutsche Nationalmannschaft hat zum Auftakt der Eishockey-Weltmeisterschaft eine Überraschung gegen Finnland verpasst. Nach der Enttäuschung bei Olympia unterlag das Team von Bundestrainer Harold Kreis dem Olympia-Dritten am Freitag trotz insgesamt guter Leistung mit 1:3 (0:1, 0:0, 1:2). Vor allem in der Offensive fehlte der DEB-Auswahl die nötige Durchschlagskraft, besonders im Powerplay blieb sie zu ungefährlich.
Kapitän Moritz Seider sprach danach von einer vertanen Gelegenheit. Bei MagentaSport sagte der Verteidiger der Detroit Red Wings: „Wir haben heute gegen eine schlagbare Mannschaft gespielt. Das ist etwas frustrierend. Denn da wären heute auf jeden Fall Punkte drin gewesen.“
Den einzigen deutschen Treffer erzielte Stefan Loibl von den Straubing Tigers in der 49. Minute. Da lag Deutschland allerdings bereits zurück. Finnland nutzte seine Chancen deutlich konsequenter und traf durch Anton Lundell (9.) und Jesse Puljujärvi (44.) jeweils in Überzahl. Aatu Raty (56.) sorgte für die Entscheidung. Bereits am Sonntag (20.20 Uhr, ProSieben und MagentaSport) wartet mit Lettland ein vermutlich richtungsweisendes Spiel im Kampf um den Viertelfinal-Einzug.
Mehrere Absagen vor dem Turnier
Schon vor dem ersten Bully musste die deutsche Mannschaft einen personellen Dämpfer hinnehmen. NHL-Profi Nico Sturm wird nach dem Playoff-Aus der Minnesota Wild nicht mehr zur WM nachreisen. Der 31-Jährige hatte 2022 mit Colorado und 2025 mit Florida den Stanley Cup gewonnen.
Nach Angaben von DEB-Sportvorstand Christian Künast wurde Sturm von seinem Club nahegelegt, die Sommerpause nach einer Bandscheiben-Operation zur vollständigen Regeneration zu nutzen. Zuvor hatten bereits Leon Draisaitl, Tim Stützle und JJ Peterka ihre Teilnahme abgesagt.
Gegen Finnland noch ohne Reichel
Auch Lukas Reichel stand gegen Finnland noch nicht im Kader. Der Angreifer der Boston Bruins war erst am Donnerstag zur Mannschaft gestoßen und dürfte im nächsten Spiel gegen Lettland sein Turnierdebüt geben. Künast sagte mit Blick auf Sonntag: „Er bekommt morgen sein drittes Training hier. Dann gehen wir mal davon aus, dass er am Sonntag dabei ist.“
Dass Reichel mit seinen läuferischen und spielerischen Qualitäten helfen könnte, zeigte die Partie gegen Finnland deutlich. Deutschland stand über weite Strecken defensiv ordentlich, ließ vor dem gegnerischen Tor aber die nötige Konsequenz vermissen.
Defensiv stabil, vorne zu harmlos
Mit Torhüter Philipp Grubauer von den Seattle Kraken präsentierte sich die DEB-Auswahl zunächst stabil. Eine große Gelegenheit vergab allerdings Joshua Samanski, der in Überzahl aus kurzer Distanz nicht erfolgreich abschließen konnte. Weitere Powerplay-Situationen blieben ebenfalls ungenutzt.
Die Finnen zeigten sich erheblich effizienter. Lundell traf nach einer Strafe gegen Maximilian Kastner mit einem präzisen Schuss zur Führung, vorbereitet von Aleksander Barkov. Der finnische Star stand nach überstandenem Kreuzbandriss erstmals wieder auf dem Eis. Beim Treffer hätte aus deutscher Sicht auch eine Überprüfung infrage kommen können, da sich ein finnischer Spieler im Torraum befand.
Grubauer und Seider verhindern Schlimmeres
In der Folge bewahrte Grubauer Deutschland mit mehreren starken Paraden vor einem höheren Rückstand. Besonders spektakulär war zudem eine Szene von Moritz Seider kurz nach Beginn des zweiten Drittels: Der Verteidiger klärte nach einer Parade von Grubauer zunächst den ersten Nachschuss der Finnen und verhinderte mit einer weiteren Rettungsaktion direkt vor der Linie auch den zweiten Versuch.
Trotz zahlreicher Strafzeiten gegen Finnland konnte Deutschland daraus kaum Kapital schlagen. Nur Samanski kam noch zu einer nennenswerten Möglichkeit. Dominik Kahun zeigte sich entsprechend unzufrieden und sagte: „Wir können nicht zufrieden sein, wenn man sieht, wie oft wir Powerplay hatten.“ Auch der langjährige Kapitän Moritz Müller, inzwischen als TV-Experte im Einsatz, verwies darauf, dass die vergebenen Überzahlchancen auch mental Spuren hinterlassen: „Das macht auch was mit den Köpfen der Jungs.“
Finnland im Powerplay konsequent
Wie man Überzahl effektiv nutzt, demonstrierte Finnland auch beim zweiten Treffer. Puljujärvi erhöhte mit einem Mann mehr auf dem Eis auf 2:0. Deutschland gab sich jedoch nicht auf und kam durch Loibl noch einmal heran.
Die Hoffnung auf eine Wende hielt allerdings nicht lange. Raty stellte wenig später mit dem dritten finnischen Tor den Endstand her. Grubauer brachte die zentrale Schwäche der Partie auf den Punkt: „Wenn du kein Tor schießt im Powerplay und selbst zwei kriegst, wird es immer schwer.“
Unterm Strich blieb für die deutsche Mannschaft ein ernüchternder WM-Start: Defensiv hielt sie lange gut mit, offensiv fehlten jedoch Präzision, Effizienz und vor allem Gefahr im Powerplay.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion