Politik

Emirate raus aus Opec: Droht jetzt der Öl-Schock?

Jahrzehntelang bestimmten Opec und Opec+ die Regeln auf dem globalen Ölmarkt. Nun sagen die Emirate beiden Bündnissen überraschend den Abschied an. Wankt damit das Machtzentrum des Ölkartells — und beginnt jetzt sein Zerfall?

28.04.2026, 17:22 Uhr

VAE verlassen Opec und Opec+ zum 1. Mai

Seit Jahren wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten offenbar über einen Abschied von der Opec nachgedacht. Dennoch kommt die Entscheidung aus Abu Dhabi überraschend: Das Land wird zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und zugleich aus dem erweiterten Bündnis Opec+ austreten. Was steckt hinter dem Schritt, und welche Folgen könnte er haben?

Was ist die Opec?

Die Opec entstand 1960 in Bagdad. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela. Ihr zentrales Ziel war, die Kontrolle über die eigenen Erdölvorkommen nicht privaten, häufig westlich geprägten Konzernen zu überlassen. Dazu gehörten auch gemeinsame Absprachen über Fördermengen, um Preise zu beeinflussen und verlässliche Einnahmen zu sichern.

Die Zahl der Mitgliedstaaten änderte sich im Lauf der Jahre mehrfach. Derzeit gehören der Opec 12 Länder an, nach dem Austritt der Emirate werden es noch 11 sein.

Vor rund zehn Jahren weitete die Opec ihre Zusammenarbeit auf weitere Förderländer aus. Unter Führung von Saudi-Arabien und Russland entstand die Gruppe Opec+, die mit ihrer größeren Produktionskraft erheblichen Einfluss auf den Weltmarkt ausübt. Auch aus diesem Bündnis steigen die Emirate nun aus.

Warum erfolgt der Austritt gerade jetzt?

Nach Einschätzung von Analysten kommt der Schritt nicht völlig unerwartet. Schon vor dem Krieg hatte es innerhalb der Opec Streit über Förderquoten gegeben. Die Emirate wollten demnach mehr Öl fördern, als ihnen im Rahmen der Vereinbarungen zugestanden wurde.

Die Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen sieht die Entscheidung auch im Zusammenhang mit der Zeit nach dem Iran-Krieg. Aus ihrer Sicht wollen die VAE künftig freier über ihre Kapazitäten verfügen, um nach einem Ende des Konflikts mehr produzieren und kriegsbedingte Ausfälle ausgleichen zu können.

Bereits 2023 hatte das Baker Institute der Rice University in Houston darauf hingewiesen, dass ein Austritt für die Emirate kurzfristig finanziell attraktiv sein könnte. Damals war von zusätzlich möglichen Einnahmen von bis zu 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr die Rede, wenn die Ölproduktion ohne Opec-Beschränkungen ausgeweitet würde. Zugleich wurde jedoch vor belasteten Beziehungen zu Saudi-Arabien und einem möglichen Preiskampf auf dem Ölmarkt gewarnt.

In ihrer offiziellen Erklärung betonen die Emirate ihre nationalen Interessen und das Ziel, stärker auf die dringenden Bedürfnisse des Marktes einzugehen. Außerdem verweisen sie auf die Störungen in der Straße von Hormus, die durch den Iran-Krieg ausgelöst wurden. Der Chef des staatlichen Ölkonzerns ADNOC, Sultan Al Dschaber, bezeichnete den Austritt als souveräne Entscheidung, die zur langfristigen Energiestrategie des Landes und zu dessen tatsächlicher Förderleistung passe.

Wie reagierten die Märkte, und was heißt das für den Ölpreis?

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung gaben die Ölpreise zunächst einen Teil ihrer vorherigen Gewinne ab. Diese Reaktion hielt jedoch nicht lange an. Am Ende überwogen die Sorgen über die stockenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie die fehlende Aussicht auf eine schnelle Entspannung beim Angebot. Deshalb legten die Preise später wieder zu.

David Oxley von Capital Economics erklärte, der Austritt werde kurzfristig keine direkten Folgen für den globalen Energiemarkt haben. Er sieht darin aber ein Zeichen dafür, dass das weltweite Angebot künftig größer ausfallen könnte als bislang erwartet – insbesondere dann, wenn die Straße von Hormus wieder offen und der Transport normalisiert ist.

Auch Commerzbank-Expertin Nguyen rechnet auf mittlere bis längere Sicht mit einer Ausweitung des Angebots. Dadurch könnten sich die kriegsbedingt gestiegenen Ölpreise weltweit wieder normalisieren. Ihrer Einschätzung nach würde sich damit der Ausblick für den Ölmarkt mittelfristig entspannen. Sie verwies außerdem darauf, dass die Emirate schon vor dem Krieg über erhebliche ungenutzte Förderreserven verfügten.

Welche Rolle spielt Saudi-Arabien?

Saudi-Arabien ist wegen seiner enormen Fördermöglichkeiten und seiner gewaltigen Ölreserven die dominierende Kraft innerhalb der Opec. Rund 17 Prozent der weltweit nachgewiesenen Ölreserven liegen im Königreich. Mit der Opec+ hat Riad seinen Einfluss zusätzlich ausgebaut, da dort auch andere große Produzenten wie Russland eingebunden sind.

Mit dem Austritt wenden sich die Emirate nicht nur von der Opec als Organisation ab, sondern auch vom Führungsanspruch Saudi-Arabiens. Die beiden Golfstaaten galten lange als enge Partner, treten inzwischen jedoch immer stärker als Konkurrenten auf.

Diese Rivalität zeigt sich nicht nur in der Energiepolitik, sondern auch geopolitisch und wirtschaftlich. Im Jemen und im Sudan unterstützen beide unterschiedliche Lager, und auch gegenüber Israel verfolgen sie teils verschiedene Linien. Gleichzeitig konkurrieren sie um Investitionen, Handel und Tourismus.

Für Saudi-Arabien wird es nun schwieriger, die Opec zusammenzuhalten. Beobachter sprechen bereits von einem möglichen Wendepunkt für das Kartell. Das israelische Portal ynet schrieb sogar, die Emirate hätten die Opec "zerbrochen".

Wie fällt die Reaktion der USA aus?

Für die Vereinigten Staaten ist die Entwicklung ambivalent. Einerseits verliert die Opec als mächtiges Förderkartell an Einfluss. Sollte dadurch tatsächlich mehr Öl auf den Weltmarkt kommen, könnten in den USA auch die Benzinpreise sinken. Das wäre politisch günstig für Präsident Donald Trump, insbesondere mit Blick auf die anstehenden Kongresswahlen.

Andererseits bleibt offen, ob die Straße von Hormus bis Anfang November wirklich dauerhaft für den Schiffsverkehr offen bleibt. Außerdem muss Washington darauf achten, dass die Ölpreise nicht zu stark fallen. Denn sinken sie unter ein bestimmtes Niveau, wird die Förderung in den USA wirtschaftlich unattraktiv.

Fazit

Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus Opec und Opec+ markiert einen bedeutenden Einschnitt für den Ölmarkt. Kurzfristig dürften die Auswirkungen begrenzt bleiben. Mittel- und langfristig könnte die Entscheidung jedoch zu mehr Angebot, sinkendem Preisdruck und einer weiteren Schwächung des von Saudi-Arabien dominierten Kartells führen. Gleichzeitig verschärft der Schritt die politischen und wirtschaftlichen Spannungen innerhalb der Golfregion.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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