Die Finanzierung von Klassen- und Studienfahrten sorgt an vielen Schulen in Bayern zunehmend für Ärger. Wegen stark gestiegener Preise und eines begrenzten Etats für die Tagespauschalen der Lehrkräfte stehen beliebte Fahrten mancherorts sogar auf der Kippe. Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, berichtet, dass Bus- und Hotelpreise in den vergangenen Jahren massiv angezogen hätten, obwohl die Programme der Fahrten kaum verändert worden seien. Gleichzeitig wurde der Etat für die Reisekostenpauschalen der Lehrkräfte im Sparhaushalt 2026/27 gekürzt.
Ein konkretes Beispiel kommt vom Gymnasium Ottobrunn bei München: Dort sprang laut Elternbeirätin Claudia Bergemann der Förderverein ein und überwies Spendengelder auf das Schulkonto, damit die Tagespauschalen der Lehrkräfte bezahlt werden konnten. Andernfalls hätten bereits geplante Fahrten kurzfristig abgesagt werden müssen.
Verteilung des Budgets nach Schulgröße
In Bayern erhalten Schulen für die Reisekosten der Lehrkräfte Mittel aus einem festen Budget. Wie viel eine Schule bekommt, hängt von ihrer Größe ab. Bei Gymnasien wird der Betrag aus einem Sockel und zu 80 Prozent anhand der Zahl der Schülerinnen und Schüler berechnet. Nach Angaben des Kultusministeriums stehen einer Realschule mit 20 Klassen derzeit rund 3.200 Euro zur Verfügung, einem Gymnasium mit 800 Schülerinnen und Schülern etwa 6.900 Euro.
Reicht dieses Geld nicht aus, verzichten viele Lehrkräfte auf einen Teil ihrer Erstattung oder Fördervereine helfen mit Spenden aus. Schwägerl zufolge flossen 2024 an Bayerns Gymnasien rund 170.000 Euro aus Drittmitteln – etwa sieben Prozent des staatlichen Budgets. Um Ausgaben zu senken, hoffen viele Schulen zudem auf Freiplätze bei Busunternehmen oder kostenlose Übernachtungen für Lehrkräfte, dürfen solche Vergünstigungen aber nicht aktiv einfordern.

Besonders teuer sind Auslandsfahrten. Laut Schwägerl haben viele Schulen ihr Fahrtenprogramm deshalb bereits angepasst. Vor allem Gymnasien, an denen wegen des Alters der Jugendlichen und der längeren Schulzeit besonders viele Fahrten stattfinden, seien betroffen. Hinzu kämen organisatorischer Mehraufwand und ein hoher Zeitbedarf, weshalb an manchen Schulen Reisen ganz gestrichen worden seien.
Mehr als Unterricht: soziale Erfahrungen auf Reisen
Trotz der Kosten betonen Lehrkräfte den hohen pädagogischen Wert solcher Fahrten. Schwägerl beschreibt, dass Schülerinnen und Schüler häufig verändert zurückkämen. Gerade auf mehrtägigen Aufenthalten wie Studienfahrten, Schullandheimwochen oder Skikursen würden Persönlichkeitsentwicklung, soziale Kompetenzen und der Zusammenhalt in der Klasse besonders gestärkt.
Für Eltern werden diese Fahrten allerdings immer kostspieliger. Verlässliche Durchschnittswerte gibt es zwar nicht, eine kleine Umfrage unter Lehrkräften zeigt aber die Größenordnung: Zwei Nächte im Schullandheim in Oberfranken kosten demnach etwa 160 Euro, fünf Tage in Berlin rund 500 Euro und eine Woche in London oder Rom ungefähr 700 Euro.
Dabei unterscheiden sich die Belastungen je nach Region deutlich. Nach Schwägerls Einschätzung macht es einen großen Unterschied, ob eine Schule in wohlhabenden Gemeinden wie Unterhaching oder Grünwald liegt oder in strukturschwächeren Gegenden wie Tirschenreuth. Das wirke sich sowohl auf die Auswahl der Reiseziele als auch auf die Zahlungsbereitschaft der Eltern aus. Auch Wandertage seien auf dem Land oft teurer, wenn dafür Busse nötig seien, während in Städten wie München häufig günstigere Fahrten mit S- und U-Bahn möglich seien.
Kritik an Spenden für Lehrerpauschalen
Zusätzlichen Unmut gibt es wegen der Finanzierung der Tagespauschalen für Lehrkräfte. Aus Elternbeiräten ist zu hören, dass manche Schulen diese Kosten auf die Familien umlegen, andere auf verpflichtende Mitgliedschaften in Fördervereinen setzen oder mit Spendenbriefen um Unterstützung werben.
Das Kultusministerium weist diese Praxis jedoch nicht als Regelfall aus. Nach Ministeriumsangaben sei das Budget für Gymnasien und Realschulen grundsätzlich so bemessen, dass ein angemessenes Fahrtenprogramm möglich sei. Falls Mittel im Einzelfall nicht ausreichen, werde gemeinsam mit den betroffenen Schulen nach den Gründen gesucht. Zugleich gelte die Vorgabe, dass Schulen ihr Fahrtenangebot an das verfügbare Budget anpassen müssten, um Überschreitungen zu vermeiden.
Allerdings verweist auch das Ministerium darauf, dass zweckgebundene Spenden das jeweilige Reisekostenbudget erhöhen können. Genau daran entzündet sich Kritik. Elternbeirätin Bergemann hält es für widersprüchlich, dass Eltern Lehrkräften aus rechtlichen Gründen nicht einmal eine Tafel Schokolade zum Geburtstag schenken dürften, gleichzeitig aber Geld sammeln sollen, damit deren Tagespauschalen finanziert werden können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber