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Jazz-Gigant Sonny Rollins ist tot

Diese Jazz-Legende ist tot: Sonny Rollins starb mit 95 – Miles Davis nannte ihn den größten Tenorsaxofonisten aller Zeiten.

26.05.2026, 06:57 Uhr

Der legendäre Saxofonist und Jazz-Komponist Sonny Rollins ist tot. Wie auf seiner offiziellen Facebook-Seite mitgeteilt wurde, starb er im Alter von 95 Jahren in seinem Zuhause in Woodstock im US-Bundesstaat New York. Angaben zur Todesursache wurden zunächst nicht veröffentlicht.

In einer Mitteilung, die von mehreren US-Medien verbreitet wurde, zitierte seine Agentin Terri Hinte den Musiker mit den Worten, das Leben eines kreativen Menschen setze sich nach dem Tod in einer anderen Existenz fort. Rollins habe gesagt: „Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass dieses Leben nicht alles bedeutet.“

Rollins wurde 1930 in Harlem in New York als Sohn karibischer Eltern geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er zunächst am Klavier, das er mit elf Jahren spielte. Inspiriert von Coleman Hawkins entschied er sich mit 16 dann für das Saxofon – jenes Instrument, mit dem er später Jazzgeschichte schrieb.

Mit seinem unverwechselbaren Ton – voll, kraftvoll und rau, zugleich aber fein nuanciert – galt der vielfach ausgezeichnete Musiker als eine der prägenden Figuren des Jazz. Die „New York Times“ nannte ihn nach jeder vernünftigen Einschätzung schlicht ein Genie. In der Szene war er zudem als „Saxofon-Koloss“ bekannt, ein Titel, den auch eines seiner Alben aus dem Jahr 1956 trug.

„Größter Tenorsaxofonist aller Zeiten“

Im Lauf seiner Karriere arbeitete Rollins mit zahlreichen Größen des Jazz zusammen, darunter Charlie Parker, Thelonious Monk und John Coltrane. Monk wurde für ihn zudem Freund und Mentor. Der Trompeter Miles Davis, mit dem Rollins in seinen frühen Jahren in verschiedenen Gruppen spielte, bezeichnete ihn einmal als den größten Tenorsaxofonisten aller Zeiten.

Auch in Ensembles machte er früh auf sich aufmerksam: In Chicago spielte Rollins im Quintett von Max Roach und Clifford Brown. Nach Browns Tod 1956 baute er seine Solokarriere weiter aus, arbeitete mit wechselnden Begleitern und komponierte. Zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählen „Oleo“, „Doxy“ und „St. Thomas“, die längst zum festen Repertoire des Jazz gehören.

Lange zog der Improvisationskünstler durch die Konzerthallen der Welt und übte täglich stundenlang. Schließlich zwangen ihn Atemwegserkrankungen in den Ruhestand. Dies sei für ihn eine traumatische Erfahrung gewesen, die der tief spirituelle Musiker jedoch irgendwann annahm. Er sagte sinngemäß, er sei lieber dankbar dafür, sein ganzes Leben Musik gemacht zu haben, als sich zu beklagen.

Schon nach dem Tod seiner Ehefrau Lucille Pearson im Jahr 2004 nach rund 45 gemeinsamen Jahren begann sich Rollins zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Er spendete sein Archiv dem New Yorker Schomburg Center, lebte fortan allein nördlich der Metropole und widmete sich vor allem seiner Spiritualität. Der „New York Times“ sagte er damals: „‚Glücklich‘ ist nicht das richtige Wort. Aber ich bin so zufrieden wie nie zuvor.“

In einem Interview mit dem US-Radiosender NPR im Jahr 2017 erinnerte sich Rollins an seine Anfänge während der Great Depression. Erst nachdem er seine Mutter überzeugt hatte, besorgte sie über seinen Onkel ein gebrauchtes Saxofon. Er erzählte, wie er sich mit dem Instrument in sein Zimmer zurückzog, die Tür schloss und sich dabei „im Himmel“ fühlte.

Anfänge von Drogen und Kriminalität überschattet

Der Weg nach oben verlief nicht geradlinig. Rollins kämpfte mit Drogensucht, saß nach einem Raubüberfall zehn Monate im Gefängnis und musste später wegen eines Verstoßes gegen Bewährungsauflagen erneut hinter Gitter. Danach machte er einen Heroinentzug und schaffte ein bemerkenswertes Comeback.

In dieser Phase übte er oft auf der Williamsburg Bridge über dem East River gegen den Verkehrslärm an. Sein späteres Comeback-Album trug deshalb den Titel „The Bridge“. Fans regten später sogar an, die Brücke nach ihm zu benennen – eine Idee, die Rollins selbst für etwas übertrieben hielt. Er habe dort schließlich nur einen Ort zum Üben gesucht, sagte er einmal sinngemäß.

Die Musik ließ ihn bis zuletzt nicht los. Zugleich blieb Rollins ein unerbittlicher Perfektionist. Über sich selbst sagte er einmal: „Ich habe mein Leben der Musik gewidmet – und ich habe sie nie dahin bekommen, wo ich sie haben wollte.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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