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Sprint-Drama! Merlier holt Etappe 12 – Pogacar in Gelb

Nächster Sprint-Krimi vor den Vogesen: Tim Merlier schnappt sich wieder den Sieg – und Deutschlands Hoffnung platzt erneut.

16.07.2026, 17:30 Uhr

Merlier holt dritten Tagessieg bei der Tour

Tim Merlier hat die 12. Etappe der Tour de France gewonnen und bei der womöglich letzten echten Sprintchance seinen dritten Tagessieg gefeiert. Der 33 Jahre alte Belgier setzte sich nach 179,1 Kilometern von der Rennstrecke in Magny-Cours bis nach Chalon-sur-Saône im Sprint einer kleinen, vom Sturz unbeeinträchtigten Spitzengruppe vor dem Niederländer Olav Kooij und seinem Landsmann Jasper Philipsen durch.

Damit untermauerte Merlier einmal mehr seinen Status als bester Sprinter dieser Tour. Für den Belgier war es bereits der zehnte Etappensieg bei einer der drei großen Landesrundfahrten – und das erst bei seinem sechsten Start bei Tour, Giro oder Vuelta. Der Europameister von 2024 gilt damit endgültig als Sprintkönig dieser Frankreich-Rundfahrt.

Finale von schwerem Massensturz überschattet

Das Finale wurde von einem heftigen Massencrash bei hohem Tempo überschattet. Ausgelöst wurde der Sturz nach Angaben aus dem Feld vom Kolumbianer Fernando Gaviria, mehr als ein Dutzend Fahrer ging bei hoher Geschwindigkeit zu Boden. Nur eine kleine Gruppe vor dem Unfall blieb unbehelligt und machte den Tagessieg unter sich aus.

Pascal Ackermann kam glimpflich davon, stand nach dem Ziel aber noch unter dem Eindruck der Szenen. „Der Sturz war direkt neben mir. Ich zittere jetzt noch. Ich bin gerade noch so durchgekommen“, sagte der frühere deutsche Meister. Ackermann, der als 15. ins Ziel kam, schilderte weiter: „Es war ziemlich knapp. Ich habe mich schon bereitgemacht, den Lenker richtig festgehalten, falls ich springen muss. Aber sie sind gerade so in die andere Richtung geflogen.“

Deutsche Sprinter weiter ohne Top-Ergebnis

Die deutschen Sprinter spielten bei der fünften Massenankunft erneut keine entscheidende Rolle. Max Kanter belegte als bester Deutscher Rang sieben, Ackermann wurde 15. Kanter hatte im Finale ebenfalls Glück und blieb vom Sturz verschont. „Es war knapp hinter mir. Von rechts kam eine Welle und dann haben sie sich irgendwo aufgehangen“, sagte der Cottbuser.

Für eine absolute Spitzenplatzierung reichte es dennoch nicht. „Wir waren vielleicht einen Tick zu früh, aber lieber zu früh als zu spät. Es war eigentlich okay. Ich verliere viele Positionen, der Weg war für mich zu lang“, erklärte Kanter in der ARD.

Ein deutscher Etappensieg bei der Tour lässt damit weiter auf sich warten. Zuletzt hatte Nils Politt 2021 in Nîmes gewonnen – das liegt inzwischen 1.834 Tage zurück.

Pogacar verteidigt Gelbes Trikot

An der Spitze der Gesamtwertung gab es keine Veränderungen. Tadej Pogacar liegt weiterhin klar vorn und hat mehr als drei Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard. Florian Lipowitz bleibt als bester deutscher Hoffnungsträger auf Platz sechs, sein Rückstand beträgt 4:44 Minuten.

Merlier als Maßstab im Feld

Merlier präsentierte sich erneut als Maßstab im Feld – unabhängig davon, ob mit perfektem Anfahrerzug oder aus unübersichtlichen Finalsituationen heraus. „Er ist der Schnellste der Welt“, schwärmte sein Anfahrer Jasper Stuyven. Sportdirektor Tom Steels lobte vor allem die Ruhe des Belgiers: „Er ist eiskalt und verfällt nie in Panik.“

Start in Magny-Cours, Ausreißer ohne Chance

Der Start erfolgte auf der Rennstrecke von Magny-Cours, auf der einst Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher achtmal gewann. Rund 25 Kilometer nach dem Start setzte sich eine vierköpfige Spitzengruppe um den aktiven Ausreißer Baptiste Veistroffer ab. Etwa 35 Kilometer vor dem Ziel wurde die Gruppe wieder gestellt, weitere Attacken blieben ebenfalls erfolglos.

Nach dem Rekordtempo des Vortags mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,91 km/h ging es diesmal etwas ruhiger zu, auch weil zwischenzeitlicher Regen die Bedingungen erschwerte.

Lipowitz mit lockerem Moment unterwegs

Florian Lipowitz sorgte unterwegs noch für einen unterhaltsamen Moment. Der 25-Jährige zielte mit einer Trinkflasche auf eine Zielscheibe am Straßenrand, verfehlte jedoch und kommentierte im TV trocken: „Das ist der Grund, warum ich mit Biathlon aufgehört habe.“ Lipowitz hatte seine Karriere einst als Biathlet begonnen und gehörte auch dem Nationalkader an, bevor er über viele Radkilometer im Training zum Radsport fand.

Nächste Etappe führt in die Vogesen

Am Freitag steht die Fahrt in die Vogesen an. Die 13. Etappe führt über 205,8 Kilometer von Dole nach Belfort. Rund 25 Kilometer vor dem Ziel wartet mit dem Ballon d’Alsace ein Anstieg der ersten Kategorie.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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