Bier und Stadionessen bei der WM: Fans zahlen teils extreme Preise
In Deutschland ist ein Kasten Premiumbier rund um große Fußballturniere mitunter schon für etwa zehn Euro zu haben. Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko sieht das ganz anders aus: Dort kostet ein einzelnes Stadionbier oft mehr als eine ganze Bierkiste hierzulande. Für viele Fans gehören Fußball und Bier zwar zusammen – bei diesem Turnier wird das allerdings schnell sehr teuer.
Mehrere Medien haben die Preisgestaltung bereits kritisiert. Das österreichische Portal heute.at schrieb von „absurden Preisen im WM-Stadion“ und riet Reisenden, Hunger und Durst besser schon vor dem Einlass zu stillen. Auch in Australien wurde die Empörung aufgegriffen: news.com.au berichtete über verärgerte Fußballfans angesichts der hohen Kosten.
Pommes für 17 Euro
Die WM belastet das Budget vieler Anhänger ohnehin schon stark – durch teure Tickets, Flüge und Hotels, nicht zuletzt wegen des Drei-Länder-Formats mit 104 Partien. Im Stadion selbst geht das Geldausgeben dann weiter.
In Santa Clara nahe San Francisco wurden für ein importiertes Bier bis zu 23 US-Dollar verlangt, also rund 19,80 Euro – und das für weniger als einen halben Liter. Einheimisches Bier gleicher Größe kostet dort 21 Dollar, umgerechnet etwa 18,10 Euro.
Im Finalstadion in East Rutherford bei New York ist Bier etwas günstiger, aber noch immer teuer: Rund 13,80 Euro für einheimisches und 14,65 Euro für importiertes Bier. Im kalifornischen Inglewood, wo die USA mit einem 4:1 gegen Panama ins Turnier starteten, liegen die Preise bei etwa 16 bis 17 Euro. Dort gibt es immerhin knapp 0,6 Liter statt nur 0,47 Liter wie in Santa Clara oder East Rutherford.
Die teils ungewöhnlichen Literangaben ergeben sich daraus, dass vielerorts in Flüssigunzen gerechnet wird. Die britische Sun spottete, amerikanische Fans könnten diese Preise wohl eher verkraften als eine Niederlage ihrer Nationalmannschaft. Neben Bier sorgen auch Snacks für Kopfschütteln: Chips kosten umgerechnet etwa 6,50 Euro, Pommes in Philadelphia sogar mehr als 17 Euro.
Viele US-Fans kennen solche Arena-Preise bereits
Das US-Sportportal The Athletic wies darauf hin, dass viele amerikanische Fans an hohe Preise in Stadien und Arenen längst gewöhnt seien und die internationale Aufregung deshalb nicht ganz nachvollziehen könnten. Doch selbst dort wurde ein Wasserpreis von umgerechnet mehr als sieben Euro im WM-Stadion von Dallas als „lächerlich“ bezeichnet.
Einheitliche Preise gibt es in den elf US-Spielorten nicht. Vergleichsweise moderat ist das Angebot in Atlanta. Dort bestand Stadionbesitzer Arthur Blank darauf, dass die bisherigen Preise auch während der WM beibehalten werden. Ein knapp ein Liter großes Mineralwasser kostet dort weniger als 3,50 Euro, knapp 0,6 Liter amerikanisches Bier rund 7,70 Euro.
Blank sagte The Athletic, in seinem Stadion habe es nie überzogene Preise gegeben. Die Besucher sollten sich dort wie zu Hause fühlen – sicher und geborgen, willkommen, geliebt und respektiert. Das gelte bei einer Weltmeisterschaft genauso wie bei einem Super Bowl.
In Mexiko kostet ein Bier fast so viel wie ein Tagesmindestlohn
Auch in Mexiko sind die Preise deutlich gestiegen. Das hielt die Fans beim 2:0-Auftaktsieg gegen Südafrika im Aztekenstadion allerdings nicht vom Konsum ab. Rund um die Arena stapelten sich nach dem Spiel die Plastikbecher des offiziellen WM-Biers, für das Superstar Lionel Messi auf großen Leinwänden als Markenbotschafter wirbt.
Fan Martín Gómez aus Mexiko-Stadt sagte der Zeitung El Financiero, 310 Pesos für ein Bier – umgerechnet etwa 15,50 Euro – seien extrem teuer. Selbst bei der Formel 1, die in einigen Monaten wieder in Mexiko-Stadt gastiert, sei das Getränk nicht so kostspielig. Getrunken habe man es trotzdem, sagte er.
Besonders auffällig: Der gesetzliche Mindestlohn pro Tag in Mexiko liegt seit dem 1. Januar bei 315,04 Pesos, also etwa 15,80 Euro. Zuvor waren es 278,80 Pesos, also knapp 14 Euro. Damit lag der Preis für ein Bier bei einem WM-Spiel im Aztekenstadion zeitweise fast auf Höhe eines kompletten Tagesmindestlohns – und früher sogar darüber.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber