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Trotz USA-Sieg: Antonelli muss auf WM-Coup warten

Antonelli siegt auch in Austin – und trotzdem platzt die WM-Party noch. Warum es für den Mercedes-Star bald reichen könnte.

25.10.2026, 22:40 Uhr

Antonelli verpasst vorzeitigen WM-Titel trotz Machtdemonstration in Austin

Kimi Antonelli hat beim Großen Preis der USA zwar eindrucksvoll gewonnen, die vorzeitige Krönung zum Formel-1-Weltmeister aber noch verpasst. Der Mercedes-Pilot setzte sich in Austin von der Pole Position aus souverän durch und feierte bereits seinen neunten Saisonsieg. Hinter dem Italiener landeten Charles Leclerc im Ferrari und Max Verstappen im Red Bull.

Nach der Zieldurchfahrt war Antonelli die Erleichterung und Freude deutlich anzusehen. Über Funk jubelte er lautstark, beim Aussteigen ballte er mehrfach die Fäuste und sprang sogar über die Absperrung zu seiner Mannschaft. Der 20-Jährige sagte anschließend: „Wir sind knapp davor, hoffentlich können wir es bald klarmachen.“

Entscheidung im Titelrennen auf Mexiko vertagt

Dass Antonelli in Austin noch nicht als Champion feststeht, lag vor allem an seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell. Der Brite wurde trotz einer Fünf-Sekunden-Strafe noch Achter und hielt sich damit im Titelrennen. Für eine vorzeitige Entscheidung zugunsten Antonellis hätte Russell maximal Neunter werden dürfen. Auch Lewis Hamilton spielte eine Rolle: Der Rekordweltmeister kam im Ferrari als Vierter ins Ziel, für Antonellis vorzeitigen Titel hätte Hamilton höchstens Fünfter werden dürfen.

Trotzdem ist die Ausgangslage für den jungen Mercedes-Fahrer glänzend. In der Fahrerwertung kommt Antonelli nun auf 365 Punkte und liegt damit 123 Zähler vor Russell. Schon Rang neun beim nächsten Grand Prix in Mexiko-Stadt würde reichen, um sich vorzeitig seinen ersten WM-Titel zu sichern.

Jüngster Weltmeister der Geschichte möglich

Sollte Antonelli in Mexiko alles klarmachen, würde er Formel-1-Geschichte schreiben. Mit 20 Jahren und 68 Tagen wäre er der jüngste Weltmeister aller Zeiten und würde Sebastian Vettel ablösen, der 2010 bei seinem ersten Titel 23 Jahre alt war.

In Mexiko könnte Antonelli den Triumph dann auch mit Schampus feiern – anders als in Austin, wo ihm das altersbedingt nicht möglich gewesen wäre. Für Italien wäre es ohnehin ein besonderer Moment: Seit Alberto Ascari 1953 wartet das Land auf einen neuen Formel-1-Weltmeister.

Wolff schwärmt: „Was für ein Junge“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sparte nach dem Rennen nicht mit Lob. „Was für ein Junge“, sagte der Österreicher. „Es ist unglaublich. Er hat es total kontrolliert.“ Schon vor dem Start hatte Wolff eine vorzeitige Entscheidung in Austin eher nicht erwartet und erklärt, das sei „eigentlich unrealistisch“.

Antonelli, der erst in der vergangenen Saison in die Formel 1 aufgestiegen war, gilt längst als Ausnahmetalent. Nach einem schwierigen ersten Jahr entwickelte er sich schnell weiter. Wolff verglich ihn in dieser Saison sogar einmal mit einem KI-Agenten.

Starker Start trotz Reifen-Nachteil

Vor dem Start wirkte Antonelli noch angespannt. Als kurz vor dem Erlöschen der roten Ampeln die US-Hymne auf dem Circuit of The Americas lief, blickte der WM-Führende kurz zu Boden. Auf der Strecke zeigte er dann aber sofort Nervenstärke.

Obwohl Verstappen, Leclerc und Hamilton auf den eigentlich schnelleren weichen Reifen unterwegs waren, behauptete Antonelli mit der mittleren Mischung die Führung. In der ersten Bergauf-Passage setzte er sich direkt ab und entkam auch den Gefahren in der engen ersten Kurve. Dahinter lieferte sich Leclerc zunächst ein spektakuläres Duell mit Verstappen, der aber umgehend konterte.

An der Spitze kontrollierte Antonelli das Rennen früh. Verstappen hielt er zunächst rund zwei Sekunden auf Distanz. Zu diesem Zeitpunkt sah es im Titelrennen allerdings noch nicht nach einer Entscheidung aus, weil Hamilton Vierter und Russell Sechster war.

Russells Strafe bringt kurzzeitig Spannung

Russell bekam im Verlauf des Rennens eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er sich nach Ansicht der Rennkommissare in der ersten Runde durch das Verlassen der Strecke einen unerlaubten Vorteil verschafft hatte. Danach schien die Titelentscheidung zwischenzeitlich tatsächlich näherzurücken.

Nach Russells Boxenstopp samt abgesessener Strafe fiel der Brite zunächst auf Rang zehn zurück. Hamilton lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz fünf, Antonelli führte das Rennen – in diesem Moment wäre der Mercedes-Pilot Weltmeister gewesen.

Reifenstrategie als Schlüsselfaktor

Im weiteren Verlauf wurde die Reifenwahl entscheidend. Verstappen kam als erster aus der Spitzengruppe an die Box und ließ sich erneut die weiche Mischung aufziehen – damit war klar, dass er später noch einmal stoppen musste. Leclerc und Hamilton wechselten von weich auf mittel.

Antonelli blieb dagegen lange draußen und zog sein Programm konsequent durch. Auch Russell wartete zunächst noch, ehe er seine Strafe beim Stopp absitzen musste. Als Antonelli schließlich an die Box kam, erhielt er die harte Mischung und reihte sich zunächst auf Rang drei wieder ein.

Lange blieb er dort allerdings nicht. Weil Verstappen ein zweites Mal stoppen musste und zudem über Funk über sein Auto klagte – „Ich habe ein Problem mit dem Auto, es ist unfahrbar“ –, rückte Antonelli wieder nach vorn. Auch Leclerc ließ der Mercedes-Fahrer hinter sich und übernahm erneut die Spitze.

Souveräner Sieg mit großem Vorsprung

Die entscheidende Frage lautete danach, ob die harten Reifen bis ins Ziel halten würden. Ein weiterer Stopp hätte den Sieg wohl gekostet. Doch Antonelli brachte den Mercedes fehlerfrei ins Ziel und gewann am Ende mit mehr als 13 Sekunden Vorsprung.

Mit diesem Erfolg legte er den Grundstein dafür, schon am kommenden Wochenende in Mexiko-Stadt Weltmeister zu werden. Dort reicht ihm Platz neun, um den Titel perfekt zu machen.

Hülkenberg erneut ohne Punkte

Aus deutscher Sicht verlief das Rennen weniger erfolgreich. Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter die Punkteränge.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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