Fußball

Neuers Comeback-Krimi: Was hinter seiner Aura steckt

Neuer ist zurück – und schreibt bei seiner 5. WM schon Geschichte. Ein einmaliger Coup könnte jetzt alles toppen.

12.06.2026, 08:29 Uhr

Joshua Kimmich verpasste Manuel Neuer beim Mannschaftsfoto einen kräftigen Klaps auf die Schultern. Für die jungen WM-Neulinge Nathaniel Brown und Assan Ouedraogo dürfte das ein bemerkenswerter Moment gewesen sein. Vor dem geplanten Comeback des Jahres an diesem Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Houston gegen Curaçao wirkt Deutschlands Rekordtorwart auf viele im Team wie eine Respektsperson von besonderem Format.

Nicht nur mögliche Gegner wie Harry Kane oder Kylian Mbappé sollen in wichtigen K.-o.-Spielen großen Respekt vor Neuer haben – auch innerhalb der Nationalmannschaft ist das spürbar. Ouedraogo erzählte von seiner ersten Begegnung mit dem "besten Torwart aller Zeiten" im Teamhotel in Winston-Salem und machte deutlich, dass man ihn nicht einfach so locker anspricht.

Gleichzeitig gilt Neuer intern als zugänglicher und freundlicher Typ – solange kein Angreifer vor seinem Tor auftaucht. Jonathan Tah sagte mit einem Lächeln, nach dem ersten Gespräch merke jeder schnell, dass man vor ihm keine Angst haben müsse.

Alle sprechen über seine Aura

Rund um Neuer fällt immer wieder ein Begriff: Aura. Vor seinem fünften WM-Turnier und dem 125. Länderspiel betonten Bundestrainer Julian Nagelsmann, Sportdirektor Rudi Völler, Kapitän Kimmich und auch Tah diese besondere Ausstrahlung des 40-Jährigen. Nach seiner außergewöhnlichen Karriere steht Neuer trotz aller Diskussionen um seine WM-Rückkehr kaum zur Debatte.

Joachim Löw beschrieb seinen ehemaligen Weltmeister-Torwart bei RTL als jemanden, der Ehrfurcht auslöse. Tah erinnerte daran, früher selbst WM-Spiele mit Neuer im Tor auf dem Sofa verfolgt zu haben. Kai Havertz erlaubte sich wegen Neuers Alter sogar einen kleinen Scherz und meinte bei MagentaTV, selbst mit 70 würde er wohl noch einen Platz im Nationalteam finden.

Manuel Neuer
Bei den Fans ist Manuel Neuer sehr beliebt. Quelle: Federico Gambarini/dpa

Neuer selbst wirkt vor seiner Rückkehr sehr fokussiert. Nachdem es Aufregung um seine Nominierung und die Degradierung von Oliver Baumann gegeben hatte, scheint seine Rückkehr inzwischen alternativlos. Abseits des Platzes gibt er sich gelassen, lächelt viel und nimmt sich für Fans Zeit.

Die Wade hatte genug Zeit

Öffentlich hat Neuer über sein Comeback bislang kaum gesprochen. Seine Muskelverletzung in der linken Wade, die er sich Mitte Mai im letzten Bundesliga-Spiel des FC Bayern gegen den 1. FC Köln zuzog, verheilte ohne große öffentliche Updates. Nagelsmann setzte deshalb zunächst weiter auf Baumann, der gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) im Tor stand. Nun soll der Plan pünktlich in Houston aufgehen – auch wenn ein gewisses Restrisiko bleibt.

Wie schon mehrfach in seiner Laufbahn ist Neuer rechtzeitig zum Turnierstart wieder einsatzfähig. Das war vor dem WM-Titel 2014 so, ebenso vor den enttäuschenden Turnieren 2018 und 2022 sowie vor der Heim-EM 2024. Von 33 Länderspielen unter Nagelsmann seit 2023 absolvierte er nur sieben – fünf bei der EM und zwei Testspiele davor. Davor fiel er verletzt aus, danach erklärte er seinen Rücktritt aus dem DFB-Team.

Trotzdem hält sich bis heute die Erzählung, dass Neuer im Sommer 2024 gerne weiter Nationalspieler geblieben wäre, Nagelsmann aber mit dem inzwischen lange verletzten Marc-André ter Stegen plante. Das spielt nun keine Rolle mehr. Die WM steht an – und Neuer ist zurück.

Rekorde in Serie möglich

Die wichtigsten Zahlen sprechen für sich: Mit seiner fünften WM-Teilnahme zieht Neuer mit Lothar Matthäus als deutschem Rekordhalter gleich. Bei seinem 20. WM-Spiel würde er am Sonntag den bisherigen Torwart-Rekord von Hugo Lloris einstellen. Sechs Tage später könnte er gegen die Elfenbeinküste mit Einsatz Nummer 21 alleiniger WM-Rekordtorwart werden.

Erreicht Deutschland das Viertelfinale, würde Neuer zudem Matthäus‘ DFB-Bestmarke von 25 WM-Partien einstellen.

Erster deutscher Doppel-Weltmeister?

Und es gibt noch ein größeres Szenario: Sollte Deutschland den Titel holen, wäre Manuel Neuer der erste deutsche Fußballer, der als Spieler zum zweiten Mal Weltmeister wird. Zweimal den goldenen Pokal in den Händen hielt bislang nur Franz Beckenbauer – 1974 als Spieler und 1990 als Teamchef.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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