Fußball

Bayern zögert bei Wunderkind Karl – was steckt dahinter?

Olise ist zurück, Díaz fehlt – und plötzlich winkt Lennart Karl die große Freiburg-Chance. Ausgerechnet dort begann sein Hype.

23.10.2026, 12:07 Uhr

Plötzlich läuft es für Lennart Karl nicht mehr so unbeschwert wie noch in der vergangenen Saison. Mit mutigen Dribblings und frechen Abschlüssen hatte der Teenager den deutschen Fußball begeistert. Nach dem geplatzten Traum von der Weltmeisterschaft erlebt das Bayern-Talent nun erstmals seit seinem steilen Aufstieg eine schwierigere Phase in München. Vielleicht gelingt ihm ausgerechnet am Sonntag gegen den SC Freiburg (17.30 Uhr/DAZN) der Befreiungsschlag.

Trainer Vincent Kompany stellte nach dem 2:2 in der Champions League gegen den FC Arsenal klar, dass im Verein weiter Vertrauen in Karl herrscht. Der Coach betonte, man wisse um seine Qualitäten und sei geduldig, bis wieder der Moment komme, in dem jeder den alten Lennart Karl erkenne.

Trotz Ausfällen nur Ersatz

Die Partie gegen Arsenal zeigt ziemlich genau, wie Karls Saison bislang verläuft. In der Vorsaison hatte er gegen denselben Gegner noch von Beginn an gespielt und sogar getroffen. Diesmal durfte er erst spät ran und konnte kaum Akzente setzen. Bemerkenswert war das auch deshalb, weil mit Michael Olise, Luis Díaz und Jamal Musiala wichtige Offensivkräfte fehlten oder zunächst draußen saßen. In der vergangenen Spielzeit hätte das für Karl fast automatisch einen Platz in der Startelf bedeutet, diesmal reichte es nur für die Bank.

Am Sonntag kehrt der zuletzt in der Champions League gesperrte Olise zurück, während Díaz verletzt ausfällt. Damit stellt sich erneut die Frage, ob sich für Karl in Freiburg eine Chance eröffnet.

Vincent Kompany
Trainer Vincent Kompany hat Geduld mit dem Supertalent. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nach Verletzung noch nicht bei 100 Prozent

Sportvorstand Max Eberl erklärte, Karl habe aktuell noch nicht sein bestes Niveau erreicht. Während in der vergangenen Saison nach seinen Einwechslungen oft sofort Schwung und Kreativität ins Spiel kamen, ist dieser Effekt derzeit noch nicht zu sehen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Karl war als eines der größten deutschen Fußballversprechen in die USA gereist, um bei der WM auf sich aufmerksam zu machen. Doch kurz vor Turnierbeginn platzte dieser Traum wegen eines Muskelbündelrisses im linken vorderen Oberschenkel.

Der Offensivspieler sprach später offen darüber, wie sehr ihn dieser Rückschlag getroffen habe. Gerade die ersten Tage seien für ihn besonders hart gewesen. Halt habe er vor allem durch seine Familie, seine Freundin und enge Freunde bekommen.

Kompany bleibt ruhig

Auch abseits des Platzes steht Karl stärker im Fokus als noch vor einem Jahr. Gemeinsam mit seiner vier Jahre älteren Freundin Zoe Käppele, die als Model und Influencerin bekannt ist, zeigt er sich regelmäßig in der Öffentlichkeit. In einem Interview schilderte er zuletzt, dass er manchmal gerne weniger Aufmerksamkeit hätte, weil man sich ständig beobachtet fühle, selbst bei alltäglichen Dingen wie einem kurzen Essen in der Stadt mit Freunden oder der Familie.

Für einen Teenager, der vor nicht allzu langer Zeit noch weitgehend unbekannt war, ist das keine einfache Situation. Dazu kommt, dass seine starke Präsenz in den sozialen Medien im Verein offenbar nicht überall nur positiv gesehen wird. In München wünscht man sich vom 1,68 Meter großen Dribbler vor allem wieder Glanzleistungen auf dem Rasen statt Schlagzeilen abseits des Spielfelds.

Kompany sieht die Lage dennoch gelassen. Karl sei jung, habe körperlich zuletzt einige Probleme gehabt und werde seinen Rhythmus wiederfinden. Sorgen mache er sich deshalb nicht.

Freiburg als möglicher Wendepunkt

Ein Duell mit dem SC Freiburg könnte für Karl genau zum richtigen Zeitpunkt kommen. Gegen die Breisgauer hat er besonders gute Erinnerungen. Beim spektakulären 6:2 in der Allianz Arena in der vergangenen Saison war er der jüngste Bayern-Profi, dem in einem Spiel sowohl ein Tor als auch eine Vorlage gelangen.

Noch eindrucksvoller verlief das Rückspiel, als die Münchner einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg verwandelten. Zunächst bereitete Karl den Anschlusstreffer von Tom Bischof vor, dann traf er in der neunten Minute der Nachspielzeit selbst zum Sieg. Es war zugleich der 100. Treffer einer starken Bayern-Saison.

Damals sagte Karl, er habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, noch ein Tor zu erzielen. Vielleicht kehrt genau dieses Gefühl nun gegen Freiburg zurück.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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