Mehr als zehn Jahre nach dem Ende seiner TV-Gerichtsshow kehrt Richter Alexander Hold auf den Bildschirm zurück. Sat.1 zeigt ab Montag, 26. Oktober, neue Fälle, zunächst mit einem abendfüllenden Film. Ab dem 27. Oktober laufen die frischen Episoden dann täglich um 18.00 Uhr bei Sat.1 sowie auf der Streamingplattform Joyn.
Wie schon in den früheren Staffeln steht der heute 64-Jährige in inszenierten, pseudo-dokumentarischen Gerichtsverhandlungen vor der Kamera und spricht Urteile.
Hold selbst sieht keinen Anlass, das Erfolgsrezept grundlegend zu verändern. Im Gespräch sagte er, äußerlich hätten sich vor allem sein Haaransatz und seine Brille verändert. Das Format sei jedoch nach wie vor zeitgemäß, zumal auch ältere Folgen derzeit wieder großen Zuspruch fänden. Ein Strafprozess bleibe schließlich ein Strafprozess, sagte er sinngemäß – daraus könne man keine Quizsendung machen.
Der Fernsehrichter bringt dafür weiterhin echte juristische Erfahrung mit. Bevor er 2001 mit seiner Show bundesweit bekannt wurde, arbeitete Hold als Richter in Kempten im Allgäu. Bis 2013 entstanden mehr als 2.000 Folgen; nun kommen zunächst 50 neue Episoden hinzu.
Nach eigenen Worten legt Hold auch bei den Dreharbeiten Wert auf richterliche Unabhängigkeit. Weder bei der Verhandlungsführung noch bei Zeugenbefragungen, der rechtlichen Bewertung oder der Urteilsfindung lasse er sich hineinreden. Nach der Beweisaufnahme ziehe er sich zurück, um sein Urteil mit Begründung sorgfältig vorzubereiten – unabhängig davon, dass Zeit am Set Geld koste.

Viel Freiheit und Improvisation
Hold betont, dass er in der Sendung nicht eine erfundene Figur spiele, sondern sich selbst. Er nutze die Freiheit, Zeugen eigene Fragen zu stellen und bei Unklarheiten nachzuhaken. Vieles entstehe dabei spontan. Sich selbst beschreibt er dabei eher als eine Art „Zirkusdirektor“.
Diese Rolle passt auch zu seinem zweiten Beruf: Hold ist nicht nur Jurist, sondern ebenfalls Politiker. 2017 kandidierte er sogar für das Amt des Bundespräsidenten. Heute ist er Vizepräsident des Bayerischen Landtags und sitzt dort für die Freien Wähler. Die neuen Folgen konnte er während der Sommerpause des Parlaments drehen – gewissermaßen als Ferienjob, wie er es selbst nennt.
Start mit einem Primetime-Film
Der Neustart beginnt mit einem Spielfilm zur besten Sendezeit. Im Mittelpunkt steht ein Prozess um einen Mordanschlag auf einen Oldtimer, der Hold mit einem Entführungsfall aus seiner Vergangenheit konfrontiert.
Auch die ersten regulären Folgen setzen auf spektakuläre Geschichten: Im Auftaktfall der Serie muss sich der Betreiber eines Fitnessstudios wegen des Verdachts auf Vergewaltigung verantworten. Danach geht es um eine junge Frau, die den Kiosk ihres Stiefvaters überfallen und ihn angeschossen haben soll. In der dritten Episode steht die Frage im Raum, ob eine Erotik-Tänzerin bei einer Geburtstagsfeier einen Mann verletzt und zugleich einen Einbruch in dessen Haus vorbereitet hat.
Für Hold liegt gerade darin weiterhin der Reiz des Formats. Während klassische Krimis meist nur auf die Frage hinausliefen, wer die Tat begangen habe, gehe es im Gerichtssaal um die genaue Aufarbeitung des Geschehens. Neben der Wahrheit spiele vor allem die Gerechtigkeit eine zentrale Rolle. Zuschauer könnten dadurch nicht nur miträtseln, sondern auch ihr eigenes Wertesystem überprüfen.
Unterhaltung mit Blick auf den Rechtsstaat
Trotz aller Spannung versteht Hold seine Sendung in erster Linie als Unterhaltung. Gleichzeitig biete sie aber die besondere Möglichkeit, nachvollziehbar zu machen, wie schwierig das Ringen um Gerechtigkeit und die Abwägung bei Urteilen sein kann. Es sei zwar kein Bildungsfernsehen im klassischen Sinn, könne aber das Verständnis für den Rechtsstaat stärken.
Seit der Hochphase deutscher Gerichtsshows habe sich jedoch auch der Ton verändert. Hold meint, früher seien Witze oder Formulierungen gefallen, bei denen man heute sofort merken würde, dass sie nicht mehr angemessen wären.
Mehr Sensibilität als früher
Als Beispiel für frühere Zuspitzungen nennt sich die alte Machart der Sendung praktisch von selbst: Fälle mit sehr groben, klischeehaften Figuren gehörten damals dazu. Hold räumt ein, dass solche Geschichten teils bewusst derb angelegt gewesen seien. Inzwischen gebe es in der Gesellschaft deutlich mehr Sensibilität für solche Darstellungen.
Ob nach den nun produzierten 50 neuen Folgen noch weitere Episoden dazukommen, lässt Hold offen. Er habe in diesem Sommer kaum Urlaub gemacht, sagte er. Ob sich noch einmal so ein umfangreicher Drehblock ausgehe, müsse wohl erst im Familienkreis besprochen werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber