Nürnberg dreht Derby in Fürth und springt an die Spitze
Die Spieler des 1. FC Nürnberg feierten ihren Derby-Erfolg noch lange vor dem Gästeblock. Eingehüllt in roten Pyro-Rauch sangen die Fans immer wieder begeistert: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey!“
Mit einem 4:2 (2:2) nach Aufholjagd beim fränkischen Rivalen Greuther Fürth sicherte sich der FCN nicht nur den Sieg im Prestigeduell, sondern übernahm vorerst auch die Tabellenführung in der 2. Bundesliga.
„Ein großes Lob an meine Mannschaft“, sagte Trainer Miroslav Klose. „Hier zweimal zurückzukommen, zeigt Charakter und Zusammenhalt. Genau das hat das Team auf dem Platz gezeigt.“
Erfolgreichster Start seit Jahren
Zwei Siege aus den ersten beiden Ligaspielen – das war Nürnberg zuletzt in der Saison 2017/18 gelungen. In einem intensiven und abwechslungsreichen Derby waren vor allem die Doppeltorschützen Piet Scobel (26./74.) und Julian Justvan (45.+3/54.) sowie Torhüter Jan Reichert mit einem gehaltenen Elfmeter die entscheidenden Figuren.
Justvan sagte nach dem Spiel: „Die Energie in der Mannschaft und die Qualität, die wir aktuell auf den Platz bringen, sind enorm wertvoll.“
Bei Fürth überwog dagegen der Frust. Trotz zweier Führungen durch Kapitän Felix Klaus (22./Handelfmeter/41.) standen die Gastgeber am Ende mit leeren Händen da. Besonders bitter: Klaus scheiterte in der 63. Minute mit einem weiteren Strafstoß an Reichert und verpasste damit den möglichen Ausgleich. „Ein Sieg wäre heute drin gewesen, deshalb bin ich sehr enttäuscht“, meinte er.
Fürth gibt das Spiel aus der Hand
Die 16.126 Zuschauer im ausverkauften Ronhof bekamen früh einiges geboten. Fürth begann druckvoll und ging durch Klaus per Elfmeter in Führung, nachdem Nürnbergs Tim Janisch den Ball unglücklich mit der Hand gespielt hatte.
Die Antwort des FCN ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Scobel traf kurz darauf per Kopf aus kurzer Distanz zum 1:1.
Wenig später hätte derselbe Spieler fast nachgelegt, traf nach schöner Freispielung aber nur die Latte (32.). Auf der anderen Seite bereitete Dennis Srbeny das 2:1 für Fürth stark vor, als er Klaus trotz großer Bedrängnis mustergültig in Szene setzte. Der Kleeblatt-Kapitän vollendete sicher.
Kurz vor der Pause verpasste Klaus sogar das 3:1, als er aus kurzer Entfernung an Reichert hängenblieb (44.). Das rächte sich direkt: In der Nachspielzeit traf Justvan nach Vorlage von Scobel zum erneuten Nürnberger Ausgleich.
Vogel ärgert sich über Abwehrverhalten
Nach dem Seitenwechsel übernahm Nürnberg zunächst klar die Kontrolle. Justvan brachte die Gäste dann mit einem Distanzschuss erstmals in Führung. Vor dem Treffer ließ die Fürther Defensive ihn jedoch nahezu ungestört abschließen.
Trainer Heiko Vogel fand dafür deutliche Worte: „Das war teilweise Verweigerung.“
Die Chance zur Wiedergutmachung bot sich Fürth in der 63. Minute, als es nach einem Foul von Eric Porstner an Shinta Appelkamp erneut Elfmeter gab. Doch diesmal bewies Reichert seine Klasse und parierte gegen Klaus. Den Schlusspunkt setzte schließlich wieder Scobel mit dem 4:2.
Zoma diesmal nicht im Mittelpunkt
Vor dem 277. Frankenderby hatte vor allem Nürnbergs Angreifer Mohamed Ali Zoma im Fokus gestanden. Nach seinem Dreierpack beim 3:0 zum Saisonauftakt gegen Dresden waren viele Augen auf ihn gerichtet, zumal der Stürmer bei ausländischen Clubs auf Interesse stößt und den Verein noch verlassen könnte.
Im Derby standen jedoch andere im Rampenlicht: Justvan und Scobel prägten mit ihren jeweils zwei Treffern den Nürnberger Auswärtssieg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber