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Jack Sawyer kehrt zurück – King beendet den Talisman

Stephen King entfesselt das Finale der Talisman-Trilogie: Eine finstere Macht verschlingt Welten – Jack Sawyer ist zurück.

14.10.2026, 00:02 Uhr

«Es gibt mehr Welten als diese.» Mit diesem Satz eröffnet ein rätselhafter Berater eines Provinzherrschers den Blick auf Mittwelt und macht schnell klar: Jack Sawyer ist zurück. Fans von Stephen King und Peter Straub begegnen damit erneut der Hauptfigur aus „Der Talisman“ und „Das schwarze Haus“. Im neuen Roman „Andere als diese Welten“ wartet auf Jack noch einmal eine gefährliche Reise, bevölkert von Monstern, verwandelten Menschen, dunklen Kräften und einem Schicksal, dem er kaum entkommen kann. Der dritte Band schließt die Reihe überzeugend ab, auch wenn der lange Weg nicht ohne erzählerische Durststrecken bleibt.

Rückkehr in eine vertraute Fremde

Um den neuen Roman einzuordnen, lohnt ein Blick zurück: Bereits 1984 veröffentlichten King und Straub „Der Talisman“, die Geschichte des damals zwölfjährigen Jack Sawyer. Er besitzt die Fähigkeit, zwischen der realen Welt und den sogenannten Territorien zu wechseln, ein Vorgang, den er selbst „flippen“ nennt. Auf seiner Suche wird er zum Retter beider Sphären und kämpft zugleich um das Leben seiner schwer kranken Mutter.

Im zweiten Buch, „Das schwarze Haus“, ist Jack erwachsen. Nun untersucht er eine Serie grausamer Kindermorde, die ihn erneut an die Grenze zwischen den Welten führt. Der Roman endet dramatisch: Jack wird angeschossen und schwebt in Lebensgefahr. Beide Vorgänger setzen dabei unterschiedliche Akzente – der eine als fantastisches Abenteuer des Erwachsenwerdens, der andere als düstere Horrorerzählung.

Ein dritter Band nach Peter Straubs Tod

Der Abschluss der Trilogie stammt nun allein aus Stephen Kings Feder, da Peter Straub 2022 starb. Dennoch geht das Buch auf eine Idee Straubs zurück. Wie King im Nachwort schildert, hatte ihm sein langjähriger Co-Autor bereits 2013 einen Entwurf für einen dritten Teil geschickt. Die Inspiration dafür kam von den realen Verbrechen des mörderischen Paars Charlie Starkweather und Caril Ann Fugate in den USA der späten 1950er Jahre.

Die Nachricht mit den Einzelheiten galt lange als verloren und tauchte erst nach Straubs Tod wieder auf – entdeckt vom belgischen Literaturwissenschaftler Vincent Neyt im Archiv. Auch wenn King die Handlung stark veränderte, blieb der ursprüngliche Impuls erhalten. Deshalb steht Straubs Name weiterhin mit auf dem Cover. King betont, dass ihn sein verstorbener Weggefährte bei der Arbeit ständig begleitet habe.

Jack Sawyer zwischen Amerika und Mittwelt

Jack ist inzwischen 57 Jahre alt. Er ist erschöpft, gezeichnet von Verlusten und mit einem trockenen Zynismus ausgestattet. Seit seiner schweren Verletzung kann er nur noch kurz in die amerikanische Realität zurückkehren; jeder längere Aufenthalt wäre tödlich. In den Territorien lebt er als entwurzelter Außenseiter, bis ihn ein Gouverneur unter dem Befehl eines Despoten mit einem Auftrag versieht: Jack soll den geheimnisvollen und bedrohlichen „Schlund“ erkunden.

Parallel dazu erfährt er in den USA, dass ein alter Freund ein jugendliches Killerpaar jagt und dabei verschollen ist. Jack macht sich auf die Suche – und entdeckt bald, dass die Gewalt dieser beiden Täter auch in den Territorien Spuren hinterlässt. Dort greift ihre Blutlust wie eine Seuche auf andere Jugendliche über. Mehr und mehr zeigt sich, dass die Grenzen zwischen den Wirklichkeiten brüchig werden. Die Welten beginnen sich zu überlagern, und hinter allem steht eine finstere Macht, die weit mehr bedroht als nur Amerika und Mittwelt.

Atmosphärisch stark, aber nicht immer straff erzählt

Der Roman besitzt viele packende Szenen und echten Schrecken. Gerade wenn King das Unheimliche voll ausspielt, entwickelt das Buch große Sogwirkung. Dennoch fällt vor allem am Anfang auf, dass sich die Handlung Zeit lässt. Auf über 800 Seiten geraten einige Passagen spürbar ausufernd.

Wer die ersten beiden Teile nicht kennt, erhält durch Jacks Rückblicke und tagebuchartige Erinnerungen wichtige Orientierung. Diese Einschübe erleichtern den Einstieg, bremsen aber zugleich den Fluss der Geschichte. Dazu kommen Motive, die sich mehrfach wiederholen – etwa die vielen gefährlichen Übergänge und einsturzgefährdeten Brücken, die Jack und seine Begleiter überwinden müssen.

Kings große Stärke: Figuren und Sprache

Am überzeugendsten ist Stephen King immer dann, wenn er Menschen beschreibt. Auch hier liegt eine der größten Qualitäten des Romans. Seine Figuren wirken eigenwillig, greifbar und oft erstaunlich vertraut. Selbst ihre Schrullen tragen dazu bei, dass sie lebendig erscheinen.

Hinzu kommt Kings unverkennbarer Stil: eine Sprache, die nah am Alltag bleibt, direkt wirkt und gelegentlich auch grob sein darf. Gerade dadurch gewinnen Dialoge und Charaktere an Glaubwürdigkeit. Besonders gelungen ist aber die Art, wie King die Territorien vor dem inneren Auge entstehen lässt. Die fremde Welt erhält Konturen, Atmosphäre und eine eigene Magie.

Stephen King zählt seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Autoren der USA; seine Werke wurden weltweit hunderte Millionen Mal verkauft und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Peter Straub galt ebenfalls als eine feste Größe der amerikanischen Horrorliteratur. „Andere als diese Welten“ führt noch einmal vor, warum die Zusammenarbeit der beiden für viele Leserinnen und Leser etwas Besonderes war: Die Magie von Mittwelt lebt weiter – düster, seltsam und faszinierend.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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