Usyk kündigt Verzicht auf Schwergewichts-Titel an – neue Hoffnung für Agit Kabayel
Der ukrainische Boxstar Oleksandr Usyk will nach eigenen Angaben alle seine Titel im Schwergewicht niederlegen. Damit könnte sich für den deutschen Schwergewichtsboxer Agit Kabayel doch noch eine große Chance auf einen WM-Kampf oder sogar auf den Titel eröffnen.
Auf Instagram erklärte Usyk, er werde sämtliche Gürtel abgeben, damit andere Boxer, die schon länger auf ihre Gelegenheit warten, um diese Titel kämpfen können. Zugleich machte der 39-Jährige deutlich, dass dies nicht das Ende seiner Karriere sei. Er sprach von einem „last dance“ und sagte, der Verzicht sei gut überlegt und eröffne ihm neue Möglichkeiten. Konkrete Details nannte er nicht.
Kabayel hofft weiter auf Titelchance
Kabayel hatte zuletzt auf einen Kampf um den WBC-Titel gegen Usyk gedrängt. Sollte der Ukrainer dort tatsächlich nicht mehr antreten, könnte der in Bochum geborene Schwergewichtler vom Verband sogar zum Weltmeister ernannt werden.
Eine offizielle Klarstellung des WBC stand zunächst allerdings noch aus. Der Verband ließ Anfragen zu dem Thema laut Bericht bislang unbeantwortet. Kabayel sagte dem Sender ntv: „Wir haben noch keine Klarstellung vom WBC, aber ich denke, dass sie sehr professionell sein werden. Ich mache mir keine Sorgen.“
In den vergangenen Monaten hatte Kabayel Usyk mehrfach öffentlich herausgefordert. Zuletzt wandte er sich in einem Video direkt an den Titelträger. Darin betonte er, dass sowohl der WBC als auch die Fans diesen Kampf sehen wollten und erinnerte daran, dass Usyk im Ring bereits zugestimmt habe. Zu dem Video schrieb der Bochumer sinngemäß: Der WBC wolle diesen Kampf sehen, die Fans ebenfalls – und Usyk habe im Ring schon zugestimmt.
„Vom Jäger zum Gejagten“
Mit Blick auf Usyks Ankündigung sagte Kabayel nun zudem zu ntv, ein Titelkampf gegen den Ukrainer wäre natürlich reizvoll gewesen. Gleichzeitig äußerte er Verständnis dafür, dass Usyk mit 39 Jahren womöglich nicht mehr dieselbe sportliche Herausforderung suche. Es sei nicht leicht, „vom Jäger zum Gejagten“ zu werden. Vielleicht wolle Usyk in seinem Alter nicht mehr permanent gejagt werden und habe diesen Spirit nicht mehr, so Kabayel.
Der 34-jährige Kabayel gilt seit geraumer Zeit als eine der größten deutschen Hoffnungen im Profiboxen. Aktuell besitzt er den WBC-Interimstitel, den er im Januar in Oberhausen erfolgreich gegen den Polen Damian Knyba verteidigte. Sollte er in einem möglichen Titelduell gegen Usyk gewinnen, wäre er der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling im Jahr 1932.
Usyk bleibt als Profi ohne Niederlage
Usyk ist seit 2013 Profi und holte 2016 seine erste Weltmeisterschaft, damals noch im Cruisergewicht. Später stieg er ins Schwergewicht auf und wurde auch dort Champion. Dabei vereinte er Gürtel mehrerer großer Verbände. Bereits im November 2025 hatte er den Titel der WBO abgegeben.
Der Ukrainer ist in seiner gesamten Profikarriere ungeschlagen und wird von vielen als derzeit bester Schwergewichtsboxer der Welt angesehen.
Auch politisch immer wieder im Fokus
Neben dem Sport sorgt Usyk auch mit politischen Auftritten für Aufmerksamkeit. Zuletzt war er bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus zu sehen. In der Ukraine gilt wegen der russischen Invasion weiterhin das Kriegsrecht, weshalb Präsidentschaftswahlen derzeit ausgesetzt sind. Aus Kiew waren zuletzt wiederholt Forderungen nach Wahlen zu hören.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber