Novak Djokovic formte mit den Händen ein Herz, hob anschließend beide Daumen und verließ den Court Philippe Chatrier lächelnd – womöglich zum letzten Mal. Auf die Frage, ob er 2027 als 40-Jähriger noch einmal in Paris antreten werde, antwortete der Tennisstar nur: „Ich weiß es nicht.“ Dabei wirkte er nachdenklich.
Vieles spricht dafür, dass seine Drittrunden-Niederlage gegen den erst 19 Jahre alten João Fonseca sein letzter Auftritt bei den French Open gewesen sein könnte. Umso bitterer: Durch das überraschende Aus von Jannik Sinner und das verletzungsbedingte Fehlen von Carlos Alcaraz hatte sich für Djokovic noch einmal eine große Gelegenheit auf den Titel eröffnet – eine solche Chance dürfte sich in Paris kaum noch einmal ergeben.
Becker sieht in Wimbledon eine Titelchance
Den Traum vom 25. Grand-Slam-Triumph will Djokovic nun in Wimbledon weiterverfolgen. Sein früherer Trainer Boris Becker zeigte sich bei Eurosport optimistisch: Wimbledon sei körperlich weniger fordernd als Paris und deshalb Djokovics nächstes großes Ziel. Nach den Leistungen dieser Woche traue er ihm dort den Turniersieg durchaus zu.
Auf dem roten Sand von Roland Garros scheint die Zeit des Serben dagegen wohl abzulaufen. Das wurde besonders nach dem fast fünfstündigen Match gegen Fonseca deutlich. Djokovic verlor nach einer 2:0-Satzführung noch mit 6:4, 6:4, 3:6, 5:7, 5:7. Danach sagte er, er habe sich am Ende kaum noch auf den Beinen halten können. Mit einem Augenzwinkern meinte er, ein Best-of-three-Format wäre in solchen Momenten angenehmer – doch so seien nun einmal nicht die Regeln.

Lob für Fonseca: „Der nächste große Star“
Bei Temperaturen um die 30 Grad konnte der 39-Jährige dem energiegeladenen Brasilianer nach starkem Start nicht mehr dauerhaft Paroli bieten. Djokovic sah die Ursache weniger bei sich selbst: Er habe nicht viel falsch gemacht, sagte er, Fonseca sei in den entscheidenden Phasen schlicht der bessere Spieler gewesen.
Genau diese Stärke in den wichtigen Momenten hatte Djokovic jahrelang selbst ausgezeichnet. Doch inzwischen setzt ihm der Körper immer stärker Grenzen. Schon die Vorbereitung auf die Sandplatzsaison verlief schwierig. Auf Sand, wo Fitness besonders wichtig ist, konnte er vor Paris nur ein einziges Match bestreiten – und das verlor er in Rom. Djokovic räumte ein, er hätte gerne mehr gespielt, doch sein Körper habe es nicht zugelassen.
Trotzdem lieferte er dem aufstrebenden Star der jungen Generation einen großen Kampf. Fonseca zeigte sich beeindruckt: Djokovic gebe niemals auf, sagte der 19-Jährige. Es wirke bei ihm, als wäre er noch 20 Jahre alt – einfach außergewöhnlich.
Djokovic prophezeit Fonseca eine große Zukunft
Auch Djokovic fand anerkennende Worte für seinen Bezwinger. Fonseca bringe enormes Talent und große Schlagkraft mit, sagte der Serbe. In Brasilien werde er bereits begeistert unterstützt, und der Hype um ihn sei völlig berechtigt. Djokovic äußerte die Hoffnung, dass Fonseca zum nächsten großen Star werde und künftig selbst Grand-Slam-Titel gewinne.
Während er dem Brasilianer eine glänzende Karriere vorhersagte, rückt das Ende seiner eigenen Laufbahn immer näher. Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern, bis Djokovic den Weg von Roger Federer und Rafael Nadal in den Ruhestand folgt. Dass er tatsächlich noch bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles weitermacht, wie er es einst als mögliches Ziel genannt hatte, erscheint inzwischen eher fraglich.
Trotz der Enttäuschung zog Djokovic ein versöhnliches Fazit seiner Tage in Paris. Wenn er die negativen Gedanken zum Match ausblende, gebe es vieles, worauf er stolz sein könne – auf das, was er erlebt und durchgestanden habe. Für diese Erfahrung sei er sehr dankbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion