Julian Nagelsmann kann nach dem vorletzten Härtetest vor der WM mit viel Rückenwind planen. Auch ohne den noch fehlenden Kai Havertz setzte die deutsche Nationalmannschaft gegen Finnland ein klares Ausrufezeichen und baute ihre starke Serie weiter aus.
Der Bundestrainer hatte in Mainz mehreren Spielern die Chance gegeben, sich für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko weiter zu empfehlen – und einige nutzten sie eindrucksvoll. Besonders Deniz Undav rückte als Havertz-Vertreter ins Zentrum und überzeugte mit einem Doppelpack sowie einer Torvorlage. Nach seinem zweiten Treffer musste der Stuttgarter allerdings angeschlagen vom Platz.
Serie weiter ausgebaut
Nach zuvor sieben Siegen nacheinander gelang dem DFB-Team nun der achte Erfolg in Serie. Gegen die harmlosen Finnen geriet Deutschland kaum in Gefahr und sammelte weiteres Selbstvertrauen für die anstehende WM-Reise.
Baumann kaum gefordert
Weil Manuel Neuer nach seiner Wadenverhärtung weiter geschont wurde, stand erneut Oliver Baumann im Tor. Der Hoffenheimer wurde von den Fans mit Sprechchören gefeiert, bekam sportlich aber kaum etwas zu tun. Wie groß seine Rolle bei der WM wird, hängt weiter von Neuers Fitness ab.
Karl nutzt sein Startelf-Debüt
Für Lennart Karl war es im dritten Einsatz für die A-Nationalmannschaft der erste Platz in der Anfangsformation – und der 18-Jährige machte Hoffnung auf mehr. Der Bayern-Teenager zeigte sich nach vorne beweglich, arbeitete auch gegen den Ball ordentlich mit und glänzte zudem mit einem starken Pass auf Undav.
Musiala meldet sich mit Tor zurück
Besonders im Fokus stand Jamal Musiala, der nach längerer Verletzungspause sein DFB-Comeback feierte. Der Bayern-Profi brachte wieder viel Spielfreude auf den Platz, suchte immer wieder das Dribbling und belohnte sich mit einem Treffer.
Auch Florian Wirtz überzeugte. Seine Tempoläufe sorgten immer wieder für Gefahr, dazu traf auch er selbst. Von Wechselgerüchten oder Sommertrubel war bei ihm auf dem Rasen nichts zu sehen.
Brown empfiehlt sich weiter
Auf der linken Seite unterstrich Nathaniel Brown, dass er im Kampf um einen Startelfplatz für die WM weiter gute Karten hat. Der Frankfurter bewegte sich im direkten Konkurrenzvergleich mit David Raum auf Augenhöhe und brachte seine technische Klasse mehrfach ein.
Viel Stabilität im Zentrum
Im Mittelfeld zeigte Aleksandar Pavlovic einmal mehr seine Bedeutung für Nagelsmanns Spielidee. Der Münchner überzeugte mit Übersicht, Ballgewinnen und kluger Passwahl. Neben ihm brachte Felix Nmecha viel Wucht und Präsenz ein, auch wenn ihm nach längerer Pause noch etwas Rhythmus fehlt.
In der Defensive erledigten Joshua Kimmich, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck ihre Aufgaben weitgehend souverän. Kapitän Kimmich trieb das Team wie gewohnt an und unterstützte Karl auf der rechten Seite. Tah räumte viel ab, während Schlotterbeck ohne große Patzer blieb, aber nicht durchgehend ganz sauber in seinen Aktionen wirkte.
Joker ohne großen Ertrag
Nach der Pause kamen unter anderem Maximilian Beier, Nick Woltemade, Leroy Sané und Nadiem Amiri zum Einsatz. Beier konnte sein Tempo diesmal nicht entscheidend einbringen und ließ in der Nachspielzeit eine gute Chance liegen. Woltemade arbeitete engagiert, blieb offensiv aber ohne Durchschlagskraft. Sané wurde bei seinem 75. Länderspiel diesmal ohne Pfiffe eingewechselt, muss sich im Konkurrenzkampf aber noch stärker aufdrängen. Amiri wurde bei seinem Heimspiel in Mainz von den Fans lautstark gefeiert und setzte kurz vor Schluss noch einen Fernschuss ab.
Die deutsche Startelf
Deutschland begann mit:
Baumann – Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Brown – Pavlovic, Nmecha – Karl, Musiala, Wirtz – Undav
Nach dem Spiel verabschiedet sich die Nationalmannschaft am Montag mit einer Regenerationseinheit vor rund 800 Fans auf dem Frankfurter Campus. Am Dienstag folgt der Abflug nach Chicago. Dort steht am 6. Juni gegen Co-Gastgeber USA die Generalprobe für die WM an – dann voraussichtlich auch mit Kai Havertz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber