Fußball

Derby-Wahnsinn! Comeback schiesst den «Club» an die Spitze

Nürnberg gewinnt das Derby dank Reichert, Scobel und Justvan – doch was verrät Klose über Platz 1? Und was frustriert Fürth?

16.08.2026, 09:50 Uhr

Miroslav Klose wollte trotz der großen Euphorie nach dem eindrucksvollen Derby-Erfolg des 1. FC Nürnberg noch nicht von einem Spitzenteam sprechen. Das sei nach nur zwei Spieltagen noch zu früh, betonte der FCN-Coach. Erst nach einigen weiteren Partien lasse sich besser beurteilen, wohin die Reise in dieser Zweitliga-Saison wirklich geht.

Dennoch dürfte das 4:2 (2:2) beim Erzrivalen SpVgg Greuther Fürth ein Fingerzeig sein. Im dritten Jahr unter Klose scheint sich der "Club" in eine vielversprechende Richtung zu entwickeln. Nach dem Abpfiff fiel der Trainer seinem starken Torhüter Jan Reichert, der erneut als Elfmeterkiller glänzte, in die Arme. Auch die Fans feierten die Mannschaft und insbesondere die beiden Doppeltorschützen Piet Scobel und Julian Justvan ausgelassen. Im roten Pyro-Nebel hallten Sprechchöre durch das Stadion.

Klose lobt Mentalität und Zusammenhalt

Mit etwas Abstand verfolgte Klose stolz die Jubelszenen. Für ihn war vor allem die Art des Erfolgs entscheidend. Nürnberg lag zweimal zurück und kämpfte sich jeweils zurück ins Spiel. Genau das imponierte dem Trainer mehr als der Sprung an die Tabellenspitze nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel – ein Auftakt, der dem FCN zuletzt vor neun Jahren gelungen war.

Klose, der auch im fünften Derby gegen Fürth unbesiegt blieb, sprach seiner Mannschaft ein großes Kompliment aus. Zweimal nach Rückständen zurückzukommen, sei ein Beweis für Charakter und mannschaftliche Geschlossenheit.

Scobel und Justvan drehen das Derby

Fürth war durch Kapitän Felix Klaus zweimal in Führung gegangen. Zunächst traf er in der 22. Minute per Handelfmeter, später in der 41. Minute erneut. Nürnberg antwortete jedoch jedes Mal schnell: Scobel glich in der 26. Minute aus, Justvan sorgte tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für das 2:2.

SpVgg Greuther Fürth - 1. FC Nürnberg
Nürnberg-Torhüter Reichert jubelt nach einem gehaltenen Foulelfmeter. Quelle: Daniel Löb/dpa

Nach der Pause wendete sich das Spiel endgültig zugunsten der Gäste. Justvan brachte Nürnberg in der 54. Minute erstmals nach vorn, nachdem er von der Fürther Defensive zu wenig bedrängt worden war. Scobel setzte in der 74. Minute mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt.

Nürnbergs Offensive in starker Frühform

Mit nun 7:2 Toren aus zwei Spielen präsentiert sich vor allem die Nürnberger Offensive in bestechender Form. Scobel und Justvan stehen jeweils bei zwei Treffern, Mohamed Ali Zoma nach seinem Dreierpack zum Auftakt bereits bei drei.

Dass Zoma diesmal ohne Tor blieb, störte Klose nicht. Im Gegenteil: Für die Mannschaft sei es wichtig gewesen, dass diesmal andere Spieler im Mittelpunkt standen. Nebenbei würde ein weiteres Zoma-Tor den Angreifer angesichts des angeblichen Interesses aus dem Ausland noch begehrter machen.

Reichert als Schlüsselfigur

Neben den beiden Torschützen war Torwart Jan Reichert einer der entscheidenden Akteure. Schon in der Halbzeit soll er in der Kabine laut geworden sein und seine Mitspieler wachgerüttelt haben. Noch wichtiger wurde sein Einsatz in der 63. Minute, als er einen weiteren Elfmeter von Klaus parierte und damit das mögliche 3:3 verhinderte.

Justvan lobte den Schlussmann ausdrücklich und meinte, die Mannschaft könne froh sein, einen Keeper wie Reichert hinter sich zu haben. Als Nächstes will Nürnberg im DFB-Pokal bei Viktoria Köln nachlegen.

Fürth hadert mit den Gegentoren

Bei der SpVgg Greuther Fürth war die Enttäuschung dagegen groß. Die gute Stimmung nach dem 1:1 zum Saisonstart beim FC St. Pauli war schnell verflogen. Trainer Heiko Vogel kritisierte vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft die Gegentore zuließ. Besonders das 2:3 ärgerte ihn, weil Justvan vor seinem Abschluss kaum unter Druck gesetzt wurde. Das grenze teilweise an Arbeitsverweigerung, sagte der Fürther Coach.

Auch Kapitän Klaus, trotz seiner zwei Treffer, zeigte sich frustriert. Aus seiner Sicht wären alle Gegentore unnötig gewesen, und ein Sieg wäre durchaus möglich gewesen. Für das "Kleeblatt" geht es nun im DFB-Pokal mit einem Heimspiel gegen den Liga-Konkurrenten Bochum weiter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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