Fußball

Infantinos FIFA-Pläne: Wer profitiert wirklich?

FIFA vor dem Milliardenpoker: Europas Bosse laufen Sturm, Infantino spricht von Riesenchance. Wer jetzt was sagt.

30.07.2026, 10:47 Uhr

Gianni Infantino sorgt kurz nach dem Ende der Weltmeisterschaft bereits wieder für heftige Diskussionen. Der FIFA-Präsident treibt Pläne für ein milliardenschweres Geschäft mit Investoren voran und stößt damit vor allem in Deutschland auf massiven Widerstand.

Die Idee des Weltverbands: Externe Geldgeber sollen rund 20 Prozent an einer noch zu gründenden Gesellschaft erwerben können, in der künftig die kommerziellen Rechte der FIFA-Wettbewerbe gebündelt werden. Der Wert dieses Unternehmens wird zunächst auf 20 Milliarden US-Dollar taxiert. Ziel wäre es, auf einen Schlag Milliardeneinnahmen zu erzielen.

Finanzspritze für den Fußball – oder Ausverkauf des Sports?

Die neue Tochterfirma mit dem Namen FFE soll die Vermarktungsrechte der FIFA bündeln. Kritiker befürchten, dass Infantino damit nicht nur neue Erlösquellen erschließen, sondern sich auch über das Ende seiner Präsidentschaft hinaus Einfluss sichern könnte – möglicherweise sogar über 2031 hinaus in einer Führungsrolle innerhalb des Unternehmens.

Infantino wirbt für das Modell als große Chance für die Mitgliedsverbände. Diese sollen sich bis zum 19. September entscheiden und könnten nach FIFA-Darstellung künftig ein Vielfaches der bisherigen jährlichen Einnahmen erhalten. Gegner des Projekts sprechen dagegen von einem weiteren Schritt hin zur vollständigen Kommerzialisierung des Fußballs.

Hans-Joachim Watzke

Hans-Joachim Watzke zählt zu den prominentesten Kritikern in Deutschland. Der Präsident von Borussia Dortmund stellte sich klar gegen das Vorhaben und betonte, ein geschlossener Widerstand des europäischen Fußballs hätte erhebliches Gewicht. In Europa werde der Plan vielfach als direkter Angriff auf den Fußball verstanden – und dieser Einschätzung schließe er sich an.

Donald Trump und Gianni Infantino
Trump und Infantino nach dem WM-Finale. (Archivbild) Quelle: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Brisant ist seine Haltung auch deshalb, weil Watzke im deutschen Fußball vor einigen Jahren selbst zu den Befürwortern eines Investoreneinstiegs gehörte. Damals argumentierte er, die Bundesliga brauche zusätzliches Kapital, um im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. Im Unterschied zu den nationalen Ligen sieht er bei der FIFA jedoch keine vergleichbare Konkurrenzsituation.

Der damalige DFL-Investorenplan scheiterte vor allem am Widerstand der Fans. Nun könnten ausgerechnet Europas Spitzenfunktionäre die Rolle der lautesten Gegner eines solchen Modells übernehmen.

Bernd Neuendorf und Max Eberl

Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte deutliche Bedenken. Im ZDF sagte er, der Fußball müsse unabhängig bleiben und dürfe nicht zum Spielball von Investoren werden. Aus seiner Sicht droht der Sport die Akzeptanz der Fans zu verspielen – eine Entwicklung, die er für nicht zustimmungsfähig hält.

Sollte sich der Konflikt zuspitzen, hält Neuendorf sogar einen Boykott einer Weltmeisterschaft durch UEFA-Verbände grundsätzlich für denkbar. Ein wichtiger Kritikpunkt vieler Verbände aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien war zudem die Kommunikation der FIFA: Zahlreiche Mitglieder fühlten sich von den Plänen überrascht und vorab nicht eingebunden.

Noch schärfer fiel die Reaktion von Max Eberl aus. Der Sportvorstand des FC Bayern griff die FIFA verbal frontal an und zeigte sich tief abgestoßen von dem Vorhaben.

Dass Neuendorf trotz seiner klaren Kritik etwas zurückhaltender formulierte als andere, könnte auch mit Deutschlands Hoffnungen auf eine WM-Bewerbung für 2038 oder 2042 zusammenhängen. Umso bemerkenswerter war, dass er sich dennoch so deutlich positionierte.

Aleksander Ceferin

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gilt seit Jahren als Gegenspieler Infantinos. Schon 2018 war der europäische Verband maßgeblich daran beteiligt, einen früheren FIFA-Deal mit einem Volumen von 25 Milliarden Dollar zu stoppen. Auch beim Widerstand gegen die Super League spielte die UEFA eine zentrale Rolle.

Zwar wurde Ceferin in diesem Zusammenhang nicht direkt zitiert, doch die Stellungnahme der UEFA ließ keinen Zweifel an der Haltung Europas. Dort hieß es, mit dem Vorhaben werde eine Grenze überschritten, die Fußballinstitutionen niemals überschreiten dürften.

Für Infantinos Projekt ist der Widerstand der UEFA besonders gefährlich. Ohne die großen europäischen Verbände lässt sich im Weltfußball kaum ein solches Modell durchsetzen. Ceferin selbst steht politisch nicht mehr stark unter Druck, da seine Amtszeit im kommenden Frühjahr endet und er nicht erneut kandidieren will.

Gianni Infantino

Infantino verteidigte den Plan einen Tag nach Bekanntwerden in einer Videobotschaft. Er sprach von einer einmaligen Gelegenheit, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich schneller voranzubringen.

Nach seiner Darstellung kommt bislang zu wenig vom steigenden wirtschaftlichen Wert des Fußballs dort an, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird. Den Vorwurf, die Unabhängigkeit der FIFA werde durch das neue Konstrukt gefährdet, weist er zurück.

Über das Modell sollen die 211 Mitgliedsverbände mit einfacher Mehrheit abstimmen. Bis dahin dürfte die Debatte weiter an Schärfe gewinnen – denn für viele Kritiker geht es längst nicht nur um Geld, sondern um die Grundfrage, wem der Fußball künftig eigentlich gehört.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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