Streit in russischen Kinos: Spider-Man gegen Kolobok
In Russlands Kinos sorgt derzeit ein ungewöhnliches Duell für Aufsehen: Auf der einen Seite steht der Hollywood-Held Spider-Man, auf der anderen die heimische Märchenfigur Kolobok, im Deutschen am ehesten mit dem dicken fetten Pfannekuchen vergleichbar. Viele Besucher reagierten verärgert, weil am aktuellen Kinowochenende nicht „Spider-Man: Brand New Day“ gestartet ist. Stattdessen brachten Verleiher Medienberichten zufolge zunächst den russischen Film „Der letzte Held: Kolobok“ in die Säle.
Kolobok ist eine bekannte Figur aus russischen Volksmärchen. Er lässt sich nicht verspeisen und rollt auf seiner Flucht immer weiter. Im inzwischen vierten Teil der russischen Fantasy-Reihe erlebt die kugelrunde Trickfigur, eingebettet in eine reale Schauspielerwelt, neue Abenteuer in einer märchenhaften Umgebung voller Folklore.
Verleiher sollen Druck auf Kinos ausgeübt haben
Viele Filmfans hätten allerdings lieber Tom Holland als Spider-Man gesehen. Weil die Vorverkaufszahlen darauf hindeuteten, dass Kolobok an den Kinokassen schwächeln könnte, wurde der Start des Marvel-Films verschoben. Nach Angaben der Filmexpertin Sofia Worobjowa auf dem Portal „Meduza“ soll Kinos sogar mit Folgen gedroht worden sein, falls sie den Hollywood-Film vorab zeigen.
Empörung im Netz und Drohungen gegen das Team
Daraufhin entlud sich die Wut vieler Nutzer im Internet. Auf Filmseiten wie kinopoisk.ru wurde der Kolobok-Film gezielt mit schlechten Bewertungen versehen. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass der staatliche Fernsehsender Rossija 24, der den Film unterstützt, Anzeige erstattete. Nach Senderangaben gab es Todesdrohungen gegen Regisseur Anton Maslow und Hauptdarsteller Dmitri Schurawljow. In einer Stellungnahme hieß es, Kritik an den Inhalten vermische sich zunehmend mit Hass, Drohungen und offenem Chaos im Netz.
Zusätzlichen Ärger löste ein Kommentar aus dem Filmteam aus. Der Komiker Garik Charlamow, der Kolobok seine Stimme leiht, reagierte provokant auf die aufgebrachten Spider-Man-Fans. Ihm sei der Spinnenheld egal, erklärte er — und setzte noch nach: „Ich liebe Batman!“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber