Fußball

Gegen Curaçao: Deutschland muss endlich liefern

Nur wie hoch wird’s gegen Curaçao? Deutschlands WM-Start wirkt wie Pflichtsieg – doch Nagelsmann überrascht personell.

12.06.2026, 10:39 Uhr

Deutschland vor WM-Auftakt gegen Curaçao unter Zugzwang

Die deutsche Nationalmannschaft geht mit viel Selbstvertrauen in ihr erstes WM-Spiel. Nach 18 Tagen Vorbereitung sowie Testspielsiegen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) zählt nun der Ernstfall. Beim Turnierstart am Sonntag (19.00 Uhr MESZ/ARD und Magenta TV) in Houston ist gegen Curaçao ein klarer Sieg fest eingeplant.

Vor allem Nico Schlotterbeck gibt die Richtung vor. Der Dortmunder verzichtet bewusst auf Zurückhaltung und betont offensiv die eigenen Ansprüche. Deutschland wolle von Beginn an zeigen, wie stark die Mannschaft sei. Gegen den Weltranglisten-82. und WM-Neuling aus der Karibik ist die DFB-Auswahl in Gruppe E eindeutiger Favorit.

Schlotterbeck mit klarer Ansage

Schlotterbeck sieht trotz der enttäuschenden WM-Auftritte 2018 und 2022 keinen Grund für Zweifel. Deutschland sei eine „Top-Mannschaft“, sagte der 26-Jährige. Curaçao verfüge zwar über gut ausgebildete Spieler, viele mit niederländischem Hintergrund, dennoch sei für ihn klar, dass Deutschland das Spiel gewinnen müsse.

Damit ist auch die Erwartungshaltung gesetzt. Die Offensive mit Kai Havertz, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané soll gegen den Außenseiter für Tore sorgen. Sané rückt für den verletzten Lennart Karl in die Startelf. Schlotterbeck betonte, im Team herrsche kein lähmender Druck, sondern Vorfreude und Vertrauen in die eigene Qualität.

Völler warnt vor Nachlässigkeit

Sportdirektor Rudi Völler hob hervor, wie wichtig ein gelungener Start für den weiteren Turnierverlauf sei. Ein Auftaktsieg garantiere zwar noch keinen tiefen Lauf, sorge aber für Ruhe und ein gutes Klima innerhalb der Mannschaft. Zugleich warnte er davor, den Gegner zu unterschätzen. Schon eine Rote oder Gelb-Rote Karte könne ein Spiel gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner kompliziert machen.

WM 2026 - Deutschland Pressekonferenz
Kernige Aussagen vor dem Auftaktspiel: Nico Schlotterbeck. Quelle: Christian Charisius/dpa

Tah hofft auf WM-Euphorie in Deutschland

Jonathan Tah wünscht sich, dass ein überzeugender Start auch in der Heimat Begeisterung auslöst. Der Innenverteidiger sagte, er hoffe darauf, dass die Menschen wieder Deutschland-Flaggen hervorholen und an ihre Autos hängen, damit echtes WM-Gefühl entstehe. Dafür müsse das Team mit einem starken ersten Auftritt den Anstoß geben.

Für Tah ist es die erste Weltmeisterschaft, für Manuel Neuer bereits die fünfte. Der Rekordtorhüter steht nach langer Länderspielpause und trotz anhaltender Fragen um seine Wade direkt wieder im Fokus. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt auf Neuers Erfahrung und Ausstrahlung, obwohl Oliver Baumann zuletzt als verlässliche Alternative bereitstand.

Nagelsmann setzt auf Mut und neue Gesichter

Nagelsmann geht bei seiner ersten WM bewusst Risiken ein. Er betonte, ein Trainerteam müsse bereit sein, Entscheidungen zu treffen und bei Bedarf auch zu korrigieren. In der Startelf stehen mehrere Turnierdebütanten. Nathaniel Brown hat sich auf der linken Abwehrseite gegen David Raum durchgesetzt. Im Mittelfeld vertraut Nagelsmann auf Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha, die für Stabilität und Balance sorgen sollen.

In der Offensive ruhen die Hoffnungen neben dem gereiften Havertz vor allem auf dem Zusammenspiel von Wirtz und Musiala. Der zuletzt oft beschworene kreative Funke soll dem deutschen Spiel zusätzliche Durchschlagskraft verleihen.

Curaçao als Pflichtaufgabe, danach wird es schwerer

Gegen Curaçao muss ein deutlicher Klassenunterschied erkennbar sein. Doch schon in den folgenden Gruppenspielen dürften Elfenbeinküste und Ecuador den Weltranglisten-Zehnten deutlich stärker fordern. Und in der K.o.-Phase könnte es früh zu einem Duell mit Schwergewichten wie Frankreich oder Brasilien kommen.

Schlotterbeck lässt sich davon nicht beeindrucken. Er sieht im Kader eine starke Mischung aus jungen, unbeschwerten Talenten, Spielern auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und erfahrenen Profis, für die es womöglich die letzte WM ist. Genau diese Kombination mache das Team aus seiner Sicht besonders stark.

Rückkehr zu klassischen deutschen Stärken

Der Abwehrspieler glaubt zudem, dass Deutschland wieder Tugenden auf den Platz bringt, die frühere DFB-Mannschaften ausgezeichnet hätten: Disziplin, Leidenschaft und Widerstandskraft. Mit diesen Eigenschaften müsse sich die Mannschaft vor keinem Gegner verstecken.

Völler formulierte das erste Etappenziel dennoch bewusst zurückhaltender: Deutschland wolle die Gruppenphase überstehen und möglichst als Erster abschließen. Der Auftakt gegen Curaçao soll dafür die Grundlage legen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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