Curaçao überrascht gegen Ecuador – Deutschland vorzeitig Gruppensieger
Curaçao hat mit einem unerwarteten Punktgewinn gegen Ecuador Deutschlands vorzeitigen Gruppensieg bei der WM perfekt gemacht. Das Team von Trainer-Routinier Dick Advocaat erkämpfte sich in Kansas City ein 0:0 und sorgte damit dafür, dass die Auswahl des DFB in Gruppe E nicht mehr von Rang eins verdrängt werden kann. Großen Anteil daran hatte Torhüter Eloy Room, der vor 68.598 Zuschauern mit einer historischen Vorstellung glänzte.
Die deutsche Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte zuvor die Elfenbeinküste mit 2:1 besiegt. Matchwinner war dabei Deniz Undav, der als Joker zweimal traf. Nach dem klaren 7:1 zum Auftakt gegen Curaçao war es bereits der zweite Sieg im Turnier. Ecuador wiederum war zum Start gegen die Elfenbeinküste unglücklich in letzter Minute mit 0:1 unterlegen.
Advocaats Taktik geht auf
Nach der deutlichen Niederlage gegen Deutschland hatte Dick Advocaat eine Reaktion seiner Mannschaft angekündigt. Der 78-Jährige, ältester Trainer des Turniers, hatte betont, dass Ecuador zwar individuell stärker sei, seine Elf dem Favoriten das Leben aber trotzdem schwer machen wolle. Ziel sei es, die Partie möglichst lange offen zu halten.
Genau das setzte Curaçao stark um. Das bislang kleinste Land, das jemals bei einer Fußball-WM vertreten war, präsentierte sich deutlich stabiler als im ersten Spiel. Advocaat stellte seine Mannschaft defensiver ein und ließ in einem 5-3-2-System spielen, das den Karibik-Kickern merklich mehr Sicherheit verlieh.
Ecuador nutzt seine Möglichkeiten nicht
Wie erwartet hatte Ecuador über weite Strecken mehr Ballbesitz und kam früh zu Chancen. Enner Valencia, Pedro Vite und der frühere Bundesliga-Spieler John Yeboah vergaben jedoch gute Möglichkeiten. Insgesamt tat sich der südamerikanische Favorit schwer, seiner Rolle gerecht zu werden.
Trainer Sebastián Beccacece hatte vor dem Spiel zwar davor gewarnt, Curaçao zu unterschätzen. Dennoch war seiner Mannschaft der Druck nach der bitteren Auftaktniederlage gegen die Elfenbeinküste deutlich anzumerken.
Room hält Curaçao im Spiel – und stellt einen Rekord auf
Auch nach der Pause fand Ecuador keinen Weg zum Tor. Die Südamerikaner rannten weiter an, während Curaçao mit großem Einsatz verteidigte. Mehr als 20.000 ecuadorianische Fans im Stadion mussten mit ansehen, wie Gonzalo Plata per Kopf eine weitere große Gelegenheit ungenutzt ließ.
Auf der anderen Seite bot sich Curaçao sogar plötzlich die Chance zur Führung. In einer turbulenten Szene hatte der Außenseiter gleich mehrfach die Möglichkeit zum 1:0, doch unter anderem Ex-Bochumer Jürgen Locadia konnte daraus kein Kapital schlagen.
Im weiteren Verlauf ließen bei Curaçao zwar die Kräfte nach, doch das Team stemmte sich weiter mit aller Entschlossenheit gegen die Angriffe des Favoriten. Vor allem Eloy Room war es zu verdanken, dass das torlose Remis Bestand hatte. Selbst als Ecuador in der Schlussphase eine Chance nach der anderen herausspielte, blieb der überragende Keeper nicht zu bezwingen.
Der 37-Jährige vom US-Zweitligisten Miami FC zeigte nach eigener Einschätzung das beste Spiel seiner Karriere. Mit 15 Paraden stellte Room einen WM-Rekord für Partien über 90 Minuten auf. Nur der frühere US-Nationaltorwart Tim Howard wehrte bei der WM 2014 in einem Spiel insgesamt noch mehr Schüsse ab, damals allerdings in einer Partie mit Verlängerung.
Schon in der dritten Minute brachte Room Ecuadors Torjäger Valencia mit einer ersten starken Parade zur Verzweiflung. Dieser frühe Reflex gab ihm und seinem Team sichtbar Sicherheit. Danach steigerte sich der Keeper immer weiter und wuchs mit jeder Aktion über sich hinaus.
Historischer Punkt und ausgelassene Feier mit dem Königspaar
Für Curaçao war das 0:0 der erste WM-Punkt der Verbandsgeschichte – entsprechend emotional fiel die Reaktion aus. Zunächst feierten die Spieler ausgelassen mit ihren Fans im Stadion, später ging die Party in der Kabine weiter. Dort bekam die Mannschaft sogar Besuch vom niederländischen König Willem-Alexander und Königin Máxima.
Das Königspaar war nach dem 5:1 der Niederlande gegen Schweden in Houston noch nach Kansas City weitergereist. Als König der Niederlande ist Willem-Alexander zugleich Staatsoberhaupt aller Länder des Königreichs, zu dem auch Curaçao gehört.
Room schilderte die Szenen danach sichtlich euphorisiert und sorgte mit einer Anekdote für Lacher. Im Überschwang sagte er zunächst, Königin Máxima habe ihn geküsst, worauf ihn Advocaat lachend korrigierte: Tatsächlich habe er ihr ein Küsschen gegeben. Room nahm es mit Humor und grinste, hoffentlich sei seine Frau nicht vor Ort.
Auch Advocaat zeigte sich bewegt vom besonderen Besuch. Der Trainer-Veteran schwärmte davon, wie herzlich das Königspaar in der Kabine mitgefeiert, gelächelt und sogar getanzt habe.
Room wird auf Curaçao zum Nationalhelden
Auf der kleinen Karibik-Insel mit etwas mehr als 150.000 Einwohnern löste der historische Punktgewinn Begeisterung aus. In der Hauptstadt Willemstad tanzten die Menschen auf den Straßen. Auch in den sozialen Netzwerken wurde Room über Nacht zum gefeierten Nationalhelden: Seine Zahl an Instagram-Followern schnellte während und nach dem Spiel massiv nach oben.
Der Torwart hatte sich bereits vor elf Jahren entschieden, nicht für die Niederlande, sondern für Curaçao zu spielen. Diese Entscheidung belohnt ihn nun mit einem besonderen Kapitel Fußballgeschichte. Schon nach dem 1:7 gegen Deutschland erfüllte sich für Room ein kleiner Traum, als er sich das Trikot von Manuel Neuer sicherte. Zuvor hatte er bereits eines von Lionel Messi getauscht.
Chance auf das Achtelfinale lebt weiter
Mit dem Remis gegen Ecuador hat Curaçao nicht nur Geschichte geschrieben, sondern sich auch eine kleine sportliche Hoffnung bewahrt. Mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste wäre für den WM-Neuling sogar noch der Sprung in die K.o.-Runde möglich.
Spätestens dann wäre Room auf der Insel endgültig unsterblich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion