Fußball

Nach Derby-Chaos: Jetzt reagieren Polizei und DFB

Krawall statt Pokal: Dutzende Verletzte, Festnahmen – nach der Mannheimer Derby-Nacht drohen jetzt harte DFB-Konsequenzen.

22.08.2026, 08:08 Uhr

DFB untersucht Derby-Krawalle in Mannheim – Waldhof greift Ritter scharf an

Nach den massiven Ausschreitungen beim DFB-Pokal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern müssen sich beide Vereine auf eine Aufarbeitung durch den Deutschen Fußball-Bund einstellen. Nach Polizeiangaben wurden 35 Einsatzkräfte leicht verletzt. Zudem gab es mehrere vorläufige Festnahmen. Insgesamt mussten 85 Menschen medizinisch versorgt werden, acht von ihnen kamen ins Krankenhaus. Nach bisherigem Stand handelte es sich überwiegend um leichtere Verletzungen.

Der DFB reagierte unmittelbar nach Abpfiff. In einer auf Instagram veröffentlichten Stellungnahme kündigte der Verband an, die Berichte auszuwerten und an die zuständigen Gremien weiterzuleiten. Sicherheitsgefährdendes Verhalten habe im Fußball keinen Platz. Schiedsrichter Robert Schröder stellte bei Sky bereits klar, dass sein Sonderbericht entsprechend umfangreich ausfallen werde.

Im ausverkauften Mannheimer Carl-Benz-Stadion waren laut Veranstalter rund 23.500 Zuschauer dabei, darunter etwa 3.500 Fans aus Kaiserslautern. Die Feindschaft beider Lager reicht bis in die frühen 1980er Jahre zurück und sorgte auch diesmal für eine extrem aufgeheizte Atmosphäre. In beiden Blöcken brannten nahezu durchgehend Bengalos, immer wieder flogen Knallkörper über das Spielfeld, dazu kamen große Choreografien.

Rudelbildung, Feuerwerk und Platzsturm

Nach 90 torlosen Minuten eskalierte die Lage. Zunächst gerieten beide Teams in eine Rudelbildung, in der auch Lauterns Kapitän Marlon Ritter beteiligt war. Kurz darauf wurden aus dem FCK-Block Feuerwerkskörper in Richtung der Sitzplatzbereiche abgefeuert.

Daraufhin stürmten Mannheimer Anhänger auf das Spielfeld. Die Polizei musste eingreifen, teilweise auch mit berittenen Kräften, um die Situation zu beruhigen. Verletzt wurden laut Behörden 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg. Insgesamt waren rund 1.400 Einsatzkräfte vor Ort, darunter auch Unterstützung aus Rheinland-Pfalz und Bayern.

Nach einer ersten Polizeibewertung wurden außerdem mehrere Fußballfans vorläufig festgenommen. Zeitweise stand ein Spielabbruch im Raum. Der Beginn der Verlängerung verzögerte sich wegen der Krawalle um rund 20 Minuten. Nach der Fortsetzung blieb es auf dem Platz ruhig. Später musste die Feuerwehr noch einen Brand im Gästeblock löschen, der von FCK-Anhängern ausgelöst worden war.

Die Polizei ermittelt inzwischen unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

DFB-Aufarbeitung und scharfe Vorwürfe aus Mannheim

Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war nach den Vorfällen mit 85 Verletzten klar, dass "das Maß überschritten" sei. Besonders die in Richtung Haupttribüne abgefeuerten Feuerwerkskörper aus dem Gästeblock verurteilte er deutlich. Solche Aktionen müssten Folgen haben, sagte Zuber. Es könne nicht sein, dass Menschen dadurch gefährdet würden.

Zugleich erhoben Zuber und weitere Mannheimer Verantwortliche schwere Vorwürfe gegen FCK-Kapitän Marlon Ritter. Nach ihrer Darstellung habe Ritter immer wieder provokante und brutale Gesten in Richtung der Waldhof-Bank gezeigt. So schaffe man erst recht Probleme, kritisierte Zuber.

Ritter selbst räumte ein, dass es "wahrscheinlich auch zu viel gewesen" sei. Auf die Vorwürfe aus Mannheim reagierte der 31-Jährige jedoch mit einem Seitenhieb auf den Gegner: Auch die Waldhof-Bank gehe "nicht jeden Sonntag in die Kirche".

Auch Waldhof hatte zwischenzeitlich einen möglichen Abbruch des Spiels thematisiert. Wenn Raketen in Bereiche mit unbeteiligten Zuschauern oder Familien flögen, sei eine klare Grenze überschritten.

Kritik auch aus Kaiserslautern

FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen fand ebenfalls deutliche Worte. Emotionen gehörten zwar zu einem Derby, sagte er bei Sky, doch eine solche Eskalation dürfe nicht passieren. Das schade dem Verein, allen Beteiligten und dem Fußball insgesamt. Dass die Partie nicht abgebrochen wurde, schrieb er vor allem dem Eingreifen der Polizei und dem umsichtigen Handeln des Schiedsrichterteams zu.

Kaiserslauterns Trainer Torsten Lieberknecht sah auf dem Platz ein Derby, das dem Anlass sportlich gerecht geworden sei. Alles, was sich drumherum abgespielt habe, wolle jedoch niemand sehen. Rivalität gehöre dazu, sagte er, ein solches Ende sei aber traurig für den Fußball.

Innenminister: "Kein normales Derby"

Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die Ausschreitungen scharf. Das Geschehen in Mannheim habe nichts mit einem normalen Derby zu tun gehabt. Wer Fußball als Bühne für Gewalt missbrauche, andere Fans bewusst gefährde und Sicherheitskräfte verletze, sei kein Fan, sondern ein Krimineller. Gegen solche Täter müsse konsequent vorgegangen werden, um Recht und Ordnung in den Stadien durchzusetzen.

Zugleich lobte Hagel den Polizeieinsatz. Die Beamten hätten großartige Arbeit geleistet, seien hochprofessionell vorbereitet gewesen und hätten seine volle Unterstützung.

Sportlich setzte sich am Ende der 1. FC Kaiserslautern mit 1:0 nach Verlängerung durch. Den entscheidenden Treffer erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, kurz vor einem möglichen Elfmeterschießen. Ritter betonte danach, dass für ihn trotz aller Nebengeräusche der Fußball nicht in den Hintergrund gerückt sei: Kaiserslautern habe das Derby gewonnen – und genau das solle die Schlagzeilen bestimmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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