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Zverev warnt vor Fery-Hype: Jetzt zeigt sich seine Reife

Paris hat Zverev befreit – jetzt stürmt er in Wimbledon Richtung Finale. Doch gegen Fery und das Publikum wartet die größte Probe.

09.07.2026, 12:57 Uhr

Alexander Zverev geht mit viel Selbstvertrauen in das Wimbledon-Halbfinale und will sich auch von der Euphorie um den Briten Arthur Fery nicht aus der Ruhe bringen lassen. Seit seinem Triumph bei den French Open wirkt der deutsche Tennisprofi deutlich befreiter. Nur fünf Wochen später bietet sich ihm nun die Chance, auch in Wimbledon nach dem Titel zu greifen. Am Freitag trifft er ab 14.30 Uhr auf den Überraschungsmann Fery – und auch die besondere Stimmung auf dem Centre Court soll ihn nicht aus dem Konzept bringen.

Ein Jahr nach dem frühen Aus in der ersten Runde, als Zverev noch offen über mentale Belastungen gesprochen hatte, präsentiert er sich nun deutlich gelassener. Der 29-Jährige bewegt sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit durch das Turnier, scheint lockerer und weniger verkrampft als früher. Auch das Halbfinale vor 15.000 Zuschauern, die fast geschlossen den britischen Außenseiter unterstützen dürften, ändert daran offenbar wenig.

"Natürlich ist es ein großes Match. Es geht um den Einzug ins Wimbledon-Finale", sagte Zverev. "Aber ich habe gelernt, dass ein Tennismatch eben nur ein Tennismatch ist. Niemand stirbt daran, und das Leben geht danach weiter. Ich will einfach mein bestes Tennis spielen."

Möglicher Störfaktor für das britische Wimbledon-Märchen

Sportlich spricht derzeit vieles für Zverev. Als erster deutscher Wimbledon-Halbfinalist seit Tommy Haas im Jahr 2009 tritt er bislang äußerst souverän auf. In fünf Partien musste er erst zwei Sätze abgeben. Seine Sicherheit auf dem Platz ist unübersehbar. Für Zverev selbst ist klar: Erfolg hilft oft auch mental weiter.

Wimbledon 2026
Alexander Zverev spielt auch auf Rasen stark. Quelle: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Mit einem weiteren Sieg könnte er der erste deutsche Wimbledon-Champion seit Michael Stich 1991 werden. Aus britischer Sicht wäre er allerdings derjenige, der die märchenhafte Turniergeschichte von Arthur Fery beendet.

Zverev weiß, dass das Publikum fast geschlossen hinter seinem Gegner stehen wird. Das stört ihn aber nicht.

"Mir ist klar, dass wohl 99 Prozent der Zuschauer für ihn sein werden. Aber solche Atmosphären mag ich. Wenn viel Energie im Stadion ist, gefällt mir das", sagte er. Zugleich lobte er die Wimbledon-Fans als leidenschaftlich, aber fair.

Fery begeistert Fans – auch mit royaler Unterstützung

Arthur Fery ist die große Überraschung dieses Turniers. Der Brite hat sich unerwartet bis in die Vorschlussrunde gespielt und genießt den Moment sichtlich. Auch gegen Zverev traut er sich etwas zu.

"Zverev ist natürlich noch einmal ein anderes Kaliber", sagte Fery. "Aber ich bin bereit. Ich werde rausgehen und mein Spiel spielen – so wie bisher auch."

Zverev hatte den Briten bereits bei den Australian Open wahrgenommen, damals wegen dessen sauberer Technik. In Wimbledon hat sich Fery nun endgültig in den Mittelpunkt gespielt. Der frühere Stanford-Student ist mit einer Wildcard ins Hauptfeld gekommen und sorgt in einem Land, das zuletzt nicht gerade von Tennis-Erfolgen verwöhnt wurde, für Begeisterung.

Prominente Unterstützung hat er ebenfalls längst bekommen: Prinzessin Kate verfolgte schon sein Match in Runde zwei, Königin Camilla gratulierte ihm nach dem Viertelfinale sogar persönlich in der Royal Box.

Fery, der in unmittelbarer Nähe des All England Club aufwuchs und in Wimbledon zur Schule ging, hat sich von Runde zu Runde gesteigert. Sollte er das Endspiel erreichen, könnte er dort am Sonntag auf dem Centre Court sogar seinen 24. Geburtstag feiern. Die BBC brachte die Begeisterung mit einer zugespitzten Schlagzeile auf den Punkt: Wimbledon glaubte, schon alles erlebt zu haben – bis Fery kam.

Zverev geht diesmal anders mit der Favoritenrolle um

Noch in Paris hatte sich Zverev nach dem frühen Aus von Jannik Sinner gedanklich regelrecht unter Druck gesetzt, als er plötzlich als Topfavorit galt. In Wimbledon sieht er die Sache nun deutlich entspannter. Dass er gegen Fery als Favorit auf den Platz geht, bereitet ihm nach eigener Aussage keine Probleme mehr.

"Damit muss ich inzwischen alt genug sein", meinte er.

Michael Stich sieht Zverev vorne

Rein sportlich gilt die Aufgabe gegen Fery als günstiger als ein Duell mit Jannik Sinner oder Novak Djokovic, die im anderen Halbfinale aufeinandertreffen. Prime-Experte Michael Stich hält Zverev in seiner derzeitigen Verfassung sogar für den stärksten der vier verbliebenen Spieler.

Spielerisch hat der Deutsche aus früheren Rückschlägen offenbar die richtigen Schlüsse gezogen. Gerade auf Rasen zahlt sich seine offensivere Ausrichtung aus. Sein Aufschlag bleibt eine seiner größten Waffen, doch auch von der Grundlinie wirkt er variabler. Er streut mehr Richtungswechsel ein, geht in wichtigen Momenten mehr Risiko und verfügt derzeit über eine besonders starke Vorhand. Nach Zverevs überzeugendem Viertelfinalsieg hatte selbst der angeschlagene US-Profi Taylor Fritz erklärt, diese Vorhand sei so gut wie nie zuvor.

Zverev selbst sagt, er habe sein Spiel für Rasen gezielt angepasst.

"Ich habe in den vergangenen Jahren schon versucht, anders auf Rasen zu spielen, aber ich habe mich dabei nie richtig wohlgefühlt", erklärte er. "Dieses Jahr klappt es ziemlich gut."

Nun soll ihn genau diese Mischung aus Gelassenheit und spielerischer Reife ins Finale führen.

"Es ist der Traum eines kleinen Jungen, auf den größten Bühnen der Welt zu stehen", sagte Zverev.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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