Kevric feiert EM-Gold nach starkem Comeback
Helen Kevric ist eindrucksvoll auf die internationale Turnbühne zurückgekehrt. Rund 15 Monate nach ihrer schweren Knieverletzung bei der Heim-EM in Leipzig sicherte sich die 18-Jährige aus Stuttgart bei den Europameisterschaften in Zagreb den Titel am Stufenbarren – und damit den bislang größten Erfolg ihrer Karriere.
Für ihre fehlerfreie Übung an ihrem Paradegerät erhielt die deutsche Meisterin 14,500 Punkte. Damit gewann sie als erste deutsche Turnerin seit Elisabeth Seitz 2022 in München wieder EM-Gold am Stufenbarren. Hinter Kevric belegte die Italienerin Elisa Iorio mit 14,333 Punkten Rang zwei, Bronze ging an ihre Landsfrau Giulia Perotti mit 14,233 Zählern.
Nach ihrem Triumph zeigte sich Kevric emotional. Sie sei vor allem dankbar, wieder auf diesem Niveau turnen und ihre Leistung erneut abrufen zu können, sagte die 18-Jährige. Auf dem Siegerpodest sang sie stolz die Hymne mit, anschließend lief sie mit Goldmedaille um den Hals durch die Arena Zagreb.
Erst vor kurzem hatte Kevric bei den deutschen Meisterschaften in Hannover ihr Comeback bei einem Titelkampf gegeben. Nun glänzte ihre erste EM-Einzelmedaille sofort in Gold.
Für einen weiteren deutschen Podestplatz sorgte zuvor bereits Karina Schönmaier. Die 21 Jahre alte Chemnitzerin gewann Silber am Sprung. Mit durchschnittlich 14,066 Punkten für ihre zwei Sprünge musste sich die Titelverteidigerin nur Mehrkampf-Europameisterin Angelina Melnikowa aus Russland geschlagen geben, die 14,166 Punkte erreichte.
Schönmaier hatte im vergangenen Jahr bei der Heim-EM in Leipzig Gold am Sprung gewonnen. Diesmal zeigte sie sich dennoch sehr zufrieden und betonte, sie habe das Beste herausgeholt.
Bitter verlief der Wettkampf dagegen für Pauline Schäfer-Betz. Die 29-Jährige verpasste am Balken ihre erste EM-Einzelmedaille knapp, weil ihre Übung um zwei Sekunden zu lang war. Am Ende fehlten lediglich 0,067 Punkte zu Bronze.
Bundestrainer Gerben Wiersma zog nach den Gerätefinals dennoch ein positives Fazit. Er sprach von einer starken Leistung und bezeichnete sich als stolzen Cheftrainer. Einziger Wermutstropfen sei die knapp verpasste Balken-Medaille gewesen.
Schon kurz nach der Siegerehrung richteten Kevric und Schönmaier den Blick auf die nächste Aufgabe: das Mannschafts-Finale am Sonntag. Kevric zeigte sich überzeugt, dass das deutsche Team erneut eine starke Leistung abliefern kann. Auch Schönmaier betonte, wie besonders der gemeinsame Auftritt mit der Mannschaft sei. Im vergangenen Jahr hatte die DTB-Riege EM-Silber gewonnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber