Fußball

«Big Nick» ade? Woltemades riskante Wende in Turin

Juventus statt Frust: Findet Woltemade in Turin zurück zur Form – oder wächst nach der England-Pleite die Kritik weiter?

02.09.2026, 11:14 Uhr

Woltemade wagt in Turin einen neuen Anlauf

Nick Woltemade hat bei Juventus Turin unterschrieben und präsentiert mit ernster Miene das Trikot seines neuen Vereins. Die schwarz-weißen Streifen erinnern dabei an seinen bisherigen Club Newcastle United – passend zu einer Zeit, in der für den Nationalspieler vieles wechselhaft verlief.

Erst vor rund einem Jahr war der Angreifer unter großer Aufmerksamkeit vom VfB Stuttgart nach England gewechselt. Damals stand eine Ablöse von bis zu 90 Millionen Euro im Raum. In Newcastle wurde der Stürmer als „Big Nick“ gefeiert, vor allem weil er zu Beginn sicher vom Punkt traf. Später kippte die Stimmung jedoch. Nach seinem vergebenen Elfmeter bei der WM wurde aus dem gefeierten Torjäger schnell ein Spieler, der vor allem Kritik einstecken musste. In Italien soll nun der Neustart gelingen.

Ein neues Kapitel bei Juve

In den sozialen Netzwerken sprach Woltemade selbst nur knapp vom „nächsten Kapitel“, als er sich mit dem Juve-Trikot zeigte. Auf große Worte über sportliche Ziele oder die Strahlkraft des Traditionsclubs verzichtete er diesmal. Juventus gehört zwar weiterhin zu den bekanntesten Namen im italienischen Fußball, doch sportlich standen zuletzt eher Inter Mailand und die SSC Neapel im Vordergrund.

Ganz anders klang Woltemade noch nach seinem Wechsel nach Newcastle. Damals betonte er, als Profi das Maximum erreichen zu wollen, in der Champions League zu spielen und sich auf die Premier League als stärkste Liga der Welt zu freuen.

Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert. Juventus ist nicht in der Champions League vertreten, und auch finanziell sowie sportlich liegt die Serie A hinter der Premier League. Für Woltemade dürfte das vorerst zweitrangig sein. Entscheidend ist für ihn wohl, wieder regelmäßig zum Einsatz zu kommen, Tore zu erzielen und neues Selbstvertrauen aufzubauen. Dann könnten auch seine Chancen in der Nationalmannschaft wieder steigen – in der Hoffnung, unter Bundestrainer Jürgen Klopp erneut eine größere Rolle zu spielen.

Nick Woltemade
Das war nichts: Bei der WM blieb von Woltemade nur der vergebene Elfmeter gegen Paraguay hängen. (Archivbild) Quelle: Martin Rickett/PA Wire/dpa

Kritik am Wechsel nach Italien

Der 24-Jährige wird zunächst bis zum kommenden Sommer an Juventus ausgeliehen. Als Leihgebühr werden vier bis fünf Millionen Euro genannt. In Deutschland wird dieser Schritt durchaus skeptisch gesehen. Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann äußerte sich als Sky-Experte kritisch und sagte, er hätte Woltemade lieber weiter in Newcastle oder bei Borussia Dortmund gesehen. Konkrete Verhandlungen mit dem BVB kamen jedoch offenbar nie zustande.

Auch in Newcastle wäre die Situation für den Offensivspieler wohl schwierig geblieben. Unter dem neuen Trainer Matthias Jaissle kam er an den ersten beiden Spieltagen lediglich auf 19 Einsatzminuten. Insgesamt stehen für ihn 53 Pflichtspiele und elf Tore zu Buche – gemessen an den Erwartungen keine überzeugende Bilanz. Sein Vertrag bei den Magpies läuft noch bis 2031.

Rückblick auf den teuren Transfer

Nach der Entwicklung der vergangenen Monate dürfte sich Karl-Heinz Rummenigge in seiner früheren Einschätzung bestätigt sehen. Der Bayern-Aufsichtsrat hatte schon im vergangenen Sommer spöttisch angemerkt, Stuttgart könne froh sein, jemanden gefunden zu haben, der eine derart hohe Summe für Woltemade bezahle – in München hätte man das sicher nicht getan.

Damals galten die Bayern lange als aussichtsreicher Kandidat im Werben um den 1,98 Meter großen Angreifer, auch aus Sicht des Spielers selbst. Doch Stuttgart blieb zunächst hart, erklärte Woltemade für unverkäuflich und verlangte mehr Geld. Schließlich setzte sich Newcastle mit dem höheren Angebot durch.

Nun soll Juventus-Coach Luciano Spalletti dafür sorgen, dass Woltemade in Turin zu alter Stärke zurückfindet – und im nächsten Sommer womöglich in besserer Form nach Newcastle zurückkehrt. Vielleicht dann nicht mehr als „Big Nick“, sondern als „Grande Nick“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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