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Undav sticht zu! DFB-Elf dreht 2:1 gegen Elfenbeinküste

Doppelpack-Drama! Deniz Undav dreht gegen die Elfenbeinküste auf – und schießt die DFB-Elf vorzeitig ins WM-Achtelfinale.

21.06.2026, 00:00 Uhr

Undav dreht das Spiel: DFB-Team nach Zittersieg gegen die Elfenbeinküste als Gruppensieger schon weiter

Die deutsche Nationalmannschaft hat auch ihre erste echte Bewährungsprobe bei der WM bestanden und sich dank Super-Joker Deniz Undav nicht nur vorzeitig für die K.o.-Runde qualifiziert, sondern sogar schon den Gruppensieg gesichert. Der Stürmer erzielte beim 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste in Toronto zunächst in der 68. Minute den Ausgleich und traf in der tiefen Nachspielzeit (90.+4) auch noch zum Sieg. Entsprechend groß war der Jubel bei Bundestrainer Julian Nagelsmann und seiner Mannschaft.

Nach dem Schlusspfiff wurde Undav von Mitspielern und Trainerteam gefeiert, auch die als TV-Experten vor Ort eingesetzten Ex-Weltmeister Thomas Müller und Mats Hummels stürmten zur emotionalen Siegesfeier auf den Rasen. „Jetzt einfach den Flow mitnehmen“, sagte Undav. In Deutschland lief da bereits die nächtliche Siegesparty an, während in Toronto noch früher Abend war.

Nagelsmann lobte seinen Matchwinner mit deutlichen Worten: Undav sei ein Vollblutstürmer, der aus wenigen Chancen viel mache. Der Bundestrainer hob nach dem Abpfiff vor allem die Emotionalität und den mannschaftlichen Einsatz hervor. Auch Jonathan Tah betonte, dass genau diese Siegermentalität und dieser Teamgeist in einem Turnier entscheidend seien.

Nach der Rückreise durfte Nagelsmann gleich doppelt zufrieden sein: Als die DFB-Auswahl spätabends Ortszeit von Toronto abhob und rund zwei Stunden später in Winston-Salem landete, stand durch das überraschende Remis von Curaçao gegen Ecuador fest, dass Deutschland schon vor dem letzten Gruppenspiel nicht mehr von Platz eins zu verdrängen ist. Vom Smith Reynolds Airport ging es für das Team zurück ins Quartier im Graylyn Estate – ohne jede Rechenarbeit für das Duell mit Ecuador.

Familientag bleibt gesetzt

Am Pool des Teamhotels in Winston-Salem kann nun deutlich entspannter durchgeatmet werden. Der feststehende Gruppensieg verändert viele WM-Planungen, an einem Ritual rüttelt Nagelsmann aber nicht: Der Familientag im The Graylyn Estate bleibt bestehen. „Wir halten daran fest“, stellte der Bundestrainer klar. Die Nähe zu den Liebsten gebe den Spielern und dem gesamten Team Kraft.

Damit ist der Montag in North Carolina erneut als Tag zum Runterkommen, Auftanken und Neuordnen vorgesehen, ehe die Mannschaft mit frischer Energie in Richtung Vorrundenabschluss gegen Ecuador blickt.

Gruppensieg fix – der Turnierweg steht bereits fest

Erstmals seit der Heim-WM 2006 schließt Deutschland die Gruppenphase nach zwei Siegen als Tabellenführer ab. Zugleich steht fest, dass die DFB-Auswahl erstmals seit dem WM-Triumph 2014 wieder ein K.o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft bestreiten wird. Die Enttäuschungen von 2018 und 2022 sind damit schon nach zwei Spieltagen endgültig abgeschüttelt.

Das letzte Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in East Rutherford bleibt sportlich wichtig, ist für den Tabellenplatz aber bedeutungslos. Danach geht es am 29. Juni in Foxborough bei Boston in die Zwischenrunde gegen einen der besten Gruppendritten. Möglich sind Teams aus den Gruppen A, B, C, D oder F. Als potenzielle Gegner werden unter anderem Kanada, Schottland, Paraguay oder Schweden gehandelt.

Sollte auch Frankreich seine Gruppe I gewinnen, könnte im weiteren Turnierverlauf früh ein Prestigeduell mit Kylian Mbappé und Michael Olise warten. Nagelsmann wollte sich damit aber nicht aufhalten: Die anderen Gruppen seien nicht zu beeinflussen, und im weiteren Verlauf warteten ohnehin nur starke Gegner.

Neue Aufgaben für Nagelsmann

Mit dem feststehenden Gruppensieg ist der ganz große Druck erst einmal weg. Für Nagelsmann beginnt damit aber eine neue Phase des Turniers: Die Spannung muss trotz der komfortablen Ausgangslage hoch bleiben. Fragen nach möglichem Taktieren oder einem vermeintlich günstigeren Turnierweg haben sich erledigt – Deutschland ist Gruppenerster, alles Weitere kommt danach.

Undav formulierte das Ziel nach seinem Jokerdoppel entsprechend offensiv: Die Mannschaft wolle das Bestmögliche erreichen, also den Titel. Der Sieg gegen die Elfenbeinküste habe gezeigt, welchen Charakter dieses Team entwickeln kann.

Erinnerung an 2006 – Undav mit dem Neuville-Moment

Die Parallelen zur Heim-WM 2006 sind auffällig. Zum ersten Mal seit 20 Jahren gewann Deutschland die ersten beiden Gruppenspiele einer Weltmeisterschaft. Wie damals beim späten 1:0 von Oliver Neuville gegen Polen fiel auch diesmal im zweiten Spiel ganz spät ein erlösender Joker-Treffer – nur dass Undav diesmal gleich doppelt zuschlug.

Und wieder wartet zum Abschluss der Gruppenphase Ecuador. Entsprechend wachsen rund um die DFB-Auswahl die Erinnerungen an das Sommermärchen. Auch Manuel Neuer, der als einziger Spieler des aktuellen Kaders den WM-Triumph 2014 erlebt hat, verwies auf den spürbaren Glauben in der Mannschaft: Dieses Team wolle immer auf Sieg spielen und bringe die richtige Mentalität mit.

Rotation rückt in den Fokus

Für Nagelsmann verändert der feststehende Gruppensieg die Planung deutlich. Statt auf Absicherung zu achten, kann er nun stärker über Belastungssteuerung, Pausen und personelle Wechsel nachdenken. Zwischen dem Vorrundenabschluss und dem ersten K.o.-Spiel liegen nur vier Tage.

Vor allem bei Kai Havertz, der nach mehreren Verletzungen in der vergangenen Saison sorgsam aufgebaut werden soll, dürfte die Belastung ein Thema sein. Auch bei Jamal Musiala könnten dosierte Einsätze sinnvoll sein. Nagelsmann hatte bereits vor dem Turnier klargemacht, dass er seinen gesamten 26-Mann-Kader einbinden will, wenn es die Situation erlaubt – genau dafür bietet sich nun die Gelegenheit.

Natürlich richtet sich der Blick auch auf Deniz Undav. Der Stuttgarter hat mit seinen WM-Toren zwei und drei eindrucksvoll Werbung in eigener Sache gemacht und ist nach seinem Jokerdoppel ein ernsthafter Kandidat für die Startelf gegen Ecuador. Noch unmittelbar nach dem Spiel hatte Nagelsmann betont, er wolle die Entscheidung auch im Austausch mit dem Spieler treffen.

Sorgen um Schlotterbeck bleiben

Sorgen bereitet allerdings Nico Schlotterbeck. Der Dortmunder musste wegen Beschwerden am linken Bein zur Pause ausgewechselt werden. Nach bisherigen Eindrücken könnte das Innenband im linken Knöchel betroffen sein, eine endgültige Diagnose stand zunächst aber noch aus. Damit reist die DFB-Auswahl mit einer wichtigen offenen Personalfrage in die letzten Vorrundentage.

Sollte Schlotterbeck länger ausfallen, könnte Antonio Rüdiger plötzlich noch wichtiger werden. Der erfahrene Innenverteidiger kam gegen die Elfenbeinküste nach der Pause ins Spiel und dürfte im weiteren Turnierverlauf als Ersatzmann oder womöglich auch als Startelfkandidat an Bedeutung gewinnen.

Völlers Warnung vor dem Tempo bewahrheitet sich

Nach dem 7:1 zum Auftakt gegen Curaçao war von Beginn an klar, dass der Afrika-Meister von 2024 ein anderes Kaliber darstellen würde. Im kleinsten Stadion des Turniers begann Deutschland zwar mit viel Ballbesitz und Selbstvertrauen, doch die Wucht und Geschwindigkeit der Elfenbeinküste waren jederzeit spürbar.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler hatte kurz vor dem Anpfiff noch ausdrücklich auf das außergewöhnliche Tempo des Gegners hingewiesen. Genau das zeigte sich vor dem Führungstor: Yan Diomande setzte sich auf der linken Seite mit viel Dynamik durch und leitete den Treffer ein.

Frühe deutsche Chancen bleiben ungenutzt

Deutschland kam zunächst gut in die Partie. Nach einer präzisen Flanke von Kapitän Joshua Kimmich verpasste Kai Havertz per Kopf nur knapp die Führung, weil Torhüter Yahia Fofana den Ball noch stark parierte. Auch Jamal Musiala und Felix Nmecha prüften den Keeper aus der Distanz.

Kurz darauf jubelte die deutsche Bank bereits, als Aleksandar Pavlovic nach einer weiteren Kimmich-Flanke den Ball im Tor unterbrachte. Doch Schiedsrichter Juan Gabriel Benitez entschied auf Offensivfoul, weil Pavlovic dabei nicht den Ball, sondern Fofana getroffen hatte.

Kessié trifft nach deutscher Fehlerkette

Wenig später folgte der nächste Rückschlag. Nach der ersten Trinkpause verlor Deutschland den Faden, Diomande nutzte auf links sein hohes Tempo und setzte sich gegen Kimmich durch. Nach seinem Zuspiel konnte Nathaniel Brown den ersten Abschluss von Amad noch stark klären, gegen den Nachschuss von Frank Kessié waren Brown und Manuel Neuer dann machtlos.

Für Neuer war es im 21. WM-Spiel ein bitterer Moment. Mit diesem Einsatz zog er an Hugo Lloris vorbei und ist nun alleiniger Rekordtorhüter der WM-Geschichte. Ohne Gegentor blieb er jedoch erneut nicht.

Ärger über den Schiedsrichter

Deutschland brauchte einige Minuten, um sich vom Rückstand zu erholen. Vor allem Musiala versuchte, das Offensivspiel anzukurbeln. Nach einer Aktion des Bayern-Profis traf Havertz zwar ins Netz, doch auch dieses Tor wurde aberkannt, weil Musiala zuvor Odilon Kossounou gefoult haben soll.

Als wenig später ein Foul an Musiala ungeahndet blieb, reagierte Nagelsmann an der Seitenlinie sichtbar verärgert. Der Bundestrainer haderte mit mehreren Entscheidungen des paraguayischen Referees. Unzufrieden konnte er aber auch mit der Leistung seiner Mannschaft sein. Positiv fiel immerhin auf, dass Leroy Sané trotz anhaltender Kritik viel Defensivarbeit verrichtete, nach vorne aber kaum Akzente setzte.

Schlotterbeck muss verletzt raus

Die ohnehin anspruchsvolle Aufgabe gegen die schnelle Offensive der Ivorer wurde zusätzlich durch Schlotterbecks Auswechslung erschwert. Der Verteidiger war schon in der ersten Halbzeit behandelt worden und blieb nach der Pause wegen seiner Verletzung in der Kabine. Für ihn kam Antonio Rüdiger ins Spiel.

Doch auch der erfahrene Abwehrspieler bekam es direkt mit der Offensivpower der Westafrikaner zu tun. Die Elfenbeinküste übernahm nach der Führung phasenweise die Kontrolle und stellte Deutschland immer wieder vor Probleme.

Dreifachwechsel bringt die Wende

Nach einer Stunde griff Nagelsmann mit einem Dreifachwechsel ein – und lag damit goldrichtig. Deniz Undav, Jamie Leweling und Nadiem Amiri ersetzten Pavlovic, Musiala und Sané. Gegen eine Mannschaft, die in der gesamten WM-Qualifikation und auch beim 1:0 zum Auftakt gegen Ecuador ohne Gegentor geblieben war, verpasste Havertz mit einem Kopfball nach einem Fehler von Fofana zunächst noch knapp den Ausgleich.

Dann zahlten sich die Einwechslungen aus. Amiri brachte den Ball scharf in den Strafraum, Undav blieb eiskalt und traf zum 1:1. In der Nachspielzeit schlug der Angreifer dann noch einmal zu und machte mit seinem zweiten Tor den umjubelten Sieg perfekt. Amiri lobte ihn anschließend als echten Torjäger, der nicht viele Chancen brauche.

Der Stuttgarter bestätigte damit seinen Ruf als idealer Joker eindrucksvoll: Neun Tore in elf Länderspielen sprechen eine klare Sprache. Mit diesem Auftritt hat Undav beste Argumente für einen Platz in der Startelf gegen Ecuador geliefert – nun sogar unter deutlich entspannteren Vorzeichen, weil Deutschland als Gruppensieger bereits feststeht.

Foxborough als nächster K.o.-Schauplatz

Die erste K.o.-Aufgabe wartet am 29. Juni in Foxborough bei Boston. Dort hatte Nagelsmann auf seiner USA-Reise zu Beginn seiner Amtszeit einst erste Trainingseinheiten als Bundestrainer absolviert. Damals waren Thomas Müller und Mats Hummels noch Teil des Kreises auf dem Platz – diesmal feierten beide als TV-Experten nach dem Sieg in Toronto mit dem Team.

Das passte zu einem Abend, an dem sich bei der DFB-Auswahl einiges nach Aufbruch und großer Turnierhoffnung anfühlte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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