Fußball

Nach Protest-Sturm: FIFA kippt Investorenpläne

Paukenschlag bei der FIFA: Infantino kassiert die umstrittenen Investorenpläne plötzlich ein – was steckt dahinter?

01.08.2026, 01:59 Uhr

FIFA stoppt Investorenpläne nach massivem Widerstand

Der Fußball-Weltverband FIFA verfolgt seine umstrittenen Investorenpläne nicht weiter. Präsident Gianni Infantino erklärte in einer nachts veröffentlichten Stellungnahme, das Vorhaben habe innerhalb des Weltfußballs zu Spaltungen geführt und liege deshalb nicht länger im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels.

Infantino betonte, die FIFA wolle den Fußball vereinen und verbessern. Deshalb werde der Vorschlag fallengelassen. In den kommenden Tagen und Wochen wolle er alle beteiligten Akteure wieder an einen Tisch bringen, um den Sport weltweit weiterzuentwickeln – vor allem in Ländern, die besonders auf Unterstützung angewiesen seien.

Zugleich erklärte der FIFA-Chef, mit dem Projekt hätten vor allem die Mitgliedsverbände gestärkt werden sollen. Zu einer Umsetzung wäre es nach seinen Angaben ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit zugestimmt hätte.

Milliardenpläne endgültig vom Tisch

Die FIFA hatte geplant, über den möglichen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte – darunter Anteile an Rechten rund um die Weltmeisterschaft – Milliarden einzunehmen. Dafür sollte die Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) gegründet werden.

Berichten zufolge hatte der Weltverband den Verbänden für die Zustimmung zu dem Investorendeal eine Frist bis zum 19. September gesetzt und im Gegenzug eine Sonderzahlung in Aussicht gestellt. Diese Pläne sind nun hinfällig.

UEFA drohte mit WM-Boykott

Die Kehrtwende erfolgte nach massiv wachsendem Druck aus den Kontinentalverbänden. Besonders die UEFA hatte das Modell scharf angegriffen und sogar mit einem Boykott der WM und anderer FIFA-Wettbewerbe gedroht, solange die Pläne weiterverfolgt würden.

Nach einem Dringlichkeitstreffen machte Europas Fußball-Union deutlich, dass keine UEFA-Nationalmannschaft an FIFA-Wettbewerben teilnehmen werde, solange die Vorschläge bestünden. Zudem stellte die UEFA klar, niemand habe das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das nur treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet werde.

Auch Concacaf für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik und der asiatische Dachverband AFC gingen klar auf Distanz zu Infantino und dem Vorhaben. Conmebol legte sich inhaltlich zunächst nicht fest, kündigte aber eine weitere Prüfung an und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA.

Kritik auch aus der FIFA selbst

Nicht nur von außen, auch intern geriet das Projekt zunehmend ins Wanken. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino laut Berichten vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben.

Außerdem trat Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des FIFA-Präsidenten, aus Protest zurück. Der frühere Präsident des US-Verbands, der seit 2021 für die FIFA tätig ist, kritisierte öffentlich, dass überhaupt über den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft nachgedacht werde.

Sinngemäß bezeichnete er das Vorhaben als schlechtes Geschäft für die Mitgliedsverbände, für den Fußball insgesamt und für die langfristige Zukunft des Sports. Mit dem Rückzug der FIFA ist dieses Geschäft nun vom Tisch.

Infantino auch persönlich stärker unter Druck

Trotz des Rückzugs könnten die Folgen für Infantino erheblich bleiben. Der britische Premierminister Andy Burnham sprach sich nach Bekanntwerden der Pläne offen für eine Ablösung des Schweizers an der Spitze des Weltverbands aus und nannte ihn den falschen Mann für das Amt.

Auch UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister wertete die breite Ablehnung der Investorenpläne als deutliches Signal dafür, was Spielern, Fans, Vereinen und Funktionären für die Zukunft des Fußballs wichtig sei. Sie äußerte die Hoffnung, dass dies für die FIFA-Führung ein Weckruf sei.

Zusätzlich steht Infantino noch in einer anderen Angelegenheit unter Druck. Während der WM in den USA, Kanada und Mexiko war er wegen einer nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun heftig kritisiert worden. Dadurch wurde ein Einsatz des Spielers im Achtelfinale möglich. Die FIFA erklärte dazu, die Entscheidung sei von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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